Lastwagen, Sattelschlepper – es rollt einiges den Berg hinunter und wieder hinauf. Tonnen um Tonnen auf engsten Wegen. Eine logistische Herausforderung und für die Anwohner eine Belastung. In Rottweil wird es ernst.
Die Ansage des Regierungspräsidium Freiburg ist unmissverständlich: Der Spazierweg entlang des Neckars zwischen der Primmündung und dem Hauptsitz der ENRW ist gesperrt. Am Wochenende sogar hermetisch.
Zwischen großen Baumaschinen und zirkulierenden Lastwägen wäre Publikumsverkehr einfach viel zu gefährlich, sagt Bürgermeisterin Ines Gaehn, die die Landesgartenschau geschäftsführend leitend, bei einem Vor-Ort-Termin mit den Anwohnern.
Spatenstich steht bevor
Gleichwohl, die Renaturierung des Neckars, die kommende Woche mit dem Spatenstich auch symbolisch beginnt, ist Ländersache. Gleich mehrere Planungsbüros und Bauleiter arbeiten gemeinsam, informierte Marlene Reichegger vom Regierungspräsidium Freiburg und Bauherrin der Renaturierung.
15 000 Kubikmeter werden dem Neckar entnommen
Die Aufgabe ist enorm. Innerhalb der nächsten drei Jahre werden Tonnen an Materialien bewegt. 15 000 Kubikmeter werden dem Neckar entnommen, mit 10 000 Kubikmeter werde er wieder gefüllt und mit 11 000 Tonnen Wasserbausteine verbaut. Das Lager dafür befindet sich in Höhenlage, oberhalb der Tafelgasse. Von dort kreiseln täglich die Lastwagen hinunter zum Neckar.
„Mindestens 3000 Lastwagen werden an meinem Haus vorbeifahren“, rechnet ein Anwohner vor. Er war, wie alle unmittelbar Betroffenen, zum Vor-Gespräch geladen. Stadt und Land hoffen auf ein gutes Miteinander. Offen und transparent sollen die Gespräche verlaufen, betonen Gaehn und Reichegger und verteilen Visitenkarten von den Bauleitern. Sie wissen um die hohe Belastung.
Landesgartenschau ist es wert
Aber, und da bleibt Gaehn standhaft: „Die Landesgartenschau ist es wert“. Rottweil bekomme im Gegenzug ein neues Naherholungsgebiet am Fluss mit Spielplätzen, Gastronomie, hochwertigen Aufenthaltsflächen im Grünen und direkter Anbindung an die historische Innenstadt. Und auch bei vielen begleitenden Baumaßnahmen wie Sanierung von Brücken, Radwege und Neubau Parkhaus werde die Stadt nur deshalb mit den entsprechenden Fördermitteln ausgestattet, um termingerecht bis 2028 auch diese angrenzenden Projekte umzusetzen.
Neues Freizeitvergnügen
Zusammengefasst biete die Landesgartenschau nicht nur kurzfristige Erholung und Freizeitvergnügen, sondern trage langfristig zur ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt bei.
Der erste Bauabschnitt beginnt an der Primmündung, aber parallel werde, ausgehend vom Standort bei der ENRW, die Baustraße eingerichtet, sagt Bauleiter Christian Seng. Die Garagen bei der ENRW wurden bereits abgebrochen. Von dort soll eine breite Baustraße bis zur Primmündung führen. Der schmale Weg, der bislang entlang des Neckars verlief, werde dafür heruntergebrochen und mit dem gewonnenen Bauschutt zu einer Baustraße verbreitert. Über Stahlbetonrollen durch den Neckar könne auch das gegenüberliegende Neckarufer erreicht werden.
Gleise zurückgebaut
Auf Gleisseite ist auch die Stadt tätig. Die ersten Maßnahmen für den künftigen Geh- und Radweg sind bereits sichtbar. Gleise wurden dafür zurückgebaut, erzählt Gaehn. Neben dem Geh- und Radweg, werde ein weiterer erlebbarer Gehweg direkt am Neckar verlaufen. Die Verbindung zur Gleisseite erfolge ab dem Bunkerteich über eine Brücke. Zurück gehe es bei der ENRW, mit einer weiteren Brücke.
Warum nicht mit der Bahn?
Die unmittelbare Nähe zum Bahnhof warf für die Anwohner die Frage nach dem CO2-Fußabdruck auf. „Warum wurden die Tonnen an Materialien nicht mit der Bahn transportiert?“. Das sei auch für das Regierungspräsidium ein großes Anliegen gewesen, betont Reichegger. „Wir haben wirklich alles unternommen, um die Bahn zu überzeugen. Aber von diesem Gedanken mussten wir uns verabschieden“. Da Rottweil kein Güterumschlagplatz mehr sei, wäre ein Transport nicht möglich. Um den CO2-Abdruck so gering wie möglich zu halten, würden Materialien aus der Region geholt. Kies etwa aus Nürtingen. Er sei bei einer Maßnahme dem Neckar dort entnommen worden.
Im Herbst 2027 werde mit der Fertigstellung der Renaturierung gerechnet. Der Blick hinter die Kulissen sei trotz Sperrung möglich. Die Bürger würden regelmäßig zu Baustellenführungen eingeladen, versprach Gaehn.