Wasser wird in Enzklösterle ab dem kommenden Jahr teurer. Foto: ©Guntar Feldmann - stock.adobe.com

Enzklösterle erhöht die Verbrauchswassergebühr um 70 Cent pro Kubikmeter. Auch die Grundgebühr steigt. Kostendeckend ist die Wasserversorgung trotzdem nicht. Wieso?

Wasser ist ein wertvolles Gut. Teuer wird es indes vor allem durch eines: durch die Infrastruktur, die nötig ist, um es zu den Menschen zu bringen. Genau das war Thema in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats von Enzklösterle.

 

„Enzklösterle ist ein sehr langgezogener Ort“, erklärt Bürgermeisterin Sabine Zenker. Entsprechend lang ist das Netz der Wasserversorgung. Außerdem gebe es verhältnismäßig viele leerstehende Gebäude. Doch wo niemand mehr wohnt, verbraucht auch niemand Wasser. Dasselbe gilt beispielsweise für den Campingplatz, der seit diesem Jahr nur noch für Dauercamper geöffnet hat.

Beides zusammen ist eine ungute Mischung, denn es heißt: „Da fehlen die Abnehmer“, fasst es Zenker zusammen. Dennoch muss die Gemeinde alle Anlagen der Wasserversorgung vorhalten – egal, wie viel Wasser sie verkauft.

Bisherige Preise gelten seit 2022

Kostenrückblick Seit dem 1. Januar 2022 kostet der Kubikmeter Wasser in Enzklösterle drei Euro. Die monatliche Grundgebühr belauft sich – je nach Durchflussmenge des Wasserzählers – auf 6,68 Euro, 16,71 oder 41,79 Euro.

Doch das reicht nicht, um die Kosten für die Wasserversorgung zu decken. In den vergangenen Jahren entstand regelmäßig ein Minus. 2021 waren es fast 72 000 Euro, im Jahr darauf fehlten dann gut 42 000, gefolgt von 90 000 Euro und voriges Jahr etwa 70 000 Euro, die fehlten, um die Kosten zu decken. Die Verluste werden aus dem Haushalt der Gemeinde gedeckt. Aus Sicht der Verwaltung ist dies „zukünftig nicht mehr hinnehmbar“, wie es in der Sitzungsvorlage heißt. „Gerade im Bereich hoheitlicher und wirtschaftlicher Betriebe soll die Gemeinde kostendeckend agieren“, denn in vielen anderen Bereichen ist dies unmöglich. Als Beispiel wird der Kindergarten genannt. Nur ein Bruchteil der Kosten dafür wird durch die Gebühren, die die Eltern bezahlen, gedeckt. Würden die Kommunen nicht den allergrößten Teil des Betriebs finanzieren, wären Kindergärten für Familien unbezahlbar.

Vier-Personen-Haushalt bezahlt im teuersten Fall fast 300 Euro mehr

Kostendeckung Beim Wasser richtet sich der Blick fünf Jahre zurück: So lange können Verluste ausgeglichen werden. Um zumindest die Verluste 2021 und 2022 auszugleichen, müsste die Gemeinde 4,53 Euro pro Kubikmeter Wasser erheben. „Ein Gewinn wird damit nicht erzielt“, steht in der Vorlage zur Sitzung am vergangenen Dienstag. Würde Enzklösterle den Wasserpreis von drei Euro auf 3,70 Euro erhöhen, hätte die Gemeinde in Summe lediglich gut 55 000 Euro mehr.

Beispiel Laut Beispielrechnung würde ein Vier-Personen-Haushalt, der 190 Kubikmeter verbraucht, beim Preis von bisher drei Euro pro Jahr 570 Euro fürs Wasser bezahlen. Steigt die Gebühr auf 3,70 Euro, wären es 703 Euro, im teuersten Fall (4,53 Euro pro Kubikmeter) sogar gut 860 Euro, also fast 300 Euro mehr als bisher.

Um das Minus aus den Jahren 2021 und 2022 auszugleichen, schlug die Verwaltung den Gemeinderäten vor, künftig 4,53 pro Kubikmeter Wasser zu verlangen. Die Grundgebühr soll außerdem – je nach Zählergröße – auf 12,48, 31,22 oder 78,07 Euro steigen.

Entscheidung Das war den Gemeinderäten aber offenbar in Summe zu viel. „Es war eine sehr konstruktive Diskussion“, berichtet Bürgermeisterin Sabine Zenker im Nachgang aus der Sitzung. Dennoch folgte das Gros des Gremiums lediglich bei den Grundgebühren dem Verwaltungsvorschlag.

Wie Zenker mitteilt, wollten die Gemeinderäte, dass der Preis pro Kubikmeter Wasser künftig, ab 2026, nur auf 3,70 Euro erhöht wird – das bedeutet 70 Cent mehr als bisher. „Da waren sich eigentlich alle einig, dass das besser ist“, erzählt die Bürgermeisterin. Die Grundgebühr dagegen steigt wie vorgeschlagen auf 12,48 Euro statt bisher 6,68 Euro beziehungsweise 31,22 Euro (zuvor: 16,71) und 78,02 Euro (41,79). Die Entscheidung fiel laut Sabine Zenker fast einmütig bei einer Gegenstimme.

In zwei Jahren dürfte die Wassergebühr indes wieder Thema sein. Dann rücken die Verluste aus den Jahren 2023 und 2024 in den Fokus, und die sind in Summe noch höher: Sie betragen zusammen 170 000 Euro. Das lässt für den Wasserpreis in Enzklösterle nichts Gutes ahnen.