Viele Fleißige in luftiger Höhe: Beim neuen evangelischen Gemeindehaus in Peterzell wird Richtfest gefeiert. Foto: Helen Moser

Es ist – in der heutigen Zeit – ein Projekt mit Seltenheitswert: In Peterzell entsteht ein neues evangelisches Gemeindehaus für knapp über 1000 Gläubige. Nun wurde Richtfest gefeiert.

Die Lage der evangelischen Kirche ist nicht gerade einfach: Die Mitglieder schwinden, die Finanzen werden knapper, große strukturelle Veränderungen stehen an – und einige Kirchen, Gemeindehäuser sowie andere Einrichtungen mit ihnen vor dem Aus. Ganz anders in Peterzell: Hier wird, von der Bundesstraße 33 aus unübersehbar, ein neues Gemeindehaus für den Petrusbezirk, bestehend aus Peterzell und Langenschiltach, gebaut.

 

„Damit, dass ich hier Richtfest feiern kann für ein neues Gemeindehaus, hätte ich wirklich nicht gerechnet“, bekannte Markus Keller, der als neuer Pfarrer erst seit Kurzem für die Kirchengemeinde St. Georgen/Tennenbronn zuständig ist, nicht ohne Grund. Projekte wie dieses sind mittlerweile eine Seltenheit. Und er lobte den zügigen Baufortschritt: „Das Gemeindehaus wächst hier schneller in die Höhe als die Pilze im Wald.“

Tatsächlich hat sich seit dem Baubeginn im Juli so einiges getan, wie auch Achim Labitzke vom Planungsteam berichtete. Er warf beim Richtfest auch einen Blick zurück in die Historie des Vorhabens – und musste dafür mehr als zehn Jahre zurückgehen. So viel Zeit nämlich ist bereits vergangen, seit sich abzeichnete, dass in Peterzell ein neues Gemeindehaus gebaut werden soll.

Altes Gemeindehaus hat keine Zukunft mehr

Seinen Anfang nahm das Projekt demnach an einem Donnerstagabend im Jahr 2015. Bei einer Gemeindeversammlung im damaligen Gemeindehaus im Engeleweg war der Versammlungsort gleichzeitig Hauptthema. Denn das Gebäude war in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig – und so stellte man sich innerhalb der Kirchengemeinde die Frage: Was nun? Verkaufen und neu bauen? Oder doch sanieren?

Mittlerweile ist offensichtlich, wie die Entscheidung damals ausfiel. Mit dem Verkauf des alten Gemeindehauses im Herbst 2018 habe man den Weg besiegelt, erinnerte Labitzke sich beim Richtfest. Man machte sich auf den Weg, ein neues Gemeindehaus in der Mühlbachstraße zu planen, genehmigen zu lassen und schließlich auch zu bauen.

Probleme säumen den Weg

Und doch vergingen noch Jahre, bis nun schließlich der Richtbaum seinen Platz auf dem Dach des Gemeindehauses einnehmen konnte. „Wir hätten wahrlich nicht gedacht, dass es so lange geht“, bekannte Labitzke. Doch neben wichtigen Meilensteinen säumten auch zahlreiche Herausforderungen und Probleme den Weg.

Labitzke berichtete vom Architekten-Wettbewerb, aus dem Dagmar Bürk-Kaiser mit ihrem Entwurf als Siegerin hervorging, vom landeskirchenweiten Baustopp, der das Projekt infrage stellte – und davon, wie es das Peterzeller Gemeindehaus nach vielen Gesprächen auf die „grüne Liste“ schaffte. Damit kam die Gewissheit: „Wir dürfen doch weitermachen.“

„Heute feiern wir Richtfest – kaum zu glauben“

Die jüngste gute Nachricht im Zuge des Projekts sei erst wenige Tage vor dem Richtfest eingetroffen, schilderte Labitzke: Das Land Baden-Württemberg habe eine Förderung aus seinem „Holz Innovativ Programm“ in Aussicht gestellt.

„Heute feiern wir Richtfest – kaum zu glauben“, fasste Labitzke den langen Weg zusammen. Vieles habe man schon geschafft und biege nun auf die Zielgerade ein. „Aber es ist auch noch viel zu tun.“

Baufortschritt stimmt optimistisch

„Einzug Pfingsten“ steht auf dem großen Plakat am Gebäude, das Pfarrer Keller aufgriff. So zumindest sei es angepeilt – ob das gelinge, müsse man sehen. Wobei der bisherige Baufortschritt ihn optimistisch stimme: „Wenn es hier so weitergeht, können wir schon zu Neujahr einziehen“, scherzte Keller.