Die Hitze der vergangenen Wochen hat die Ernte auf einen Schlag beschleunigt. Für das Team vom Biohof Pfister in Ringingen bedeutet das lange Arbeitstage.
Überall sind derzeit die großen Maschinen der Landwirte unterwegs. Auf den Feldern herrscht Hochbetrieb, denn die anhaltende Hitzeperiode hat dafür gesorgt, dass viele Kulturen gleichzeitig reif sind.
Martin Pfister vom gleichnamigen Biohof nimmt sich trotz langer Arbeitstage kurz Zeit für ein Gespräch. „Wir sind gerade voll in der Ernte“, sagt er.
Mit dem Wetter zeigt er sich zufrieden. Die trockenen Tage der vergangenen Woche hätten eine gewisse Sicherheit gebracht, die Ernte in Ruhe vom Feld zu holen. „Früher mussten wir bis spät in die Nacht dreschen, weil für den nächsten Tag Regen angekündigt war. Jetzt kann man auch mal eine Fläche stehen lassen.“ Die Linsen seien inzwischen weitgehend eingebracht.
Nicht ganz ohne Ernteverluste
Ganz ohne Verluste bleibt es dennoch nicht. Durch die geballten Regenfälle rechnet Pfister mit rund einem Drittel Ernteausfall. „Aber die Qualität hat insgesamt vom Wetter profitiert“, betont er.
Zum Sortiment des Hofes gehören Linsen aus der Region Zollernalb, alte Getreidearten wie Emmer, Einkorn und Dinkel sowie Ölsaaten wie Lein, Leindotter und Hanf. Aus diesen wird im eigenen Betrieb Speiseöl hergestellt.
Jedes Getreide hat andere Ansprüche
Jedes Getreide habe witterungsbedingt andere Ansprüche, erklärt Pfister. Die vielen Sonnentage am Stück hätten jedoch bei allen Kulturen den Reifeprozess beschleunigt.
Auch für Mais sei die Witterung ideal gewesen, obwohl die Pfisters diesen selbst nicht anbauen. Mais braucht Wärme und Sonne, vor allem während der Blüte und Kornfüllung. Kälte, Trockenheit oder zu viel Nässe wirken sich negativ aus.
Während die Ernte läuft, beginnt bereits die Stoppelbearbeitung. „Wir befahren die abgeernteten Flächen etwa dreimal im Abstand von zwei Wochen, um Unkraut vorzubeugen. Das ist die ökologische Variante – so trocknen die Wurzeln aus“, erklärt Pfister.
„Sieht erst später, was rauskommt“
Am Ende entscheidet aber wie immer das Wetter. „Man sieht meistens erst ein Jahr später, was rauskommt“, sagt der 45-Jährige. Bis zu 16 Stunden täglich sei das Team in diesen Tagen im Einsatz.
Der Hof der Familie Pfister wird heute vollständig biologisch bewirtschaftet. Bis 2006 lief der Betrieb noch konventionell im Nebenerwerb. Erste Versuche im Bio-Anbau verliefen erfolgreich, 2007 folgte die komplette Umstellung. Gleichzeitig trat Pfister dem Bioland-Landesverband Baden-Württemberg bei. Mit der Umstellung begann auch der Aufbau der Direktvermarktung, zunächst im elterlichen Haus, seit 2014 am heutigen Standort mit Hofladen und Lagerfläche.