Hier wandelt Blumberg sein Gesicht: Der Eingangsbereich des im Bau befindlichen „Blumberg Quartiers“ von der Tevesstraße aus wird inklusive der Carports mit großzügigen Flächen ausgestattet. In etwa einem halben Jahr sollen die ersten Bewohner einziehen können. Foto: Hans Herrmann

Das „Blumberg Quartier" ist jetzt im Rohbau fertig. Zwei Gewerbebetriebe ziehen ebenfalls ein. Die Vorbereitung nahm eine lange Zeit in Anspruch.

Gut ein Jahr nach dem ersten Spatenstich nimmt das Wohn- und Gewerbeprojekt „Blumberg Quartier“ immer mehr Formen an. Der Baukomplex wurde in der vergangenen Woche ersten Interessenten im Rohbau vorgestellt. Vom Investor, der Activ Immobilien Group aus Schemmenhofen, war Projektentwickler Nico Geiselhart vor Ort. Er informierte über das Gebäude, in dem ein Wohnensemble und zwei Gewerbebetriebe integriert sind. Es handelt sich dabei um die Einzelhandelsfiliale Tedi sowie die Bäckerei Fischerbeck mit Café aus Titisee-Neustadt.

 

„Wir sind zeitlich voll im Soll“, freute er sich über die zügigen Arbeiten. Wenn alles gut läuft, könnte das Bauvorhaben Ende dieses oder eben im nächsten Jahr fertiggestellt werden. Blumbergs nun größte Baustelle, ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem es mit Volldampf vorangeht, rundet das Angebot auf dem ehemaligen Lauffenmühle-Areal ab.

Projektentwickler Nico Geiselhart vom Investor Activ Group stellt die unterschiedlichen Wohnungen beim Tag der offenen Tür vor. Foto: Hans Herrmann

Die Architektur der gesamten Anlage ist elegant in Szene gesetzt und gepaart mit großzügigen Freiflächen. Der breite Wohnungsmix von Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen, dazu Penthousewohnungen bietet vom Single bis zur Familie mit Kindern geeignete Wohnformen an. Die Eigentumswohnungen sind in zwei Einheiten Richtung Tevesstraße eingeteilt. Es gibt keine klassischen Erdgeschosse. Die erste der drei Etagen befindet sich in zwei Metern Höhe. Das Gebäude ist barrierefrei und wird mit Aufzügen erschlossen.

Garagen und Carports von Tevesstraße aus befahrbar

Von einer Kinderspielecke bis zu großzügigen Parkplätzen und anspruchsvoll gestalteten Außenlagen ist alles stimmig. Jede Wohnung ist mit Balkon oder Terrasse ausgestattet. „Die fünf Garagen und zwölf Carports, die von der Tevesstraße befahren werden, sind mit separaten elektrokonformen Anschlüssen ausgestattet“, klärte Nico Geiselhart auf. Weitere sieben Schnellladestationen und Lademöglichkeiten für E-Bikes ergänzen das ökologische Angebot.

Für Nachhaltigkeit sorgt die Bauweise im KFW 55 Energiestandard. Zusätzlich kommt Solarthermie zur Warmwasseraufbereitung zum Einsatz. Bei den beiden Tagen der offenen Tür überzeugten sich einige Interessenten von der Bauweise. Von der Leo-Wohleb-Straße aus sind die beiden Gewerbebetriebe Tedi und Fischerbeck zu betreten, die in ansprechenden Räumen untergebracht sind. Das gesamte Gebäude besticht durch klare Aufteilungen einer harmonischen Infrastruktur.

Hannes Jettkandt: „ein Mehrwert für die Stadt“

Schon beim Spatenstich Ende 2023 war für dieses Projekt eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren. Auch anwesende Gemeinderäte wie der Fraktionssprecher der Freien Liste, Hannes Jettkandt, zeigten sich von diesem Stück Zukunft für Blumberg überzeugt. „Es ist ein tolles Projekt und bringt Blumberg in Bezug auf Wohnen und Einkaufen weiter. Es ist für unsere Stadt ein absoluter Mehrwert“, sagte der Blumberger Stadtrat.

