Ein offenes Laufangebot in Donaueschingen setzt auf Gemeinschaft statt Leistungsdruck. Die Initiatorin Eva Hermann möchte Menschen für Bewegung begeistern.
Samstagmorgen kurz vor 10 Uhr am Anton-Mall-Stadion in Donaueschingen: Eine kleine Gruppe steht zusammen, begrüßt sich, lacht und streckt sich. Einige sind noch etwas verschlafen, andere wirken schon erstaunlich wach.
Bevor es losgeht, gibt es ein kurzes Warm-up zur Musik, dann werden Laufschuhe gebunden und letzte Worte gewechselt. Anschließend setzt sich die Gruppe in Bewegung. Fünf Kilometer durch den Schlosspark, in lockerem Tempo. Nicht die Leistung zählt, sondern das Miteinander.
Initiiert wurde der neue Community-Run von Eva Hermann. Die gebürtige Russin lebt heute im Schwarzwald und blickt auf eine lange Laufkarriere zurück. „Laufen ist mein Leben“, sagt sie. Seit 27 Jahren ist sie aktiv, war Leistungssportlerin und lief den Marathon in einer Bestzeit von 2:31 Stunden. Zu ihren größten Erfolgen zählt eine Silbermedaille beim Europäischen Marathon-Team-Cup.
Die Idee, einen eigenen Lauftreff ins Leben zu rufen, begleitet sie schon länger. „Ich war mir unsicher wegen meiner Deutschkenntnisse“, erzählt sie. „Aber dieses Jahr habe ich gespürt: Jetzt ist der richtige Moment.“ In den vergangenen Jahren habe sie immer wieder erlebt, wie viel Kraft in Laufgemeinschaften steckt, nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. „Es ist mehr als nur Sport. Es ist ein Lebensstil, der Menschen verbindet.“
Genau dieses Gefühl habe ihr in der Region gefehlt. Nach Stationen unter anderem in Prag, wo sie aktiv in der Laufszene eingebunden war, habe sie im Schwarzwald zwar die Natur geschätzt, aber eine solche Gemeinschaft vermisst. „Ich möchte so etwas auch hier aufbauen“, sagt sie.
Das Angebot richtet sich bewusst an alle, unabhängig von Tempo oder Erfahrung. „Es gibt keine Grenzen. Jeder ist willkommen“, betont Eva Hermann. Die Strecke umfasst etwa fünf Kilometer, kann bei Bedarf aber auch verkürzt werden. Gelaufen wird in einem Tempo, das sich an den langsamsten Teilnehmenden orientiert. „Es soll entspannt bleiben.“
Dass dieses Konzept ankommt, zeigt sich bereits nach den ersten Treffen. Beim Auftakt waren vier Läuferinnen und Läufer dabei, inzwischen wächst die Gruppe langsam. Ramona Müller aus Bräunlingen ist von Anfang an dabei. Sie hatte über Instagram von dem Angebot erfahren.
Emotionale Unterstützung
„Ich bin früher auch mit einer anderen Gruppe gelaufen, muss nach einer Krankheitsphase jetzt aber erst wieder langsam starten“, sagt sie. „Dafür ist diese Gruppe perfekt geeignet. Die Distanz ist angenehm, das schreckt niemanden ab.“ Beim zweiten Termin hat sie direkt ihre Schwester mitgebracht. „Es motiviert, gemeinsam etwas zu machen, und man kann viel von Eva lernen.“
Auch neue Gesichter stoßen dazu: Saskia Dworazik aus Fürstenberg ist neugierig geworden und steht an diesem Samstag zum ersten Mal am Treffpunkt. Die Einstiegshürde ist bewusst niedrig gehalten: Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme kostenlos.
Durch Kontakte in der Laufszene kehrte Motivation zurück
Für Eva Hermann ist genau das der Kern der Idee. „Zusammen zu laufen, gibt emotionale Unterstützung“, sagt sie. Gerade für Menschen, die neu anfangen oder sich unsicher fühlen, könne das entscheidend sein. „Man merkt, dass man nicht allein ist.“
Auch persönlich hat sie diese Erfahrung gemacht. Nach ihrem Umzug nach Deutschland habe sie sich zeitweise isoliert gefühlt. Erst durch neue Kontakte in der Laufszene sei ihre Motivation zurückgekehrt. „Das möchte ich weitergeben.“
Unterschiedliche Tempogruppen und zusätzliche Impulse geplant
Langfristig plant sie, das Angebot weiter auszubauen, etwa mit unterschiedlichen Tempogruppen oder zusätzlichen Impulsen aus ihrer Arbeit als Laufcoach. Zunächst soll sich die Gemeinschaft jedoch organisch entwickeln. „Ich möchte sehen, was die Menschen hier brauchen“, sagt sie.
Ihr Rat an alle, die noch zögern, ist einfach: „Es gibt keine Vorurteile. Wenn man nicht durchlaufen kann, ist das völlig in Ordnung. Man kann gehen und laufen im Wechsel.“ Wer dranbleibe, werde schnell Fortschritte sehen und vielleicht noch etwas anderes gewinnen. „Man fühlt sich besser, denkt klarer und hat mehr Energie.“
Am Ende bleibt vor allem eines: eine entspannte, offene Atmosphäre. Kein Druck, kein Vergleich, sondern Bewegung, Gespräche und ein gemeinsamer Start ins Wochenende.
Der Trend
Konzept
Gemeinsam statt allein: Community-Runs liegen aktuell im Trend. Ursprünglich verbreitet in Großstädten wie Berlin, London oder New York, setzen sich die offenen Lauftreffs zunehmend auch in kleineren Städten durch. Sie verbinden Bewegung mit sozialem Austausch und sprechen besonders Menschen an, die ohne Leistungsdruck aktiv sein möchten. Organisiert werden sie oft über soziale Medien, die Teilnahme ist meist kostenlos und unkompliziert. Für viele sind sie nicht nur Sport, sondern auch ein fester Teil ihres Alltags und ihrer sozialen Kontakte.