Auf die Heuernte kann man dieses Jahr lange warten, weiß Clemens Hug. Landwirte setzen nun auf Alternativen.
Kein gutes Frühjahr und kein guter Sommeranfang in diesem Jahr. Weder Urlauber noch Freizeitsportler haben derzeit wirklich Spaß am Wetter. Mindestens genauso hart trifft es aber auch einen Berufsstand, der gerade jetzt dringend ein paar trockene, warme Tage bräuchte, nämlich die Landwirtschaft.
„Gegen das Wetter bist du machtlos“, bringt es Clemens Hug auf den Punkt. Er führt gemeinsam mit Bernhard Bolkart, dem Präsidenten des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins (BLHV), den Kreisverband Villingen-Schwenningen. Im Prinzip sei es – mit Ausnahme der Monate Januar und Februar – seit Oktober 2023 durchweg nass.
Er wisse natürlich auch, dass diese Witterung der Natur, dem Wald und vor allem dem Grundwasser sehr zupass komme. „Aber eigentlich ist es völlig normal – wenn etwas für eine Sache gut ist, gibt es ganz sicher eine andere Seite, der das überhaupt nicht passt. So ist das auch mit dem Wetter“, meint er dazu. Das sei jedes Jahr eine neue Herausforderung, die den Beruf auch interessant mache.
Kein schlechter Anfang
Begonnen habe das Erntejahr zunächst gar nicht schlecht, für diejenigen unter seinen Berufskollegen, die vor allem auf Silage setzen. „Der erste Schnitt konnte sehr früh stattfinden, war auch qualitativ sehr gut. Silage braucht auch nur eine verhältnismäßig kurze Trocknung“, verdeutlicht er.
Die Herausforderung ist jedoch, diese Massen an Mähgut in kürzester Zeit, im besten Fall innerhalb von 24 Stunden, auf etwa 35 Prozent Masse zu trocknen. Dabei sollte so wenig wie möglich an Qualität verloren gehen. Im besten Fall sollte sie sogar noch verbessert werden, was wohl den meisten Bauern gelang.
Qualität leidet zusehends
„Durch den anhaltenden Regen hat sich mittlerweile die Qualität deutlich verschlechtert. Und wer auf die Heuernte gewartet hat, wartet immer noch. Denn wir hatten noch keine drei Tage, an denen es durchgehend warm und trocken war“, beschreibt Hug, der einen Bio-Milchviehbetrieb in Gremmelsbach führt.
Inzwischen liegt vielerorts das Gras durch den Dauerregen, der häufig zusätzlich mit starken Winden vereint war, großflächig am Boden, wird also auch schwer zu mähen sein.
Eine Alternative zeigt der Gremmelsbacher BLHV-Vorsitzende auf: die so genannte Heu-Silage oder „Heulage“. Diese wird im Gegensatz zu Silage, die aus jungem Gras erzeugt wird, ebenso spät wie Heu geschnitten. Nach dem Schnitt wird sie dann auf 45 bis 60 Prozent Trockenmasse heruntergetrocknet und anschließend gepresst und luftdicht verpackt. Die Folie schließt den Ballen luftdicht ein, was – wie beispielsweise auch bei der Sauerkrautherstellung – zu einer Milchsäuregärung führt.
Über Monate haltbar
Diese macht das wertvolle Futter über Monate haltbar. Gewickelt wird Heulage zur Unterscheidung häufig in grünliche Folie.