Lars Reichow kennt sich mit Boomern aus. Foto: Ken Adolph Slaeter

Lars Reichow fühlt sich als Balinger, der in der falschen Stadt aufgewachsen ist. Somit wird sein Auftritt in der Stadthalle zum Heimspiel. Im Interview gibt der Kabarettist Einblicke hinter die Kulissen, spricht über Autokraten und verrät, was er vor der Show macht.

Man nennt ihn den „Klaviator“: Lars Reichow kommt mit seinem musikalischen Kabarett und dem Programm „Boomerland“ in die Balinger Stadthalle. Vor seinem Auftritt am Freitag, 8. November, 19.30 Uhr, hat er unserer Redaktion Fragen beantwortet.

 

Herr Reichow, dies ist nicht Ihr erster Auftritt in Balingen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt?

Ich sehe eine der schönsten und modernsten, gelungensten Stadthallen Deutschlands vor mir. Ein fantastisches Restaurant! Während der Pandemie war ich dort, bei einer Veranstaltung der Stadt, Open Air. Also ganz ehrlich: Ich bin ein Balinger, der aus Versehen in Mainz aufgewachsen ist.

Das macht Lars Reichow vor dem Auftritt

Wir man sie vor oder nach dem Auftritt im Städtchen sehen?

Nach dem Auftritt muss ich weiter zum nächsten Tournee-Ort, aber vorher nehme ich mir die Zeit und schaue mich noch in Ruhe in der Stadt und der Umgebung um. Balingen ist eigentlich zu schön für einen Kurzbesuch!

Was tun Sie bevorzugt vor dem Gang auf die Bühne? Haben Sie ein Ritual?

Ich bevorzuge eine ausführliche Probe und gute Absprachen mit dem technischen Team, danach beschäftige ich mich mit der Begrüßung, mit aktuellen Themen und laufe ein bisschen hin und her. Ich esse nichts oder wenig, trinke einen Schluck Cola, viel Wasser oder auch Tee, das ist gut für die Stimme. Das war’s schon.

Er will ein lustiger und ehrlicher Spiegel sein

Woher kam die Idee zum „Boomerland“-Programm?

Wir Boomer sind die größte Gruppe in der Gesellschaft. Wir sind erfahren, wir sind auf dem Zenit unserer Leistungsfähigkeit und wir haben ein sehr gutes Netzwerk. Mit uns kann man viel erreichen. Ich sehe uns aber auch in der Pflicht, die Zukunft zu gestalten, ohne Angst vor Veränderungen und mit sehr viel Optimismus. Aus diesen Grundgedanken habe ich mein Programm entwickelt.

Sie können auch sehr nachdenklich und kritisch sein, zum Beispiel in dem Lied „Putins Krieg“. Und dann wird es wieder zum Brüllen komisch. Woher haben Sie Ihre Ideen und wann haben Sie die besten Einfälle?

Ich stehe auf der Bühne, um ein Spiegel zu sein für ganz normale Menschen - ein lustiger Spiegel und ein ehrlicher Spiegel. Ich versuche alles, was ich erlebe zu verarbeiten. Der brutale Angriff der Russen auf die Ukraine berührt mich sehr und ich tue viel dafür, die Hilfsbereitschaft in Deutschland aufrecht zu erhalten. Aber das Leben besteht auch aus heiteren Situationen - und was wären wir ohne die Fähigkeit, über uns selbst zu lachen. Lachen kann auch Trost sein. Es ist ein wahnsinnig schöner Moment, auf der Bühne zu stehen und die Menschen betroffen oder begeistert zu sehen.

Vormarsch der Autokraten bereitet ihm Sorge

Was erwartet das Balinger Publikum? Haben Sie eine Überraschung im Gepäck?

Ja, ich komme mit einem nagelneuen Programm. Die Premiere war erst vor wenigen Wochen und ich bin sehr gespannt, wie es hier ankommt. Eins ist klar: Die Voraussetzungen in der Stadthalle sind optimal!

Welche Frage hätten Sie sich selbst gerne gestellt?

„Wovor haben Sie Angst in der Zukunft?“ Also grundsätzlich bin ich kein ängstlicher Mensch. Aber was mir sehr viele Sorgen macht, ist der Vormarsch der Autokraten in der Welt, in Europa und in unserem eigenen Land. Die Erde ächzt unter schweren Verwundungen, der Klima-Wandel zeigt seine Fratze und deshalb wünsche ich mir eine große Allianz von demokratischen Politikerinnen und Politikern. Nie war es so wichtig, dass wir ALLE uns engagieren und eine Haltung einnehmen zu den perfiden Machenschaften der Demokratie-Verächter. Es ist an der Zeit, unsere Staatsform zu verteidigen und den Planeten zu reparieren. Und wenn wir uns einig sind, dann muss niemand Angst haben, sondern dann werden wir das gemeinsam hinkriegen!