Die Zahl der Rinder im Land hat sich zwischen 1999 und 2020 halbiert Foto: Marcel

Nach dem Fall von Manfred Haas melden sich zahlreiche Landwirte und werden in ihren Vorwürfen sehr deutlich.

„Die Tierhalter werden so schikaniert, dass sie aufhören“, sagt ein Landwirt als Reaktion auf unsere Artikel über seinen Flözlinger Kollegen Manfred Haas.

 

Er selbst, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat es mit einem Anwalt versucht, weil ihm vorgeworfen wurde, seine Rinder hätten zu wenig Platz. Dabei haben seine, wie er sagt, mehr als es sogar der höchste Biostandard vorschreibt. Doch auf den Einwand seines Anwalts habe das Veterinäramt nicht geantwortet.

Auch, dass das Amt seinem Kollegen Haas, dessen Tiere in den nächsten Tagen abgeholt werden, schreibt, er sei charakterlich nicht geeignet für die Haltung der Rinder, regt den Landwirt auf. „So etwas kann doch nur ein Psychologe beurteilen!“ Ihm selbst geht es wie den Kollegen, das Heu von den Wiesen will keiner haben, es landet bestenfalls in Biogasanlagen. „Ich kenne Kollegen, die bringen es an die holländische Grenze, dort wird es verbrannt.“

Jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb hat die Tierhaltung aufgegeben

Dass der Markt für Heu zusammengebrochen ist, liegt vor allem daran, dass es im Land immer weniger Tierhalter gibt. Jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb hat die Tierhaltung aufgegeben. Zwischen 2010 und 2020 waren das 6400 Höfe. In dieser Zeit hat der Viehbestand im Land um etwa ein Viertel abgenommen, die Zahl der Rinder hat sich zwischen 1999 und 2020 halbiert. Dabei sind es, sagt das statistische Landesamt, vor allem die kleinen Bauernhöfe, die aufgeben.

Und das liegt, wenn man den hiesigen Landwirten zuhört, auch an den hohen Auflagen und am Veterinäramt. So erzählt ein Landwirt von einer unangemeldeten Kontrolle an einem sehr frostigen Tag. Er habe morgens den Kälbern einen Eimer Wasser hingestellt, und als etwas später die Kontrolleure kamen, war das Wasser darin gefroren – und er musste Strafe zahlen, weil die Tiere nichts zu trinken hatten. Ein andermal sei er angezeigt worden, weil die Kälber ein paar Tage zu lang in einem Einzeliglu blieben, für ihn bedeutete das eine Vorstrafe. „Die suchen sich ganz gezielt Betriebe raus, die sie zumachen wollen,“ sagt der empörte Landwirt.

Ein anderer Kollege erzählt von drei bis vier Kontrollen jede Woche, bei denen er von den Behördenvertretern gefragt wurde, ob er mit seinem Rechtsanwalt zufrieden sei. Man habe ihm sogar unterstellt, dass die Tiere kein Wasser bekommen würden, obwohl in den Tränken noch welches stand. Er musste die Tierhaltung dann aufgeben, was ihm schwer zu schaffen machte. „Ich bin schier vor die Hunde gegangen.“

„Ich bin schier vor die Hunde gegangen“

Auch er habe einen Anwalt eingeschaltet, berichtet ein anderer Landwirt, weil das Veterinäramt ihm nach dem Tod mehrerer Tiere unterstellte, Fehler gemacht zu haben. Nach zwei Jahren habe er schließlich Recht bekommen, das Amt habe dann die gesamten Kosten für den Prozess und seinen Anwalt zahlen müssen. Später seien die Kontrolleure dann mit Vertretern vom Gesundheitsdienst des Regierungspräsidiums auf seinen Hof gekommen. Letztere hätten zu den Rottweiler Behördenvertretern gesagt, was man hier eigentlich solle, auf dem Hof sei doch alles in bester Ordnung. Und die Kosten, die habe nun das Rottweiler Amt zu tragen.

„Die Tierhalter werden so schikaniert, dass sie aufhören“

Für Manfred Haas ist es weniger gut ausgegangen, er steht jetzt vor dem Aus, „ich weiß nicht mehr weiter“, sagt der Flözlinger. Auch, dass sich der Ortsvorsteher für ihn einsetzte, habe nichts gebracht.

Was ihm bleibt? Die Frührente, meint er zynisch. Von der er allerdings nicht leben geschweige denn seine Familie ernähren kann. Ackerland hat er zu wenig, die Wiesen bringen zwar Heu, aber das will ja keiner haben.

„Die Landesregierung hat niederschwellige Förderprogramme gerade für kleine Betriebe aufgelegt“

Da der Lebensmittelhandel mehr Wert auf Tierwohl lege, empfehle das Landwirtschaftsamt den Landwirten, umzusteigen, sagt Andrea Schmider, Pressesprecherin des Landratsamts. „Die Landesregierung hat vor diesem Hintergrund niederschwellige Förderprogramme gerade für kleine Betriebe aufgelegt: Die Landwirte können für tierwohlgerechte Um-, An- oder Neubauten 50 Prozent der Bausumme als direkte Förderung erhalten, immer vorausgesetzt, der Eigenanteil kann finanziert werden. Unser Landwirtschaftsamt berät gerne dazu.“ So wolle das Land nicht nur kleinere Betriebe, sondern vor allem die Rinderhaltung fördern. Für Haas, dessen Bauantrag für die entsprechenden Stallumbauten schon bewilligt ist, ist es dafür nun allerdings zu spät.