Bei seinem Besuch des Freudenstädter Krankenhauses hat sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach viel Zeit genommen, um Fragen der Mitarbeiter zu beantworten. Dabei zeigte sich: Die Sorgen der Belegschaft gehen weit über die geplante Reform hinaus.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat das Krankenhaus Freudenstadt besucht, um für seine Krankenhausreform zu werben. Doch im Gespräch mit den Mitarbeitern vor Ort wurde deutlich, dass mit der Abschaffung der Fallpauschalen noch längst nicht alle Probleme gelöst sind – und auch, dass der Minister nicht für jedes Problem eine Lösung hat.
So sprach Chefarzt Klaus Fellermann das Problem an, dass es immer schwieriger wird, genug Personal zu finden. Dadurch müsste das Krankenhaus immer mehr Honorarärzte einstellen. Honorarärzte sind im Gegensatz zur Stammbelegschaft keine Angestellten sondern selbstständige Unternehmer. Oftmals können die Honorarärzte für sich bessere Konditionen aushandeln. Und das führt oft zu Unmut bei den fest angestellten Ärzten.
Kritik an „Rosinenpickerei“
Darin sieht offenbar auch Lauterbach ein Problem. So kritisierte er in der Gesprächsrunde die „Rosinenpickerei gegenüber der Stammbelegschaft“. „Das ist zu Lasten des Stammpersonals“, stellte Lauterbach klar. „Langfristig brauchen wir da eine Lösung.“
Doch wie könnte eine solche Lösung aussehen? Für Lauterbach ist die Sache offenbar klar: Mehr Medizinstudienplätze müssen her. „Wir werden einen Einbruch in der Qualität der Versorgung sehen, wenn es nicht gelingt, die Zahl der Medizinstudienplätze zu erhöhen“, so Lauterbach. Rund 50 000 zusätzliche Plätze würden benötigt. Für Lauterbach ist aber auch klar: „In der Zwischenzeit sind wir nicht in der Lage, auf die Honorararbeit zu verzichten.“
Doch das Problem Honorararbeit betrifft längst nicht nur die Ärzteschaft. Auch immer mehr Pflegekräfte arbeiten für Zeitarbeitsfirmen und sichern sich dadurch – ganz im Gegensatz zur Zeitarbeit in anderen Branchen – eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen.
Offenbar sorgt das bei der Stammbelegschaft des Krankenhauses für ordentlich Verdruss. „Die kommen hierher und fordern, fordern, fordern“, schimpfte eine Krankenpflegerin. „ Und wir sind nur am anlernen, anlernen, anlernen.“ Und nach kurzer Zeit würden die frisch angelernten Kollegen dann wieder gehen.
Lauterbachs Lösung: Der Pflegeberuf müsse attraktiver gemacht werden. Dies könne auch dadurch erreicht werden, dass man den Pflegekräften die Möglichkeit gebe, sich im Laufe ihres Berufslebens weiterzuentwickeln. Auch will Lauterbach stärker auf die Akademisierung des Pflegeberufs setzen. „Das Akademisierungsgesetz ist schon durchs Kabinett“, berichtete Lauterbach.
Doch reicht das wirklich, um mehr junge Leute davon zu überzeugen, eine Ausbildung – oder dann ein Studium – zum Krankenpfleger zu beginnen? Manche der Anwesenden zeigten sich davon nicht wirklich überzeugt und sprachen das zentrale Problem im Pflegebereich an: die schlechte Bezahlung.
Dem widersprach auch Lauterbach nicht. „Ich finde, dass die Pflege unterbezahlt ist“, bekräftigte der Gesundheitsminister. „Ich begrüße jede Tariferhöhung.“ Doch eine Lösung für das Problem hatte Lauterbach nicht parat: „Wir haben da als Bund wenig Einflussmöglichkeiten“, meinte Lauterbach So habe die Bundesregierung keine Möglichkeit, die Bezahlung zu erhöhen.