Peter Hauk (von links) Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, Nadine und Carsten Göz, Inhaber des Leimenäckerhofes in Kapfenhardt, der Landtagskandidat der CDU, Carl Christian Hirsch, Unterreichenbachs Bürgermeister Lukas Klingenberg und Dagmar Hämmerle, Leiterin der Abteilung Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt Calw, im Laden des Leimenäckerhofes Foto: Thomas Fritsch

Meist sterben Bauernhöfe. Selten entstehen sie dort, wo vorher nichts war. So geschehen in Kapfenhardt mit dem Leimenäckerhof – eine Art Start-up in der Landwirtschaft. Wie ging das?

Der Leimenäckerhof in Kapfenhardt wurde auf der grünen Wiese gegründet? Darüber hat sich der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, Peter Hauk, ein Bild gemacht. Er besuchte den Bauernhof. Bei dieser Gelegenheit erzählten die beiden Hofeigentümer, Nadine und Carsten Göz, ihre Geschichte.

 

Langer Weg 2017 hatte das Ehepaar eine Idee. Die Arzthelferin und der Landmaschinenmechaniker wollten ihren eigenen Bauernhof. Als Fachfremde, noch dazu ohne einen geerbten Hof, wollten sie zuvor aber erst einmal sehen, ob das überhaupt etwas für sie ist. Zwei Jahre arbeiteten sie in einem Milchviehbetrieb. Carsten Göz machte seinen Meister im Ökologischen Landbau. Dann arbeiteten beide ein Jahr auf einer Alp in der Schweiz auf mehr als 2000 Metern Höhe. Der dortige Alpmeister habe sie ermutigt, ihre eigene Käserei zu eröffnen, erzählte Carsten Göz beim Ministerbesuch.

In Vorleistung

Nun stand ihr Ziel fest. Sie wollten einen eigenen Hof. Doch sie fanden keinen. Die Alternative: Einen Bauernhof mit Käserei und Hofladen auf der grünen Wiese gründen. Nadine und Carsten Göz setzten alles auf eine Karte. Dann ging es darum, das Projekt genehmigt zu bekommen und Fördergelder zu erhalten. Das zog sich von 2017 bis 2020 drei Jahre hin. Wegen eines Stalles für 30 Kühe war wegen des geplanten Abstandes zur Wohnbebauung von 300 Metern auch noch ein Gutachten nötig. Das Ehepaar streckte etliche Kosten vor, ohne eine Baugenehmigung in der Hand zu haben.

Das fand auch Landwirtschaftsminister Hauk übertrieben. Früher habe es in fast jedem Anwesen auf dem Land ein paar Kühe gegeben. Immerhin: Nach den vielen Vorarbeiten ging die eigentliche Baugenehmigung in drei Monaten über die Bühne. Zudem hatten Nadine und Carsten Göz das Glück, dass die Verträge noch vor Corona, also vor den großen Preissteigerungen unterschrieben waren.

Startschuss Am 1. März 2021 zogen die ersten Tiere, Simmentaler Fleckvieh, in den Stall ein. Inzwischen haben Nadine und Carsten Göz knapp 50 Hektar Fläche gekauft oder gepachtet. Davon sind etwa 35 Hektar Grün- und rund 13 Hektar Ackerfläche. Im für 30 Kühe ausgelegten Stall stehen derzeit 26.

Direktvermarktung Die Bullenkälber lassen Nadine und Carsten Göz in Beinberg schlachten und vermarkten das Fleisch in ihrem Hofladen. Auch hier hatte Carsten Göz etwas zur Bürokratie in diesem Land zu sagen. Zwar gibt es auch für die Vermarktung von Bullen ein Förderprogramm, doch der Aufwand dafür lohne sich nicht. So habe im Kreis Calw außer dem Leimenäckerhof nur ein weiterer Betrieb das Förderprogramm in Anspruch genommen. Hier hakte der Landwirtschaftsminister ein und sagte, dass die Landratsämter lösungsorientiert handeln sollten. Es gehe nicht um eine Verhinderung. Dazu stellte Carsten Göz fest: „Die Zeit im Büro wird immer länger.“

Lange Arbeitszeiten

Trotz aller Widrigkeiten würden Nadine und Carsten Göz wieder einen Bauernhof gründen, auch wenn sie im Sommer auf eine 90- und im Winter auf eine 70-Stunden-Woche bei der Arbeitszeit kommen.

Die Milch der Kühe verarbeiten Nadine und Carsten Göz selbst zu Käse. Das hatten sie in der Schweiz gelernt. Etwas Besonderes ist zum Beispiel der Maigouda. Wenn die Kühe im Mai vom Stall auf die Weide kommen und statt Heu wie im Winter dann Grünfutter fressen, geben sie eine Milch mit einem besonderen Geschmack, aus dem dieser Käse entsteht. Da er eine gewisse Zeit zum Reifen braucht, gibt es den Maigouda erst im August.

Automat aufgestellt

Ihren Käse vermarkten Nadine und Carsten Göz zu 80 Prozent über ihren Hofladen und den Automaten. Etwa 20 Prozent geht in die Gastronomie.

Die Milch wird zu 100 Prozent über den Hofladen und den Automaten verkauft. In dem Laden gibt es neben der eigenen Milch und dem Käse ein Bio-Vollsortiment an Produkten, um die Nahversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. „Das Feedback von Kunden ist hervorragend“, freut sich Carsten Göz.

Wertschätzung Trotz dieses Lobes aus der Kundschaft wird bei dem Besuch des Landwirtschaftsministers immer wieder deutlich, dass sich Nadine und Carsten Göz mehr Wertschätzung sowohl von der Bevölkerung als auch von den Ämtern für die Landwirtschaft wünschen würden. Die jedenfalls bekamen sie von Hauk. Er zollte seinen „großen Respekt“ für die Leistung des Ehepaares. Der Minister nahm ein paar Dinge mit und versprach, darauf hinzuwirken, dass Manches bei Verfahren einfacher werde. Er sagte, dass die Rinderzüchter aktiv dazu beitrügen, mit der Grünlandbewirtschaftung Kohlendioxid im Boden zu speichern. Zudem werde dadurch die Biodiversität erhalten. „Käse- und Rindfleischesser sind aktive Klimaschützer“, sagte Hauk etwas provokant in Richtung Veganer.

Kein Verständnis für Verbraucherschützer

Kein Verständnis hatte Carsten Göz für Klagen von Verbrauchschützern wegen angeblich zu teurer Lebensmittel. Der Landwirt machte deutlich, dass der Anteil an den Ausgaben für Lebensmittel in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gering sei. Dem pflichtete Hauk bei. Als Erklärung für das Klagelied von Verbraucherschützern angesichts teurer gewordener Lebensmittelpreise führte Hauk an, dass man diese täglich kaufe. Da fielen Preissteigerungen mehr auf. Der Minister sieht aber kein Problem darin, wenn Verbraucher statt zehn Prozent des Einkommens 15 Prozent für Lebensmittel ausgeben müssten. Dann sei woanders zu sparen, etwa beim Smartphone.

Zurückgehende Rinderhaltung

Auch Dagmar Hämmerle, Leiterin der Abteilung Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt Calw, betonte bei dem Besuch des Landwirtschaftsministers, wie wichtig gesunde Kreisläufe seien. „Die Rinderhaltung geht massiv zurück“, sagte sie voller Sorge.