Während Baden-Württembergs Wirtschaft ächzt, glänzt die Landesbank mit einem Rekordergebnis. Wie der LBBW-Chef das erklärt – und warum er einen Mentalitätswandel fordert.
Trotz Wirtschaftskrise hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) 2025 das zweitbeste Ergebnis der Geschichte erzielt. Die Kreditausfälle bei Unternehmenskunden waren geringer als befürchtet, die Risikovorsorge ist leicht zurückgegangen, und die Eigner können sich sogar über eine höhere Ausschüttung freuen.
Dass die Krise, die gerade das exportstarke Baden-Württemberg besonders trifft, in der Bilanz bei Deutschlands größter Landesbank bislang wenig zu spüren ist, dafür hat LBBW-Chef Rainer Neske eine plausible Erklärung: Wenn Unternehmen anfingen, Fabriken zu schließen, Jobs zu verlagern und sich strukturell anpassten, dann seien das meist Unternehmen, „die noch die Stärke haben, das zu tun, und sie werden nicht zu Ausfallkandidaten“. Es gebe aber auch Firmen, denen die Luft ausgehe. Den Banken komme in solchen Stresssituationen die wichtige Rolle zu, ihre Kunden auch durch schwierige Zeiten zu begleiten, sagte der LBBW-Chef.
„Anpassungsprozesse sind unvermeidbar“
Anpassungsprozesse in den Unternehmen und im Mittelstand seien unvermeidbar. Befürchtungen, dass Baden-Württemberg damit seinen industriellen Kern verliert, teilt Neske nicht. Überall seien neue Produkte in der Pipeline, sagte er – auch mit Blick auf die Automobilindustrie.
Der Druck auf die Firmen zum Umbau steige weiter. „Die Kunden werden nicht noch auf politische Entscheidungen warten“, sagte Neske. In Richtung Politik sieht er einen wichtigen Hebel beim Bürokratieabbau. „Da brauchen wir auf allen Ebenen einen Mindsetwechsel, sehen aber, dass zu wenig passiert“, sagte Neske. Geschwindigkeit sei von ausschlaggebender Bedeutung. Da gebe es in der Wirtschaft eine erhebliche Frustration, so der LBBW-Chef. Er nannte ein Beispiel: In den USA etwa dauere es von der Entscheidung bis zur Fertigstellung einer Fabrik gerade mal elfeinhalb Monate – ganz anders dagegen in Deutschland.
Iran-Krieg als Inflationstreiber
Neske, dessen Vertrag als LBBW-Vorstandschef Mitte 2025 für weitere fünf Jahre bis 30. Juni 2031 verlängert wurde, ist keiner, der schwarz malt, sondern der auf Mut und Optimismus setzt. Durch den Iran-Krieg allerdings erwartet er langfristige strukturelle Schäden – unter anderem lange Lieferketten und fehlende Ölmengen, was letztlich auch Inflation und Zinsen anheize.
Wegen hoher Spritpreise verstärkt im Homeoffice zu arbeiten, davon hält er nichts, es sei denn, man käme in eine „echte Energiekrise“. Was das Homeoffice bei der LBBW angeht, so hat sich das „Di-Do-Problem“, also die Präsenz allein von Dienstag bis Donnerstag“, etwas entspannt, die Mitarbeiter kämen stärker verteilt, zudem gebe es einen leichten Trend, vermehrt ins Büro zu kommen. Neske, der dafür plädiert hatte, angesichts der hohen Arbeitskosten hierzulande zwei Feiertage abzuschaffen, bleibt bei dieser Meinung. Angesichts der gegenwärtigen „Multi-Krise“ komme man aber mit singulären Vorschlägen nicht weiter.
Beim Ausblick aufs laufende Jahr zeigte sich der LBBW-Chef vorsichtiger: „Mit Blick auf die weiterhin hohen Unsicherheiten in der Geopolitik und die angespannte Wirtschaftssituation“ erwartet er 2026 ein Ergebnis vor Steuern leicht unter Vorjahr, aber über 1,1 Milliarden Euro. Zur Risikovorsorge wollte er keine Prognose abgeben. Das sei in einem unstetigen Umfeld nicht projizierbar. Durch die anhaltende Rezession und enorm steigende Kosten werde die Luft bei dem ein oder anderen Unternehmen dünner. Nur weil es 2025 besser gelaufen sei als erwartet, könne man nicht davon ausgehen, dass das so bleibe.
Im vergangenen Jahr hat die LBBW ihren Gewinn vor Steuern um vier Prozent auf 1,28 Milliarden gesteigert. Alle Bereiche – Unternehmenskunden, Immobilien und Infrastrukturfinanzierung, Kapitalmarktgeschäft sowie Private Kunden/Sparkassen – haben nach Aussagen von Finanzchefin Stefanie Münz mit dreistelligen Millionenbeträgen zu dem Überschuss beigetragen, wobei sich vor allem das Geschäft mit Unternehmenskunden deutlich erholt hat, während im Immobiliengeschäft die Kosten für die Eingliederung der 2022 übernommenen Berlin Hyp zu spüren waren.
350 Millionen Euro sollen an Eigner ausgeschüttet werden
Die Risikovorsorge im Konzern ist 2025 leicht auf 332 Millionen Euro nach 360 Millionen Euro im Jahr zuvor gesunken. Während im Firmenkundengeschäft weniger Geld für drohende Kreditausfälle zurückgelegt werden musste, gab es im Bereich Immobilien und Infrastrukturfinanzierung einen erhöhten Vorsorgebedarf. Die Bank hat in den vergangenen Jahren allerdings noch einen zusätzlichen Risikopuffer in Form von sogenannten Modal-Adjustments in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro aufgebaut. Unterm Strich blieb ein Ergebnis nach Steuern von 942 Millionen Euro übrig, das waren neun Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Von der guten Geschäftsentwicklung sollen auch die Eigentümer profitieren, an die 350 Millionen Euro – und damit mehr als im Vorjahr – sind als Ausschüttung geplant. Die LBBW gehört zu 40,5 Prozent dem Sparkassenverband Baden-Württemberg, zu knapp 25 Prozent dem Land Baden-Württemberg, zu fast 19 Prozent der Stadt Stuttgart und zu 15,5 Prozent der Landesbeteiligungen Baden-Württemberg GmbH. Die LBBW beschäftigt mehr als 10.800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Lob kam von Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) in seiner Funktion als Vertreter des Landes bei der LBBW: „Das Ergebnis der LBBW ist ein starkes Signal in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Mit dem dritten Milliardenergebnis in Folge zeigt die Bank ihre Stabilität und Leistungsfähigkeit“, sagte Bayaz. Die Zahlen seien gut, aber kein Selbstläufer. Gerade vor dem Hintergrund der schwachen Konjunktur und geopolitischer Unsicherheiten sei es wichtig, dass die Bank ihre Risikovorsorge und Kapitalstärke auf diesem hohen Niveau halte.