1500 Kilometer und 34 000 Höhenmeter schaffte Kesenheimer in vier Tagen und 22 Stunden. Foto: Tomás Montes, Liz Seabrook für LostDot “Transpyrenees Race”

Die Rede ist von der Ex-Mühringerin Jana Kesenheimer hat eine echte Sensation geschafft. Beim Langstreckenrennen "Trans Pyrenees" hat die 28-Jährige die Frauenkonkurrenz gewonnen.

Sie hat es wieder getan! Die Rede ist von der Ex-Mühringerin Jana Kesenheimer, die in der Welt des Ultra-Radsports zur absoluten Weltelite zählt. Im späten September startete die heute in Innsbruck lebende Psychologin bei einem der härtesten Langstreckenrennen der Welt: dem "Trans Pyrenees". Das Rennen mit Start und Ziel in Saint-Jean-de-Luz (Frankreich) an der Atlantikküste zieht sich über rund 1500 Kilometer mit circa 34 000 Höhenmetern zwei Mal quer durch die Pyrenäen.

 

GPS Tracker überwacht

Wie bei all den anderen Rennen dieser Sportart galten die Regeln: keine fremde Hilfe, die komplette Strecke aus eigener Kraft und die Zeit stoppt nie. Anders gesagt kommt es auch darauf an, die meiste Zeit im Sattel und nicht schlafend zu verbringen. Im Verlauf der Strecke mussten die Fahrer*innen zudem fünf Checkpoints und zwei Parcours passieren, von denen drei auch rund um die Uhr mit freiwilligen Helfern, die als Streckenposten fungierten, besetzt waren. An diesen Checkpoints bekamen die Athleten einen Stempel in ihre "Brevet-Karte". Zudem werden die Fahrer und Fahrerinnen rund um die Uhr mit einem GPS Tracker verfolgt.

Verletzung im Juni

Nachdem Jana Kesenheimer im Juni ein Ultrarennen im Schwarzwald verletzungsbedingt mit einer Knieentzündung aufgeben musste, war das "Trans Pyrenees" ihr Jahreshöhepunkt. Und dieses Mal lief es der Athletin auch deutlich besser. Bei ihrem ersten aufsehenerregenden Coup in der Ultra-Szene, als sie das Three Peaks Bike Race gewann, plagten sie Gesäßprobleme, Knieschmerzen und ihr Dauerschwachpunkt, die Handgelenke.

Müdigkeit als Begleiter

Bei ihrem jetzigen Rennen in den Pyrenäen machten ihr lediglich die Handgelenke wieder etwas Ärger, ansonsten bewältigte die 28-Jährige den Kraftakt völlig ohne Wehwehchen. "Häufiger Begleiter war allerdings die Müdigkeit, denn im Schnitt schlief ich maximal drei Stunden pro Nacht während des Rennens", so Kesenheimer.

Sehr gute Vorbereitung nötig

Jedes Ultra-Rennen ist etwas ganz Besonderes, aber das "Trans Pyrenees" ist unter all diesen Rennen wohl eines der Schwierigsten. Denn wer die recht schroffe und karge Region zwischen Frankreich und Spanien kennt, der weiß, dass es hier oft stundenlang dauert, bis man nach vielen Bergpässen und Tälern wieder einen Ort erreicht, in dem man sich verpflegen kann. Daher verlangt dieses im Ultra-Radsport einzigartige Rennen eine sehr gute Vorbereitung, um nicht irgendwann ohne Verpflegung völlig entkräftet im Nirgendwo aufgegeben zu müssen.

Kesenheimer beschreibt das ziemlich treffend. "Es war wirklich teils schwierig, denn einmal war ich über 15 Stunden im Sattel, bis ich wieder in ein Örtchen kam, um Lebensmittel zu kaufen."

Extreme Bedingungen

Dazu kommen die harten Bedingungen. Tagsüber herrschten sommerliche Temperaturen, nachts hingegen wurde es empfindlich kalt mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Deshalb musste eben auch die passende Ausrüstung für jedes Wetter mit aufs Rad, obwohl die Athleten immer bestrebt sind, möglichst wenig Gewicht dabei zu haben, denn bei einem derartigen Streckenprofil ist man über jedes gesparte Gramm dankbar.

Ein Tag Vorsprung

Kesenheimer hatte aber ihren Wettkampf penibel geplant und sich auch extrem gut auf das Rennen eingestellt. Sie legte die 1500 Kilometer und 34 000 Höhenmeter, kreuz und quer und hoch und runter durch die Pyrenäen in sage und schreibe vier Tagen und 22 Stunden zurück. Damit gewann sie nicht nur die Frauen-Konkurrenz mit über einem Tag Vorsprung auf die Zweitplatzierte, sondern kam auch als Gesamt-Sechste aller Teilnehmer im Ziel in Saint-Jean-de-Luz an. Nach dem Sieg beim Three Peaks Race ist dies der zweite große Erfolg für Jana Kesenheimer in der absoluten Weltspitze der Ultra-Radrennfahrer.

Noch keine konkreten Pläne

Auf die Frage hin, was denn nun als nächstes ansteht, antwortet die frischgebackene Trans-Pyrenees-Siegerin mit einem Schmunzeln: "Jetzt steht erst einmal Erholung, vor allem für meine Handgelenke, an. Dann schau ich mal, was das nächste Jahr so bringt. Konkrete Pläne gibt es aber bisher noch nicht." Wer aber Jana Kesenheimer kennt, der weiß, lange wird es nicht dauern bis sie sich ein neues extremes Ziel setzen wird.