Anfang des Jahres hielten die Proteste der Landwirte gegen die große Politik auch den Nordschwarzwald in Atem. Jetzt ziehen zwei wichtige Vertreter der Branche in der Region Bilanz – und schließen einen weiteren Protest nicht aus.
So richtig glücklich sind der Nagolder Landwirt Markus Stollsteimer und der Horber Gerhard Fassnacht, Kreisvorsitzender des Bauernverbands Nordschwarzwald-Gäu-Enz, nicht.
Großen Aufwand haben sie Anfang des Jahres betrieben, um die Protest der Landwirte in ganz Deutschland auch auf die Straßen des Nordschwarzwalds zu bringen. Sogar beim Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz waren sie präsent und konnten ihre Forderungen ganz nah an den Regierungschef bringen.
Und hat sich der große Aufwand tatsächlich gelohnt? Die Antwort der beiden Bauernvertreter ist ein klares „Ja, aber“. In manchen Bereichen habe man Ziele erreicht, in anderen nicht. „Ohne die Proteste wären wir nicht so weit, wie wir jetzt sind“, sagt Gerhard Fassnacht im Gespräch mit der Redaktion auf dem Hof von Markus Stollsteimer.
Proteste wurden auch in Brüssel gehört
Bei der so genannten „Stilllegungspflicht“ konnte man sich durchsetzen. Die sah vor, dass Landwirte vier Prozent ihrer Ackerfläche aus der Produktion nehmen müssen. Das hätte bedeutet, dass man auf diesen Flächen überhaupt nichts hätte machen dürfen. Für Markus Stollsteimer haben diese Pläne keinen Sinn gemacht.
Erstens wären dadurch natürlich Erträge seines Hofes weggefallen, dazu wären noch die deutlich höheren Kosten für eine spätere Rekultivierung der Flächen gekommen, die sich auch auf der finanziellen Seite niedergeschlagen hätten.
Artenvielfalt auf den Äckern sei so schon gegeben
Und das alles, um die Artenvielfalt auf den betroffenen Äckern zu stärken? Für Stollsteimer hat die ganze Sache wenig Sinn ergeben.
Die Artenvielfalt auf den Äckern sei so schon gegeben. Die hänge stark von der Witterung ab. In einem nassen Frühjahr wie dem jetzigen sehe es dort ganz anders aus wie in einem trockenen Jahr wie etwa 2023.
Am Ende sah man es bei der EU, von der diese Regelung ursprünglich ausging, ein. Und man strich das Vorhaben komplett. Ein Erfolg der Landwirte. Man wurde bis nach Brüssel gehört.
Gute und friedliche Zusammenarbeit mit Behörden
Und auch bei der Bevölkerung habe man positive Reaktionen auf den Bauernprotest gespürt, erinnert sich Fassnacht, der nicht ohne Stolz berichtet, dass man die Aktionen gut organisiert habe und auch die Zusammenarbeit mit den Behörden in diesen Wochen eine gute und friedliche gewesen sei – selbst bei einer sensiblen Veranstaltung wie dem Kanzlerbesuch in Nagold.
Zudem hätten die Wochen des Protestes auch den Zusammenhalt und die Geschlossenheit unter den Landwirten gefördert und unter Beweis gestellt.
Es geht um Wettbewerbsfähigkeit
Beim Reizthema Dieselbesteuerung sei man allerdings nicht da, wo man eigentlich sein wollte, räumen Stollsteimer und Fassnacht ein. Die Vergünstigungen seien nur teilweise erhalten geblieben. Die Vorteile für die Bauern beim Agrardiesel würden in Zukunft sukzessive nach unten gefahren – bis auf null Prozent.
Auch wenn sie den gefundenen Kompromiss akzeptieren müssen, halten sie an der Grundforderung fest, denn für die Landwirte gehe es bei diesem Thema um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Produzenten auf der ganzen Welt.
Hoffnungen auf eine Lösung nicht aufgegeben
Große Unterschiede beim Diesel würden komplett durchschlagen, denn „Diesel braucht jeder Landwirt“, so Stollsteimer, für den die Lösung des Problems auch darin liegen könnte, dass die Bauern ihre Fahrzeuge auch mit Heizöl betreiben dürften, wie das in anderen Ländern erlaubt sei.
Ihre Hoffnungen auf eine Lösung haben sie nicht aufgegeben. „Wir werden da immer mit der Politik im Gespräch bleiben“, kündigt Gerhard Fassnacht an, der trotz aller Belastungen und Anstrengungen während der Protestwochen sich noch immer kämpferisch zeigt – und eine weitere mögliche Protestwelle ankündigt.
Bald wieder Treckerkolonnen mit Protestplakaten?
Denn Pläne der Politik, beim Tierschutz noch einmal nachzulegen, stoßen den Bauern schon jetzt sauer auf.
Da könne es durchaus sein, dass bald wieder Treckerkolonnen mit Protestplakaten durch den Nordschwarzwald rollen. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.