Trautwein Bachthaler führt regelmäßig durch das Landwirtschaftsmuseum in Alt-Weil und keltert auf seinem Hof Saft mit Früchten von Streuobstwiesen.
Trautwein Bachthalers Interesse für die Landwirtschaft wurde früh geweckt, doch er konnte es erst spät ausleben. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Inzlingen, schaute er schon als kleiner Junge Verwandten in Weil bei der landwirtschaftlichen Arbeit über die Schulter. Denn von dort stammte seine Mutter Sofie, geborene Müller.
32 Berufsjahre später – 20 davon als Bankangestellter, zehn Jahre als Versicherungskaufmann – ergab sich die Gelegenheit, einen Hof in Alt-Weil von seinem Großonkel und der Großtante zu übernehmen. Fritz und Luise Welterlin, kinderlos, hatten diesen viele Jahre lang betrieben, ohne jedoch in dessen Zukunft zu investieren.
Neben Wein, Obst und Getreide hielten sie früher auch Kühe und Schweine. Diese gibt es aber seit vielen Jahren schon nicht mehr.
So kommt es, dass Bachthaler einerseits zwar vieles herrichten musste, als er vor 17 Jahren nach Weil am Rhein zog, dass er aber andererseits auch eine große Sammlung alter landwirtschaftlicher Gerätschaften sein eigen nennt.
Ausbildung im Obst- und Gartenbau
In die landwirtschaftliche Arbeit, die er als Kind bereits kennengelernt hatte, musste er sich indessen erst wieder einarbeiten. Er durchlief eine Ausbildung zum Fachwart für Obst- und Gartenbau. Viel habe er damals auch von seinem Onkel gelernt, den er in die Reben und seinen Obstgarten begleitete, sagt Bachthaler.
Vor einigen Jahren übernahm er die Aufgabe, regelmäßig Besucher durch das Altweiler Landwirtschaftsmuseum zu führen, um ihnen einen Einblick zu geben, wie hart und aufwändig die Arbeit der Bauern in dem früheren Weindorf war. Wie Kartoffeln und Getreide ohne Traktor geerntet wurden und wie neu aufkommende Maschinen den Bauern das Leben immer mehr erleichterten.
Wie Butter gemacht wurde
„Ich weiß, wie das alles früher ging“, sagt er – etwa, wie Butter gemacht wurde oder wie das Getreide noch mit der Hand geerntet wurde. Ein Mähdrescher schaffe heute in einer Minute das gleiche, wofür noch in den 50er-Jahren zehn Personen einen ganzen Tag lang beschäftigt waren. Bis 1958 die Einführung des Mähbinders für eine erste Modernisierung auf den Feldern gesorgt habe. Vieles lerne er dazu von Altweiler Landwirten, die auch immer wieder einmal an seinen Führungen teilnehmen.
Mission Tüllinger Berg
Es gibt aber auch noch etwas anderes, was den passionierten Museumsführer und Nebenerwerbslandwirt Bachthaler antreibt. Neben der Pflege der eigenen Anlagen und seinem Engagement im Landwirtschaftsmuseum hat er sich einer Mission verschrieben, einem „Tick“, wie er es selbst mit einem Augenzwinkern nennt: den Tüllinger Berg mit seinen Gärten und Streuobstwiesen wieder zu dem zu machen, was er einmal war.
„Wir wollen den Tüllinger wieder auf Vordermann bringen“, betont er. Mit im Boot seien dabei sein Sohn Stefan und dessen Ehefrau Natascha. Diese habe eigens dafür nebenberuflich eine Ausbildung zur Fachwartin für Obst- und Gartenbau durchlaufen.
Saft aus eigener Produktion
Gemeinsam und unterstützt vom Verein Kulturlandschaft Tüllinger Berg, der 2023 aus dem Vorgängerverein Streuobstklassenzimmer hervorgegangen ist, roden und mähen die Bachthalers verwilderte Grundstücke in dem Naturschutzgebiet – nicht nur die eigenen, sondern auch die anderer Leute und der Stadt Weil am Rhein – pflanzen und pflegen Streuobstwiesen. Aus den Früchten dieser Bäume – Äpfel, Birnen, Quitten und Zwetschgen – keltert Trautwein Bachthaler auf seinem Hof Saft, mit dessen Kauf der Erhalt der Erhalt der Kulturlandschaft am Tüllinger unterstützt werden kann.
Oft dabei ist Bachthalers 13-jähriger Enkel Samuel, der sich für die landwirtschaftliche Arbeit begeistert und schon kräftig selbst mit Hand anlegt.