Lars von Trier polarisiert mit seinen Werken wie kaum ein anderer Filmkünstler. Zu seinem 65. Geburtstag haben wir fünf seiner Meisterwerke zusammengestellt.
Stuttgart - Mit spektakulärer Kinokunst und der Gründung der Dogma-Bewegung im Jahr 1995 hat der dänische Regisseur Lars von Trier Filmgeschichte geschrieben. Zugleich bringt er Teile des Publikums regelmäßig gegen sich auf mit Darstellungen exzessiver Gewalt wie in seinem Film „Antichrist“ und expliziten Sexszenen wie in „Idioten“ (1998). Zudem hat er sich mit missverständlichen Äußerungen – zum Beispiel ironisch gemeinten Sympathiebekundungen für Adolf Hitler 2011 in Cannes – einen Ruf als Enfant terrible eingehandelt. All das ändert nichts daran, dass Lars von Trier einer der wichtigsten Filmemacher der Gegenwart ist. Nun wird er 65 und wir erinnern an fünf seiner großen Werke – in chronologischer Reihenfolge.
1. The Element of Crime (1984)
Der Krimi ist der erste Teil einer Reihe, die von Trier „Europa“-Trilogie getauft hat. In der deutschen Nachkriegszeit jagt ein Polizist einen Mädchenmörder hinein und identifiziert sich allzu intensiv mit ihm und seinen Methoden. Der Bremer Musiker Sven Regener hat seine 1985 gegründete Band Element of Crime nach dem Film benannt.
2. Breaking the Waves (1996)
Der Ehemann einer jungen Frau (Emily Watson) in einem konservativen schottischen Dorf wird durch einen Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Weil er glaubt, sexuelle Fantasien könnten ihn heilen, drängt er seine Frau zu Affären, von denen sie ihm erzählen soll – und bald ist sie eine Art Dorfprostituierte.
3. Dancer in the Dark (2000)
Eine erblindende Arbeiterin (die isländische Musikerin Björk) gerät aus Sorge um ihren Sohn aus der Bahn träumt sich in Musicalwelten hinein. In dieser Tragödie verbindet Lars von Trier die Unschärfen der Dogma-Bewegung mit der Ästhetik US-amerikanischer Film-Musicals der 50er und 60er.
4. Dogvillle (2003)
Lars von Trier kitzelt gerne niedere menschliche Reflexe. Besonders gut ist ihm das in der aufgemalten Theaterkulisse von „Dogville“ gelungen. Böse Dörfler entwürdigen die neu angekommene Grace (Nicole Kidman) als Arbeits- und Sexsklavin, und bald ertappt man sich dabei, wie man ihnen das Schlimmste wünscht – bis es möglich scheint und sich überraschend Mitleid einstellt mit diesen miesen Kreaturen, die doch nur Menschen sind.
5. Melancholia (2011)
Ein anderer Planet droht mit der Erde zu kollidieren – und eine depressive junge Frau (Kirsten Dunst) sieht es vorher. Ästhetischer und melancholischer ist der Untergang der Menschheit selten in Szene gesetzt worden.