Schwarzwald-Bauern diskutierten brennende Themen und fordern Chancengleichheit. Ihr Appell richtet sich aber auch ausdrücklich an die Verbraucher.
„Die Landwirtschaft des Schwarzwaldes ist auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig“ – BLHV-Präsident Bernhard Bolkart wählte klare Worte bei der Gesprächsrunde auf dem Hinteren Steinbishof. Deshalb sei es notwendig, über die Angleichung der Qualitätsstandards mehr Chancengleichheit zu erreichen.
Zu Gast bei Familie Echle Im Zusammenhang mit dem 75-Jahr-Jubiläum des BLHV-Ortsvereins Gremmelsbach hatte Clemens Hug vom Obergefellhof in seiner Funktion als Vorsitzender zu der Runde eingeladen, bei der brennende Themen diskutiert wurden. Gastgeber waren Zita, Gerhard und Simon Echle. Die Familie bewirtschaftet ihren Hof im Nebenerwerb. Der Einladung gefolgt waren neben dem BLHV-Präsidenten auch Diplom-Forstwirtin Silke Lanninger vom Landratsamt (als Leiterin des Dezernats V Ländlicher Raum für die Ämter Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Vermessung und Flurneuordnung zuständig), Ortsvorsteher und Landwirt Helmut Finkbeiner sowie Landwirt und Metzger Richard Schwer vom Mittelgefellhof.
Ein erstes Thema war die Konkurrenzfähigkeit der Landwirtschaft. Die rund 1200 Betriebe im Schwarzwald-Baar-Kreis stünden vor vielfältigen Herausforderungen und entwickelten neue Konzepte, um sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. So verringern viele Betriebe ihre Arbeitsbelastung, indem sie ihr Milchvieh abschaffen und auf Kälbermast oder Muttertierhaltung umstellen. Clemens Hug wies auf die hohen Investitionskosten für einen neu zu bauenden Mastplatz mit 7500 bis 10 000 Euro netto bei einem Umbau und 15 000 bis 18 000 Euro bei Neubau hin. Im Vergleich sei bei der Milchviehhaltung mit Investitionen von bis zu 28 000 Euro pro Tier bei einem Neubau zu rechnen. Umbaumaßnahmen seien aus Platzgründen meist schwierig. Außerdem erweiterten Betriebe ihr Angebot. Silke Lanninger nannte als Beispiel die Zunahme von Legehennenmobilen, auch Verkaufsautomaten könnten eine Ergänzung sein. Richard Schwer merkte allerdings an, dass für den Betreiber hohe Investitionskosten anfallen und große Mengen Verpackungsmüll unausweichlich seien. Bernhard Bolkart wies darauf hin, dass selbst Beispiele wie die Marktscheune in Berghaupten nur durch großes persönliches Engagement gelängen. Damit stellten solche Konzepte zwar eine Ergänzung dar, könnten aber keine flächendeckende Versorgung sichern.
Richard Schwer ist einer der wenigen Metzger in der Raumschaft und berichtete über den Fleischverkauf in seiner Hofmetzgerei. Zu Corona-Zeiten habe er deutlich mehr verkauft als nach der Pandemie.
Wenige schlachten selbst Als es noch Hausschlachtungen gab, hatte er einen festen Kundenstamm, von dem heute allerdings weniger als 20 Prozent ihr Fleisch im Hofladen kaufen. Bedenklich sei die abnehmende Zahl der Metzgereien in der Region, die selbst schlachten. In der Konsequenz könne Fleisch nicht mehr so gut regional vermarktet werden. Die Transportwege nähmen zu und damit die Belastungen für Natur und Tiere.
Generell seien die Ausgaben für Lebensmittel in Deutschland mit 10 bis 13 Prozent des Einkommens im europäischen Vergleich relativ niedrig. Das sei immer wieder Thema in der öffentlichen Diskussion. Doch nach Beendigung der Pandemie sei es sang- und klanglos aus den Schlagzeilen verschwunden, wurde kritisiert.