Einzug der ersten Bewohner rückt bereits näher

In knapp einem halben Jahr sollen die ersten Bewohner einziehen können und das gesamte Einkaufsviertel wird damit weiter aufgewertet. Der Komplex musste in seiner Anfangsplanung einige Hürden überwinden. Die Anfänge gehen bis in das Jahr 2017 zurück, als der Investor Activ Group erstmals die Lauffenmühle-Insolvenzverwaltung kontaktierte. „Es hat lange gedauert, bis wir im Gemeinderat nach viel Austausch einig waren“, erinnerte Bürgermeister Markus Keller beim Spatenstich an die erste Annäherungsphase. Nach angepasster Konzeption erfolgte im September 2021 der positive Bauvorbescheid.

Die Textilfabrik Lauffenmühle

Aufstieg und Fall
Die Geschichte der Textilfabrik Lauffenmühle in Lauchringen beginnt 1834 mit Gründung einer Spinnerei mit anfangs 13 Spinnstühlen. Die im Folgejahr gegründete Aktiengesellschaft „Spinnerei Lauffenmühle“ expandiert und macht viele Besitzerwechsel durch. Unter Gustav Winkler und Sohn Helmut werden nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Webereien, Spinnereien und Druckereien in der näheren Umgebung und im Wiesental gekauft. Auch der Standort Blumberg geht in Betrieb. In den 1980er Jahren waren im ganzen Unternehmen 2200 Menschen beschäftigt. 1991 gehört das Unternehmen zu den zehn größten Stoffproduktionen Europas. Ab etwa 1960 gerät die Textilbranche in ganz Europa in die Krise. Standorte in Fernost produzierten preisgünstiger. Die Textilbranche zieht sich immer mehr aus dem Wiesental zurück. Die Zahl der Unternehmen in Europa sinkt drastisch, denn Standorte in Fernost ermöglichen eine günstigere Produktion. Nach einer ersten Insolvenzphase 1993/1994 war das Unternehmen 1996/97 erneut zahlungsunfähig. Werke, darunter Blumberg, wurden geschlossen, 300 Menschen verloren ihre Arbeit. In den 1960er Jahren beschäftigte die Lauffenmühle bis zu 900 Mitarbeiter. Insbesondere Frauen arbeiteten in der Weberei. Ab 1993 durchlief die Lauffenmühle insgesamt fünf Insolvenzverfahren, über welche sich das Sortiment, die Produktionskapazitäten und die Zahl der Arbeitnehmer immer weiter verringerten. Bei seiner Schließung 2019 beschäftigte das Unternehmen noch 242 Mitarbeiter.

Industriebrache und Neunutzung
Das Lauffenmühle-Areal in Blumberg hat eine Fläche von insgesamt rund 10 000 Quadratmetern. Die Werksfläche ging bis zum heutigen Edeka-Markt Milkau. Rund 7000 Quadratmeter liegen zwischen der Querspange (Leo-Wohleb-Straße) und der Innenstadt. Dort wurde 1950 die erste große Fabrikhalle der Lauffenmühle, in Blumberg ist es eine Weberei, gebaut, 1952 folgte die zweite Halle. Nach der Insolvenz der Lauffenmühle in den 1990er-Jahren und den erfolglosen Versuchen, die Gebäude zu vermieten, kam 2004 die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde zum Abbruch der östlichen Halle. Im Juni 2006 öffneten dort die ersten Fachmärkte. Dieser heutige Bauplatz war früher nicht genutzt, sondern war unbebautes Randgebiet. Bei der Übergabe in die Insolvenzvermarktung wurde aber dann das gesamte Gebiet aufgenommen und als Lauffenmühle-Areal bezeichnet.