Max Hagin, Obstbaumeister in Haltingen und Vorsitzender der Obstbauregion Süd sowie Vorsitzender des Kreisobstverbandes, zieht eine zufriedenstellende Bilanz der Obsternte 2025.
Die Obstbausaison auf den rund 500 Hektar Obstanlagen im Landkreis, wobei ein Schwerpunkt zwischen Haltingen und Schliengen liegt, ist so gut wie abgeschlossen. Die Ernte ist in den letzten Zügen und zu 99 Prozent eingebracht“, sagt Max Hagin im Gespräch mit unserer Zeitung.
Seine Bilanz fällt im Großen und Ganzen positiv aus, wenngleich die Obstbauern auch die wirtschaftliche Unsicherheit und die Konsumzurückhaltung zu spüren bekommen. Die Nachfrage nach Obst war nämlich zuletzt etwas verhaltener. „Bei den Äpfeln hat es eine überdurchschnittliche Menge gegeben, denn deutschlandweit wurde die Millionen-Tonne-Marke überschritten.“, erläutert der Haltinger Obstbaumeister, der zusammen mit seinem Vater Jörg Hagin einen Obst- und Kürbishof betreibt. Welche Preise sich am Markt erzielen lassen, müsse man nun abwarten.
Regionale Erzeugnisse
Ob knackig frische Äpfel, süße Kirschen oder aromatisches Beerenobst, regionale Erzeugnisse sind grundsätzlich gefragt. Am meisten werden in dieser Region Kirschen angebaut, gefolgt von Zwetschgen, Äpfeln und Beeren. Trotz des vielen Regens im Juni war die Qualität der Kirschen „stabil und stimmig“. Bei der Menge mussten die Obstbauern immer dort Abstriche machen, wo die Anlagen nicht durch ein Foliendach geschützt waren. Denn in nicht geschützten Anlagen gab es Einbußen zwischen 20 und 30 Prozent. Beim Erzeugergroßmarkt Egro in Efringen-Kirchen, wohin die meisten Obstbauern einen Großteil ihres Obstes zur Vermarktung bringen, werden beispielsweise rund 600 Tonnen Industriekirschen, also Kirschen, die speziell für die industrielle Weiterverarbeitung angebaut werden, vermarktet.
Schädlinge
Auch wenn die Kirschfruchtfliege, der größte Schädling beim Süßkirschenanbau, und die Kirschessigfliege, ein Schädling, der im Obstbau neben Kirschen auch den Beeren und Pflaumen zusetzt, laut Hagin mitunter Kopfzerbrechen bereitet hat, habe man letztlich alles gut im Griff gehabt.
Lob für den Egro
Bei der Apfelernte spricht Max Hagin von „schönen Erträgen und guten Qualitäten“. Für die Haltinger Obstbauern gilt dies jedoch nur mit Abstrichen, da deren Anlagen in diesem Jahr nicht von Frost und Hagel verschont geblieben sind. Der Sorte Elstar misst der Obstbaumeister infolge des Klimawandels in unserer Region keine große Zukunft bei, da es diese Apfelsorte nicht so heiß mag. Als Alternative bietet sich laut Hagin beispielsweise die Sorte Santana an. Er selbst baut diese Sorte, deren Äpfel sich als fest, saftig und mit einer angenehmen Säure präsentieren, auf den insgesamt fünf Hektar großen Kernobstanlagen (Zwetschgen, Kirschen, Äpfel) des Haltinger Obst- und Kürbishofs an. „Wegen des herausfordernden Klimawandels müssen wir immer wieder Anpassungen vornehmen und auf moderne Sorten wie Gala, Topaz, Braeburn oder Jonagold setzen“, sagt der 35-Jährige Haltinger Obstbaumeister, den die Preisstabilität bei den Mostäpfeln als Fundament im Kernobstbau positiv stimmt. Erfreulich sei der steigende Konsum von Birnen, deren Ernte Max Hagin sowohl bei der Quantität als auch Qualität als gut bezeichnet.
Kurze Umschlagzeiten
Ein Kompliment macht der Vorsitzende, der die Interessen der Obstbauern zudem im Vorstand des Landesverbands Erwerbsobstbau mit Sitz in Stuttgart vertritt, dem Erzeugergroßmarkt (Egro) in Efringen-Kirchen. Durch sehr kurze Umschlagzeiten von der Ernte bis zum Verbraucher gewährleiste Egro Frische und Qualität. Das Obst werde zudem gut vermarktet und für die Erzeuger zufriedenstellende Preise erlöst.
Thema Mindestlohn
Was den Obstbauern Sporgen macht, ist der weiter steigende Mindestlohn. „Wir haben prinzipiell nichts dagegen, wenn dieser angehoben wird. Doch dann muss auch gewährleistet sein, dass wir über die Erlöse für unsere Produkte auch die Mitarbeiter bezahlen können“, betont Max Hagin, der sich von der Politik eine Lösung erhofft. Europaweit gebe es ohnehin eine Wettbewerbsverzerrung, da beispielsweise in Spanien der Mindestlohn 5,50 Euro beträgt. Deshalb fordert Hagin die Politik auf, für eine gemeinsame und faire europäische Lösung zu sorgen. Ebenso sei das Thema Pflanzenschutz eine noch ungelöste Baustelle, auch wenn durch den neuen Landwirtschaftsminister etwas Bewegung in die Sache gekommen sei. Es geht dabei um die Zulassung bestimmter Pflanzenschutzmittel oder deren Verlängerung, vor allem auch um eine saisonale Zulassung, wie sie nach EU-Recht möglich ist. In Deutschland hapert es aber nach Darstellung von Max Hagin an der Umsetzung. Er spricht von einem Stau bei den Zulassungsanträgen.