Von einem Tag auf den anderen war das Haustier der Dörlinbacherin Hilde Billharz verschwunden. Nach zahllosen bangen Stunden wurde es in der St.-Johannes-Kirche gefunden.
Fünf Wochen lang war die Katze Mia von Hilde Billharz aus Dörlinbach verschwunden. Zuvor war die Freigängerin von ihren kurzen Streifzügen immer wieder zurückgekehrt. Doch am 2. Februar wartete Billharz vergeblich auf die Rückkehr ihrer sechsjährigen Katze.
Zunächst machte sich die 88-Jährige keine großen Sorgen, doch mit jedem weiteren Tag wuchs die Ungewissheit. Mit ihrem Sohn Bernd suchte sie die Umgebung ab, fragte in der Nachbarschaft nach und rief immer wieder nach dem Tier – ohne Erfolg. Mia blieb wie vom Erdboden verschwunden. Eine Enkelin aus Hessen, die zu Besuch war, meldete Mia bei der Tierschutzorganisation Tasso als vermisst. Dort war die Katze über einen winzigen Chip unter der Haut im Nacken registriert.
Doch weitere Wochen vergingen ohne irgendeinen Hinweis auf ihren Verbleib. Billharz befürchtete, Mia könne verletzt oder überfahren worden sein. Dass die Katze sich einem fremden Haushalt angeschlossen haben könnte, hielt sie für unwahrscheinlich, da sie gegenüber fremden Personen immer sehr scheu gewesen sei. Nach fünf Wochen dann die überraschende Wendung: Mitarbeiter einer Orgelbaufirma, die in der Dörlinbacher St.-Johannes-Kirche die Orgelpfeifen reinigten, öffneten die verschlossene Tür zum Glockenturm, um in den Lagerraum zu gelangen. Dahinter fanden sie eine stark abgemagerte und völlig geschwächte Katze. Das Tier bewegte sich nur noch langsam, wirkte nahezu kraftlos. Es gelangte schließlich selbstständig, mehr fallend als gehend, über die Treppe in den Kirchenraum, schleppte sich noch bis zum Kirchenportal, wo sie regungslos liegenblieb.
Besitzerin erkannte das Tier zunächst nicht
Eine Anwohnerin und die Messnerin Lucia Slotosch, die das Geschehen mitbekommen haben und beide von der seit Wochen vermissten Katze wussten, informierten Billharz, die gleich hinter der Kirche wohnt. Der Anblick war erschütternd: „Ich habe sie nicht erkannt“, berichtet Billharz. Zu sehr hatte sich das Tier in der langen Zeit verändert. Mitarbeiter der Gemeinde stellten eine Schachtel und ein Handtuch bereit, Bauhofmitarbeiter brachten die Katze in das Tierheim nach Lahr, wo der Chip ausgelesen wurde. Dabei bestätigte sich, dass es sich um Mia, die vermisste Katze, handelte.
Die Tochter der Besitzerin holte das Tier ab und brachte es zu einer Tierärztin nach Reichenbach. Die Diagnose ließ hoffen. „Das ist eine Kämpferin, die schafft das“, sagte die Tierärztin. Sie sollte recht behalten. Eine Woche lang wurde Mia intensiv behandelt und mit Infusionen versorgt. Bereits nach wenigen Tagen zeigte sich eine erste Besserung, denn sie begann wieder zu fressen und zu trinken. Langsam gewann Mia ihre Kräfte zurück und konnte nach etwa einer Woche wieder nach Hause gebracht werden, wo sie sich weiter erholte.
Vermutlich war die Katze am 2. Februar, als in der St.-Johannes-Kirche die Weihnachtskrippe abgebaut wurde, durch eine offene Tür ins Gebäude gelangt und anschließend unbemerkt in den Glockenturm geraten. Wie sie dort mehrere Wochen eingeschlossen überleben konnte, ist unklar. Die ungewöhnliche Geschichte sorgte in der Nachbarschaft und im Ort für großes Mitgefühl und alle freuten sich mit Billharz über den glücklichen Ausgang.
Tasso-Chip
Ein Tasso-Chip, der bei Katzen und Hunden von einem Tierarzt unter die Haut im Nacken gesetzt wird, enthält eine weltweit einmalige Nummer. Diese kann mit einem speziellen Lesegerät ausgelesen werden. Anhand dieser Nummer kann dann der Halter ermittelt werden. Die Registrierung bei Tasso ist für die Halter der Tiere kostenlos.