Hier entstehen Lebensmittel direkt vor der Haustüre: Der Mittelgefell-Hof von Familie Schwer in Gremmelsbach. Foto: Schwer

Der Mittelgefell-Hof der Familie Schwer in Gremmelsbach ist ein Beispiel für einen landwirtschaftlichen Zuerwerbsbetrieb mit einem gelungenen Konzept. Durch Verbindung von Tradition und Innovation hat der Familienbetrieb Erfolg gefunden.

Erbaut wurde der Hof 1850 und von Martin Schwer bis zur Übernahme durch seinen Sohn Richard im Jahr 1992 bewirtschaftet. Mit seiner Frau Iris, die Meisterin in landwirtschaftlicher Hauswirtschaft ist, bearbeitet der gelernte Metzger und Landwirt insgesamt 50 Hektar – davon sind 13 Hektar Wald, 12 Hektar Ackerfläche und 25 Hektar Wiesen und Weideflächen.

 

In der Erntezeit ist er mit seinem Mähdrescher in der Raumschaft im Einsatz und erzielt dadurch ein kleines Zusatzeinkommen. In einem modernen Laufstall werden 17 Milchkühe und Kälber gehalten; dazu kommen 60 Mastschweine und 40 Hühner. In der eigenen Hofmetzgerei werden die Tiere geschlachtet und im Hofladen direkt vermarktet. Tierhaltung, Metzgerei und die Direktvermarktung sorgen für das Einkommen der Familie.

Anforderungen des EU-Bio-Siegels erfüllt

In ihrem Hofladen bieten die Schwers Fleisch und Wurst von Schwein, Rind und Milchkalb an; dazu gehören auch Schwarzwälder Schinken und Speck. Das Angebot wird durch Eier, Kartoffeln und Honig ergänzt. Die Produkte erfüllen die Anforderungen des EU-Bio-Siegels – sie sind damit gentechnikfrei und genügen dem Tierwohl sowie dem Umweltschutz in besonderem Maße. Durch die Direktvermarktung entfallen lange Transportwege, und Tiere und Umwelt werden geschont. Richard Schwer stellt allerdings fest, dass er weniger Frischfleisch als zu Corona-Zeiten vermarktet.

Photovoltaikanlage versorgt Hof mit Energie

Auf dem Ackerland wachsen Getreide und Kartoffeln, die gegen Unkräuter und den Kartoffelkäfer geschützt werden müssen. Deshalb kommen im Mai einmal im Jahr Herbizide und Pestizide zum Einsatz, die laut Richard Schwer bis zum Erntebeginn wieder vollständig abgebaut sind. Das Futter für die Tiere, das auf den Hofflächen nicht erwirtschaftet werden kann, wird durch den Zukauf von Biertreber gedeckt. Die Rückstände des Braumalzes haben einen hohen Eiweißanteil und sind für die Mast sehr gut geeignet. Dadurch wird zusätzliches Kraftfutter nicht benötigt.

Eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 30 kW versorgt den Hof mit der notwendigen Energie, und auch über das Thema Agri-Photovoltaik macht sich die Familie Gedanken. Der Anschluss ans öffentliche Wassernetz ist trotz der guten Wasserversorgung vorgesehen, um langfristig abgesichert zu sein.

Bis zu 15 Stunden Arbeit pro Tag sind die Regel

Der Betrieb erfordert einen sehr hohen Arbeitsaufwand – bis zu 15 Stunden pro Tag sind eher Durchschnitt als Ausnahme, und auch Iris Schwer kommt auf zehn bis zwölf Stunden. Allein die tägliche Stallarbeit erfordert drei bis vier Stunden anstrengenden Einsatz.

Die Zuerwerbslandwirtschaft von Familie Schwer leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Bevölkerung Gremmelsbachs und der Region. Die vier Kinder der Schwers, Raphael, Elias, Manuel und Ann-Kathrin, arbeiten in Berufen, die zwar keinen Bezug zur Landwirtschaft haben, aber vielleicht reizt ja doch die Selbstständigkeit auf einem eigenen Hof die Tochter oder einen der Söhne? Die Versorgungsmöglichkeiten mit Grundnahrungsmitteln sind in Gremmelsbach ausgesprochen gut – in welcher Teilgemeinde dieser Größenordnung können sich die Einwohner mit Fleisch- und Wurstwaren, Eiern, Nudeln vom Dieterlehof und Brot vom Eckebeck versorgen? Dieses Beispiel für eine gelungene Kreislaufwirtschaft mit kurzen Wegen ganz im Sinne des Umweltschutzes und des Tierwohls bleibt hoffentlich noch lange erhalten. Für die Zukunft einer funktionsfähigen Landwirtschaft im Schwarzwald ist dieses Konzept ideal geeignet.

So sieht Landwirtschaft heute aus

Jubiläum
Der BLHV-Ortsverband Gremmelsbach feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass stellen wir einige Höfe aus Gremmelsbach vor und zeigen auf, wie Landwirtschaft im Schwarzwald heute funktioniert. Zur Jubiläumsfeier lädt der BLHV für Freitag, 15. September, 18.30 Uhr, auf den Hilserhof ein, ab 19.30 Uhr gibt es Musikkabarett mit Nikolaus König, im Anschluss Bauernhofparty. Die Landjugend Schonach bewirtet.