Die Hitze der vergangenen Zeit kann Folgen für die Ernte haben. Getreidesorten brauchen für die Nährstoffbildung nämlich Wasser. Hat die Hitze bereits Schäden angerichtet? (Symbolbild) Foto: Jens Büttner/dpa

Das Wetter und die erneute Hitze macht Landwirten im Kreis Rottweil zu schaffen. Eugen Haberer vom Kreisbauernverband erklärt, ob bereits Ernte-Schäden entstanden sind.

Pralle Sonne und Hitze sind im Kreis Rottweil laut Wetterdiensten wieder angesagt. Nach ein paar Wochen mit Regen und kühlen Temperaturen freuen sich viele, dass der Sommer doch noch gerettet wird. Aber wie geht es der Ernte? Ist die denn gerettet?

 

Denn: Leicht hatten es die Landwirte in diesem Jahr noch nicht. Der Frühling zu nass, dann die erste Hitze Ende Juni Anfang Juli und nun erneut Temperaturen über 30 Grad. Eugen Haberer, Vorsitzender des Kreisbauernverbands und selbst Landwirt, zeigt, welche Auswirkungen das Wetter auf die Ernte und die Erträge hat.

Das sei von Feld zu Feld unterschiedlich. Viele Faktoren würden bei dem Ertrag und der Ernte mitspielen, erläutert Haberer. Zunächst einmal komme es auf die Kultur an. Kartoffeln zum Beispiel würden bei über 30 Grad langsamer wachsen.

Ertrag stark vom richtigen Zeitpunkt abhängig

Getreidearten bräuchten für die Sprossen und Nährstoffbildung Wasser-Phasen. Bei langen Trockenphasen und Hitze vermindere sich die Kornbildung und die Pflanze bilde weniger Nährstoffe. Das Resultat: kleinere Körner und eine andere Qualität, so der Experte.

Es sei also stark davon abhängig, zu welcher Wachstumsphase der Regen falle und bei welcher Pflanze. Teils seien so die Erträge von Landwirt zu Landwirt unterschiedlich, je nachdem welches Feld doch ein Tröpfchen Wasser abbekommen habe, zeigt der Landwirt auf. Dann sei auch der Ertrag besser. Doch eins haben alle gemeinsam: Ohne Wasser geht es nicht. Die ganze Pflanzenwelt freue sich über den Regen der vergangenen Wochen.

Schädlinge fühlen sich bei Hitze wohl

Über die Trockenphasen hingegen freuen sich laut Haberer Schädlinge wie Käfer. Der Kartoffelkäfer beispielsweise vermehre sich bei warmen Temperaturen. Da helfe nur absammeln oder im schlimmsten Fall chemische Hilfsmittel, so der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

Außer Dünger und Pflanzenschutz könnten die Landwirte die Ernte nicht beeinflussen. „Wir müssen es geduldig ertragen. Aber: Das was man machen kann, muss man tun.“ So sehe er das auch in Hinblick auf Saatkrähen, die die Ernte beeinflussen. Die Ernte im Land halte das nicht aus, findet er.

Eugen Haberer ist Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rottweil. (Archivbild) Foto: Stefanie Siegmeier

Bei allem was politisch gerade in der Welt ablaufe, graue es ihm, verrät er. Daher ist er der Meinung: „Alles was hier produziert wird, muss nicht eingeführt werden.“

Ernte falle wahrscheinlich „ordentlich“ aus

Dennoch ist der Vorsitzende optimistisch. Die Landwirte im Kreis hätten auf seine Nachfrage rückgemeldet, dass die Ernte im Großen und Ganzen wahrscheinlich ordentlich ausfallen werde. Aber: „Die Ernte ist erst im Sack, wenn sie gedroschen ist“, gibt Haberer zu bedenken. Es habe auch schon Jahre gehabt, da konnte wegen schlechtem Wetter nicht geerntet werden. „Das ist unser Risiko.“

Klimawandel

Neue Sorten
Landwirte, darunter auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Rottweil Eugen Haberer, testen ständig neue Sorten. Dies habe den Hintergrund, dass die Bauern bei wechselnden klimatischen Bedingungen die für ihrer Region passenden Saaten finden müssen, erklärt Haberer. Hierbei komme es zum Beispiel auf die Boden- oder Höhengegebenheiten an. Das sei ähnlich wie in der Forstwirtschaft. Hier werde vermehrt durch Mischkulturen versucht, dem Klimawandel entgegen zu wirken, um „das Risiko breiter zu streuen“, so der Experte. Im Landesbauernverband in Stuttgart werde zum Beispiel auch versucht hitzeresistentere Sorten zu züchten.