Selbstuntersuchung als Vorsorge von Brustkrebs (Symbolbild). Foto: imago images/Anetlanda

Fühle ich da einen Knubbel? Ist der da schon immer? Die Selbstuntersuchung der Brust, um eventuell einen Tumor zu ertasten, ist gut. „Man muss die Brust aber auch keine Stunde lang durchkneten“, sagt Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn und gibt einen Überblick zum Thema Brustkrebs.

Stuttgart - Brustkrebs ist ein Riesenthema. Aber wie erkenne ich überhaupt Brustkrebs? Zum einen ist da die Selbstuntersuchung – darüber sollten wir heutzutage aber eigentlich hinweg sein. Denn wenn die Frau einen Tumor ertasten kann, ist er schon mindestens einen Zentimeter groß und hat im Normalfall bereits eine Laufzeit über mehrere Jahre. Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob etwas gutartig oder bösartig ist. Rein von der Definition her ist ein Tumor zunächst einmal eine Schwellung.

 

Ich habe immer empfohlen, einfach mal unter der Dusche beim Einseifen die Brust abzutasten, damit man sie kennenlernt – am besten nach der Periode, da sie dann etwas weicher ist und weniger spannt. Man muss die Brust aber auch keine Stunde lang durchkneten. Es geht auch darum, einfach mal ein Gefühl für die Brust zu bekommen.

Mammografie oder Ultraschall?

Um den Tumor genauer definieren zu können, wurde das Mammografie-Screening eingeführt, also die Röntgenuntersuchung der Brust. Diese ist für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren gesetzlich geregelt und darf alle zwei Jahre kostenlos durchgeführt werden. Vorher macht eine Mammografie auch noch keinen Sinn, weil das Brustgewebe dann noch zu dicht ist und der Arzt nichts erkennen kann. Mit 50 ist der Hormonhaushalt dagegen schon weit heruntergefahren und das Gewebe dadurch verändert.

Die zweite Möglichkeit, die es für die Untersuchung der Brust gibt, ist der Ultraschall. Diesen kann man auch bei einer 20-Jährigen einsetzen. Dazu muss man aber sagen, dass es Dinge gibt, die man im Ultraschall sieht, in der Mammografie aber nicht – und anders herum. Die Kombi macht’s meistens.

Auch die Familienanamnese ist entscheidend

Entscheidend ist auch die Familienanamnese, also ob jemand in der nahen Familie Brustkrebs hat oder hatte. Dafür gibt es eine Checkliste, die sich auf Brust- und Eierstockkrebs bezieht und mit der man die Familienanamnese abfragen kann. Mit dieser Abfrage kann man unter Umständen herausfinden, ob ein erhöhtes Risiko besteht. Viele Frauen wissen aber auch oft schon, wenn es in der Familie einen Brustkrebs-Fall gab. Diese sind dann natürlich in einer anderen Kategorie und dementsprechend wird auch agiert.

Die frühe Diagnose ist beim Brustkrebs das A und O. Je früher die Diagnose, desto besser ist die Heilungschance. Heutzutage wird niemand mehr vorschnell an der Brust operiert. Braucht die Frau Bestrahlung oder nicht? Braucht sie eine Chemotherapie? Oder Antihormone? Erst wenn eine exakte Diagnose steht, wird über das weitere Vorgehen wie Gewebeentnahme und Operation geredet.

Man kann heutzutage gut mit Brustkrebs leben, auch ohne dass die Brust amputiert werden muss. Natürlich kann es aber auch anders laufen - das kann es leider immer.

Das Gespräch wurde von Hanna Helderaufgezeichnet.

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