Bernhard Bolkart ist seit 18 Jahren Kreisvorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) Kreisverband Villingen. Bei der Hauptversammlung am Donnerstag, 28. November, soll nun Schluss sein. Er wird sich nicht mehr zur Wahl stellen. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt er auf die Zeit zurück und wagt auch einen Blick in die Zukunft.
Bernhard Bolkart wird bei der Versammlung am Donnerstag im Gasthaus De’ Engel in St. Georgen-Brigach nicht mehr zur Wahl stehen. Er wird an diesem Abend aus dem Kreisverband verabschiedet.
Bolkart ist Landwirt aus Leidenschaft. Der 62-Jährige wuchs auf dem elterlichen Betrieb in Donaueschingen auf, machte eine landwirtschaftliche Ausbildung und hängte noch eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann an. Selbstredend wurde er auch Mitglied der Landjugend Bräunlingen und im Jahr 1986 wurde er Kreisvorsitzender der Landjugend. 1998 übernahm er mit seiner Frau Rita den Kolben-Hof der Schwiegereltern in Schonach. Er wurde 2003 der Vorsitzende des BLHV Schonach und 2006 dann des Kreisverbands.
18 Jahre führte er den Kreisverband – eine lange Zeit, in der sich vieles tat. Was waren denn 2006 die Probleme, die die Landwirte und den Verband berührten? Vor allem sei da die Milchquote genannt, verrät Bolkart im Gespräch mit unserer Redaktion. Die sollte damals nicht weitergeführt werden und seitens des Verbands war man sich einig, dass dies so geschehen sollte. Unter den Mitgliedern war diese Meinung allerdings umstritten, „Das waren herzhafte Diskussionen“, erinnert sich Bolkart an die damaligen Vorgänge, die schließlich im Milchstreik gipfelten.
Naturschutz schon damals im Gespräch
Aber nicht nur um die Milch gab es Diskussionen, auch damals schon war Naturschutz groß im Gespräch. Natura 2000 und FFH, so der scheidende Kreisvorsitzende, waren zeitintensive Themen. Damals brachte der Kreisverband die Managementplanungen für das Gebiet Rohrhardsberg ein.
Gesprächsthema war die Planung für das Naturschutzgroßprojekt auf der Baar, hier sollten Flächen identifiziert werden, die hohen ökologischen Wert hatten und die verstärkt geschützt werden sollten. „Die Befürchtungen waren groß, dass dort weitere Schutzflächen hinzukommen könnten, und wir sprachen uns dagegen aus.“ Geholfen hatte das nichts, das Projekt wurde durchgezogen. Aber, so resümiert Bolkart, heute würde das sehr gut funktionieren, die Zusammenarbeit mit den Behörden und zuständigen Stellen sei sehr gut.
Eine ähnlich gute Entwicklung nahm der Landwirtschaftsentwicklungsverband, den man seinerzeit zwar zugestimmt hatte, allerdings ohne große Begeisterung. Aber auch hier habe man eine tolle Entwicklung gemacht. Die Themen der Vergangenheit beschäftigten teilweise heute noch, wie etwa der Landschaftsschutz. Teilweise sind sie Geschichte, wie etwa die Milchquote.
Landwirtschaft kämpft mit anderen Problemen
Heute, so Bolkart kämpfe die Landwirtschaft mit ganz anderen Problemen. Ganz frisch seien noch die Erinnerungen an die Bauernproteste zu Jahresbeginn. „Begonnen hat es mit der Streichung der Steuervergünstigung zum Agrardiesel“, weiß Bolkart.
Dann aber sei so ziemlich alles hochgekommen, was die Landwirte am Schuh drückte: Wertschätzung der Arbeit, Bürokratie, Düngemittelverordnung, fehlende perspektivische Zusagen und so weiter. „Wir haben mit den Protesten etwas erreicht“, freut sich Bolkart im Nachhinein. Der gesellschaftliche Rückhalt sei enorm groß gewesen und geblieben.
Herausforderungen in der Zukunft
Man konnte punkten mit den Demonstrationen, vor allem auch, so ist er sich heute sicher, weil man die Demos sauber angemeldet und durchgeführt habe und sich vor allem von extremistischen Positionen klar und deutlich distanziert habe. „Kurzum – es ist etwas passiert. Nun müssen wir die neu gewonnene Wertschätzung und Akzeptanz in der Bevölkerung und der Politik auch pflegen“, mahnt Bolkart.
Und künftig? Wo sieht der scheidende Kreisvorsitzende die Herausforderungen für die Landwirtschaft? Da nennt er vor allem die Tierhaltung. Die Anbinde-Haltung soll verboten werden, das werde viele Bauern im Schwarzwald vor unlösbare Herausforderungen stellen, weil sich die nötigen Investitionen nicht rentieren werden, ist er sich sicher. Bolkart sieht hier viele landwirtschaftliche Betriebe vor dem Aus. Die große Frage wird dann aber sein, wie man eine Offenhaltung der Landschaft und überhaupt eine Landschaftspflege im Schwarzwald gewähren kann.
Und natürlich, wie in anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen, wird nach wie vor die ausufernde Bürokratie ein wesentliches Thema darstellen.
Viele Dinge haben ihn in 18 Jahren geprägt
Viele Dinge seien in den 18 Jahren als Kreisvorsitzende prägend gewesen: Er habe viele neue Leute kennengelernt, sehr viele unterschiedliche Themen behandelt und lernen müssen, dass Projekte nicht einfach und schnell, sondern eher langsam und mühevoll vonstattengehen.
„Rückblickend freut mich eines sehr: im Gegensatz zu meinen Anfangszeiten haben die Grabenkämpfe aufgehört, die verschiedenen Parteien – Landwirtschaft, Politik und Interessenverbände – zeigen heute wesentlich mehr Verständnis für die Bedürfnisse der anderen beteiligten Parteien.“ Auch habe Regionalität seit Corona heute wieder einen ganz anderen, wesentlich höheren Stellenwert.
Zwar zahle sich das aktuell aufgrund der Inflation, weshalb viele Bürger auf ihr Geld achten müssen, nicht in Euro und Cent aus, aber es gebe doch eine gewisse Sicherheit für die Landwirtschaft. Der heute 62-Jährige lässt von der Verbandsarbeit übrigens nicht ab, denn 2021 wurde er zum Präsidenten des Verbands gewählt. Auch dort stehen Wahlen an, im Dezember wird er sich dieser auch wieder stellen.