Laura Gloning (am Ball) wird von Nationalspielerin Cora Zicai vom VfL Wolfsburg verfolgt. Die Lauffenerin ist Stammkraft bei der TSG Hoffenheim. Foto: Eibner/Memmler

Die Lauffenerin Laura Gloning spricht mit unserer Redaktion über das Trainingslager, ihr erstes Halbjahr im Kraichgau, Statistiken und den Traum der Heim-Europameisterschaft 2029.

Im Sommer wechselte Laura Gloning vom FC Bayern München zur TSG Hoffenheim. Während dem Trainingslager der Kraichgauerinnen auf Malta nahm sich die Lauffenerin nach einem Testspiel Zeit für ein längeres Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Hallo Frau Gloning, der Test gegen PSV Eindhoven wurde mit 4:1 gewonnen, wie zufrieden waren Sie?

Anfangs war es recht schwierig, wir sind nicht gut ins Spiel gekommen und zunächst viel hinterhergelaufen. Unser Pressing war nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Nach 20 Minuten sind wir aber besser reingekommen und haben uns im Spiel weiterentwickelt. 4:1 zu gewinnen, ist dann nicht selbstverständlich.

Intensive und spaßige Tage

Trainingslager gelten traditionell als intensive Zeit. Wie schwer sind die Beine nach den Einheiten und Testspielen?

Es war schon anstrengend, mittlerweile sind die Akkus bei allen leer. Wir haben fast jeden Tag zweimal trainiert. Das gehört aber zu einem Trainingslager dazu, also wir können das verkraften (lacht).

Es sind auch die ersten Einheiten unter der neuen Trainerin Eva-Maria Virsinger. Wie nehmen Sie sie in den ersten Tagen der Zusammenarbeit wahr?

Wir sind alle sehr zufrieden! Die Arbeit macht Spaß, und so geht es hoffentlich auch weiter.

Gab es schon frühere Berührungspunkte mit ihr?

Ja, tatsächlich. Wir kennen uns von der WFV-Auswahl, sie war damals Co-Trainerin, und wir haben den Länderpokal zusammen gewonnen.

Ihr persönliches Ziel wird so oder so klar sein: Sowohl unter Theodores Dedes als auch unter Interimstrainer Thomas Johrden waren Sie absolute Stammkraft. Hat sich genau das erfüllt, was Sie sich mit dem Wechsel im Sommer erhofft haben?

Ich bin sogar zufriedener, als ich es von Anfang an erwartet habe. Ich bin sehr glücklich, wie es läuft. Es ist der Optimalfall, dass ich die Spielzeit, die ich bei Bayern in der ersten Mannschaft nicht hatte, hier sammeln kann. Ich gebe mein Bestes, um genau so weiterzumachen.

Flexibel einsetzbar

In 16 Pflichtspielen kamen sie immer zum Einsatz, standen 15-mal in der Startelf: Inwieweit ist diese Bilanz in einem neuen Team nicht selbstverständlich?

Wenn man in einen neuen Verein kommt, ist es sicher nicht selbstverständlich, vom ersten Tag an zu spielen. Natürlich wollte der Verein mich verpflichten, aber man muss sich trotzdem zeigen und in die Mannschaft reinfinden.

Sie haben in der Vorrunde mehrmals verschiedene Positionen begleitet. Wie viel Spaß macht diese „Allrounder-Rolle“?

Ich habe das schon immer als Vorteil gesehen und hatte nie das Gefühl, dass ich „rumgeschoben“ werde. Ich bin froh über meine Flexibilität und mag es, sowohl im Zentrum als auch als Außenverteidigerin zu spielen. Auf beiden Positionen kann ich unterschiedliche Qualitäten einbringen. Hauptsache, ich spiele (lacht).

Gibt es schon erste Anhaltspunkte, wo Sie die neue Trainerin sieht?

In den beiden Testspielen habe ich jeweils auf der „8“ gespielt. In der Hinrunde habe ich zuletzt auch vermehrt im Zentrum gespielt. Ich glaube, dass es dabei auch zunächst mal bleibt, aber ich bin immer auch eine Option für die Außenbahn.

Starke Zahlen

Sie haben in der Bundesliga ein Tor erzielt und drei weitere vorgelegt. Es gibt weitere Statistiken (Quelle: Kicker), zum Beispiel eine Passquote von 80 Prozent, gewonnene Zweikämpfe (61), erfolgreiche Dribblings (44). Im Quervergleich sehen diese Zahlen sehr gut aus. Befasst man sich als Spielerin mit solchen Werten?

Tore und Vorlagen merke ich mir schon (lacht). Die weiteren Statistiken habe ich mir ehrlicherweise noch nie angeschaut. Ich denke, die Zahlen sagen auch manchmal mehr und manchmal weniger aus.

Nur die Quote der Luftzweikämpfe ist unterdurchschnittlich. Geht es da demnächst noch mal ans Kopfballpendel?

Ich bin sicher nicht die kopfballstärkste Spielerin, was vielleicht auch ein wenig mit meiner Größe zu tun hat. Ich habe sicher andere Qualitäten und bin da auch nicht unsere Zielspielerin, daher kann ich da auch gut damit leben, wenn die Quote nicht so gut ist (lacht).

Sie sind im vergangenen Halbjahr auch in die U23 des DFB zurückgekehrt und standen in drei von vier Partien in der Startelf. Was bedeuten Ihnen diese Einsätze?

Es macht mich immer stolz für die Nationalmannschaft zu spielen. Jede Fußballerin will von Anfang an spielen, es ist immer etwas Besonderes. Ich bin glücklich über die Entwicklung und hoffe, dass noch ein paar Einsätze dazukommen.

Die Europameisterschaft 2029 wird in Deutschland stattfinden. Sie wären zum Start des Turniers 24 Jahre alt. Wäre eine Teilnahme an diesem Turnier ein Traum oder schauen Sie so weit nicht voraus?

Irgendwann eine EM zu spielen, wäre auf jeden Fall ein Traum, sowieso, wenn das Turnier „daheim“ stattfindet. Es ist aber noch viel Zeit, also: Ich denke nicht jeden Abend beim Einschlafen dran. Aber natürlich kam der Gedanke schon auf. Ich mache mir da keinen Druck, aber würde auf keinen Fall „nein“ sagen, wenn ich da irgendwann dabei wäre.

Auch die Champions League ein Traum

Noch einmal zurück zur TSG: Sie überwintern auf dem vierten Platz. Mit welchem Rang wären Sie am Ende der Saison zufrieden?

Vor der Hinrunde hätte ich es so auf jeden Fall unterschrieben. Die Top drei wären natürlich ein Traum (Anm. d. Redaktion: Das wäre ein Platz in der Qualifikation zur Champions League). Aber in unseren Köpfen sind wir da nicht verkrampft, das hat uns in der bisherigen Saison auch sehr geholfen. Diese Lockerheit hat uns auch stark gemacht. Wir wollen uns individuell und als Mannschaft entwickeln, sind aber trotzdem ambitioniert.

Bayern München und Wolfsburg dürften enteilt sein, der Kampf um den dritten Platz könnte spannend werden: Würden Sie dieser Prognose zustimmen?

Ja, auf jeden Fall. Rund um den dritten Platz ist es sehr eng, da kann alles passieren. Bayern ist dieses Jahr einfach schwer zu schlagen und eine andere Liga.