Über 12 000 Jahre hinweg ist der humusreiche Ackerboden um den Waldhof entstanden. Doch erst seit knapp 100 Jahren kann dieser landwirtschaftlich genutzt werden. Foto: Gert Ungureanu

Manfred Kränzler erklärt, warum der Boden am Waldhof fruchtbar ist und welche Schwierigkeiten er bewirkt – auch für das geplante Fallschirmübungsgelände.

Der Pächter des Isinger Schönberghofs ist erfahrener Landwirt und kennt sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Ackerbaus genau aus. Beim Informationstag der Bürgerinitiative Waldhof erklärte er den Besuchern Entstehung, Besonderheiten und Nutzen der Ackerböden auf dem Gelände, das als Fallschirmübungsplatz vorgesehen ist.

 

Was ist eigentlich Humus?

Für die Wissenschaft sei Humus nicht mehr nur ein Stoff, sondern ein vielfältiges, lebendiges System. Je höher und lebendiger der Humusanteil, desto fruchtbarer seien die Böden.

Wie ist der Boden rund um den Waldhof beschaffen?

Um den Waldhof liege der Humusanteil bei neun Prozent, im Bundesdurchschnitt hingegen nur bei zwei bis drei Prozent.

Welchen Nutzen hat ein hoher Humusanteil?

Humusreiche Böden könnten Nährstoffe besser speichern; das diene dem Grundwasserschutz. Sie ernährten die Pflanzen besser; Stichwort: Bodenfruchtbarkeit. Auch speicherten sie mehr Wasser, was gut für den Hochwasserschutz sei. Und sie nähmen Schadstoffe besser auf; ein Plus für die Lebensmittelsicherheit.

Was leistet Humus für den Klimaschutz?

Humus binde Kohlendioxid. Würde man den Humusanteil weltweit um ein Prozent steigern, wäre das Klimaproblem gelöst, sagte Kränzler.

Warum sind die Waldhofböden besonders wertvoll?

Dabei handle es sich um 12 000 Jahre alte Schwarzjuraböden. Sie hätten durch den hohen Humusgehalt eine hohe natürliche Bodenfruchtbarkeit und trügen zur Versorgung der Menschen in der Region mit Lebensmitteln bei: „Es wäre ein historischer Fehler, aus dem Waldhof einen Landeplatz und ein Militärgelände zu machen“, warnte Kränzler.

Wie entstand der Boden?

Die Basis bildet der Posidonienschiefer, der am Grund des Jurameers vor 183 Millionen Jahren entstand. Als das Meer zurückwich, entstand durch die Verwitterung ein tonreiches Substrat. Darauf entwickelte sich ein Bodenprofil und durch die Zersetzung von Pflanzenresten unter dem Einfluss des Klimas und der Landnutzung Humus im Oberboden.

Welche Schwierigkeiten bereitet Wasser darauf?

Die Böden hätten eine hohe Wasserspeicherkapazität, aber eine geringe Wasserleitfähigkeit. Das führe um den Waldhof zu Staunässe in Mulden oder verdichtetem Untergrund. Die „schweren Böden“ dort seien nur in einem engen Feuchtebereich zu bearbeiten: „Man spricht deshalb von sogenannten ,Minutenböden’.“ Bei Nässe werde der Untergrund matschig und selbst Traktoren können darin steckenbleiben.

Welche Probleme sind durch die Drainagen für das Fallschirmgelände zu erwarten?

1927 wurden Felder um den Waldhof aufwändig von Hand mit Tonröhren drainiert. Erst dadurch ließen sich die Felder landwirtschaftlich nutzen. Diese Rohre liegen noch immer unter der Erde. Die Bürgerinitiative und die Landwirte, die die Flächen nutzen, befürchten, dass sie beim Bau der geplanten Start- und Landepiste zerstört werden könnten. Dann hätte der Waldhof wieder ein großes Problem mit Regenwasser, das auf den Feldern stehen bliebe.