Zurzeit sei eher das Gegenteil der Fall und die Lebensmittelpreise, so Helmut Finkbeiner, gelten als Preistreiber. Für die Landwirte als Produzenten stelle sich der Zusammenhang allerdings ganz anders dar: „Die höheren Preise kommen nicht beim Erzeuger an, hier verdient der Handel.“ Der hohe Konzentrationsgrad im Handel spiele in Bezug auf die Preisgestaltung eine maßgebliche Rolle. Die Handelsketten könnten den Produzenten in vielen Fällen die Preise diktieren.
Handel diktiert die Preise Clemens Hug schilderte ein Beispiel aus der Milchwirtschaft: „Ihr müsst von dem jetzigen Preis für eure Milch runtergehen, sonst werdet ihr ausgelistet.“ Das heißt übersetzt: Wir kaufen sonst eure Milch nicht mehr. Damit bestimme nicht der Material- und Arbeitseinsatz für ein Produkt den Preis, sondern der Verkäufer. Eine Gegenmaßnahme und sinnvolle Alternative läge in der Direktvermarktung und der Regionalität.
Es gelten hohe Standards Deshalb wäre es sinnvoll, als Bauernverband in größerem Umfang präsent zu sein, um die Verbraucher dafür zu sensibilisieren, dass die Standards, welche die heimische Landwirtschaft einhalte, ihren Preis hätten und dass beim Import bisher nicht auf vergleichbare Standards geachtet werde. So kämen Import-Lebensmittel auf den Markt, die mit Pestiziden behandelt würden, die in Deutschland seit vielen Jahren verboten seien, machte BLHV-Präsident Bolkart deutlich.
Für die Landwirtschaft gelte eine gesetzliche Regelung, die den Umbruch von Wiesen- und Weideland in Acker untersage, um artenreiches Grünland zu entwickeln und zu schützen. Will ein Betrieb eine Wiese zu Ackerland machen, müsse eine gleich große Fläche Acker wieder zu Wiese werden.
Früher konnte der Bauer frei entscheiden, ob es sinnvoll ist, mehr Acker- oder Weideland zu bewirtschaften und durch den Fruchtwechsel die Fruchtbarkeit zu erhalten. Gerade heute, wo aufgrund der Trockenheitsphasen mehr Humusauflage zur Grundwasserbildung nötig sei, wäre diese Freiheit sehr wünschenswert, wurde betont. Auch Silke Lanninger hält es für eine unnötige Überregulierung, die Landwirte derart einzuschränken, wie sie sagte.
Wie soll der Wald der Zukunft aussehen? Auch das beschäftigt die Landwirte. Dazu merkte Bernhard Bolkart an: „Der Klimawandel ist gigantisch – von November bis April lag in der Regel Schnee und war ein wichtiger Wasserspender. Zwar sind die Niederschlagsmengen gleich geblieben, aber die jahreszeitliche Verteilung hat sich verschoben und der Ostwind hat einen regelrechten Föhneffekt.“ Der Wald ist besonders stark von steigenden Temperaturen und trockenen Sommern betroffen. Zita Echle wies darauf hin, dass die Subventionen für den Bodenschutzwald gestrichen wurden. Die Familie suche nach Lösungen, um die bisherige Form der Waldwirtschaft durch trockenheitsresistente Baumarten zukunftsfähig zu machen.
Ja zur Photovoltaik Ein Thema waren zudem die heiß diskutierten Photovoltaikanlagen. Bolkart begrüßte im Namen des BLHV ausdrücklich die Umsetzung solcher Agri-Photovoltaik-Projekte, die jeder Landwirt auf 2,5 Hektar seiner Fläche installieren dürfe. Der Begriff der Erhaltung des Landschaftsbildes präge stark die öffentliche Diskussion; dieser Aspekt sollte nicht überbetont werden, so Bolkart.
Für viele Hofbesitzer ist die Hofübergabe an die nächste Generation ein heikles Thema. Um Lösungen zu erarbeiten, haben sich verschiedene Gruppen zu einer „Vertrauensstelle außerfamiliäre Hofübergabe“ zusammengeschlossen; dazu gehören neben weiteren der BLHV, das Regierungspräsidium Freiburg und das Bildungshaus Kloster St.Ulrich.