Wolfgang Greiner ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Foto: Greiner

Wolfgang Greiner, prägende Unternehmerpersönlichkeit aus Rottweil, ist verstorben. Sein Leben war geprägt von Arbeit, Familie und bewegter Geschichte.

Wolfgang Greiner war Unternehmer durch und durch. Mit den Dimmler-Feinkostgeschäften und der Emil Dimmler GmbH, die unter anderem Sprengmittel vertreibt und heute von seiner Tochter und den beiden Enkeln geführt wird, hat Wolfgang Greiner ein wichtiges Kapitel Rottweiler Wirtschaftsgeschichte mitgeschrieben. Und das in teils wirtschaftlich höchst schwierigen Zeiten.

 

Am Dienstag ist der Unternehmer im Kreise seiner Familie gestorben. Noch bis zuletzt habe er sich hoch engagiert eingebracht, tagtäglich die Nachrichten aus der Welt verfolgt und sich aktiv für Menschen eingesetzt, die Hilfe brauchen. Das Osterfest hätte der leidenschaftliche Katholik gerne noch erlebt. Er hatte sogar noch die Osternestchen für seine sieben Urenkel, die ihm sehr am Herzen lagen, in Auftrag gegeben.

Mitten im Leben zu sein, dort zu helfen, wo Hilfe nötig war, sich für den Betrieb ganz und gar einzusetzen, das war das Lebenselixier von Wolfgang Greiner. Und das über viele Jahrzehnte.

In seinen Lebenserinnerungen, die er im Alter von 89 Jahren, verfasst hat, ist dies eindrücklich beschrieben. Vor allem seine Kindheit und Jugend, die er in der Rottweiler Kaiserstraße erlebte, nahm hier großen Raum ein und war auch in den Gesprächen mit seinen vier Kindern bis zuletzt Thema. Wolfgang Greiner wurde am 20. September 1929, zu Beginn der größten Weltwirtschaftskrise, und in der bröckelnden Weimarer Republik geboren. Diese Zeit hat ihn geprägt und bis zuletzt bewegt.

Feinkostgeschäft in der Oberen Hauptstraße

Er hatte die Dietrich-Eckart-Oberschule besucht, das heutige Albertus-Magnus-Gymnasium. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs sollte er noch eingezogen werden. Er flüchtete vor der SS und überlebte. Wenige Stunden später marschierten die Franzosen in Rottweil ein.

Nach seiner Schulzeit absolvierte Wolfgang Greiner eine kaufmännische Ausbildung. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau Hildegard Dimmler kennen, die mit ihrer Mutter und Tante ein Feinkostgeschäft in der Oberen Hauptstraße führte. Er stieg 1953 als Geschäftsführer in den Betrieb mit ein. Im selben Jahr heiratete er seine Hildegard. „Dimmler“ stand in Rottweil und dem Umland 140 Jahre lang für hochwertige Lebensmittel.

Die beiden führten das Geschäft in fünfter Generation und bauten es mit 19 Filialen in Rottweil und den Umlandgemeinden weiter aus. Die Liebe der beiden wurde mit vier Kindern, zwei Töchtern und zwei Söhnen, gekrönt. Trotz der vielen Arbeit stand die Familie stets im Mittelpunkt. Als die Discounter dann Einzug hielten, verkaufte Wolfgang Greiner die Lebensmittelgeschäfte und stieg erfolgreich ins Geschäft mit Sprengstoff ein. 1994 übergab er den Betrieb an seine Tochter und ging in den Ruhestand.

Der „Uri“ sehr beliebt

In diesem neuen Lebensabschnitt unternahm er mit seiner Frau unzählige Reisen in ferne Länder. 2019 starb Hildegard Greiner. Wolfgang Greiner hatte sie bis zuletzt liebevoll gepflegt. Und trotz dieses Verlustes ließ er sich nicht verdrießen, begann seine Lebenserinnerungen aufzuschreiben, kümmerte sich um seine sechs Enkel, und auch bei seinen sieben Urenkeln war der „Uri“ sehr beliebt, und sie lauschten gerne seinen Geschichten.

Der Trauergottesdienst findet am Dienstag, 7. April, um 11 Uhr in der Ruhe-Christi-Kirche statt. Anschließend wird Wolfgang Greiner auf dem Stadtfriedhof beerdigt.