In Efringen-Kirchen gingen mehr Stimmberechtigte ins Wahllokal als sonst (Symbolfoto). Foto: Beatrice Ehrlich

Schaffhauser (Grüne) freut sich für Hagmann. Rühl (CDU) lobt Schelshorn und ärgert sich über dessen verpasste Chance. Grünen sind zerrieben worden, so Schweizer aus Efringen-Kirchen.

Wer die Landtagswahl vor einem Liveticker verbrachte, der erlebte für das Wahlergebnis in Baden-Württemberg ein knappes Rennen. Doch noch viel geringer war der Unterschied zwischen Grün und Schwarz im Wahlkreis Lörrach. Aber auch die Lokalpolitiker in Efringen-Kirchen erlebten eine Berg- und Talfahrt – der Hochrechnungen und Stimmen sowie der Gefühle.

 

Abschneiden hat überrascht

Am Tag nach der Wahl sind die Emotionen Armin Schweizer, Vorsitzender der SPD in Efringen-Kirchen, noch anzumerken. „Am Sonntag bin ich unter Schock gestanden“, erklärt er beim Telefonat. Das Abschneiden seiner Partei hat ihn mehr als überrascht. „Die Prognosen hatten ein schlechtes Ergebnis vorhersehbar gemacht. Allerdings war nicht nur ich der Meinung, dann kann es nicht mehr schlimmer kommen und wir können darauf aufbauen.“

Es geht noch schlimmer

Die Realität lehrte, dass es noch schlimmer geht. Das trifft ebenso für Efringen-Kirchen zu. Mit 12,6 Prozent vor fünf Jahren lag die Messlatte niedrig. Bei den Zweitstimmen gab es in der Reblandgemeinde nur noch 6,6 Prozent – sechs Prozentpunkte weniger für die Genossen. Dafür erfreuten die 12,6 Prozent der Erststimmen für Jonas Hoffmann. „Er hat eine gute Arbeit im Landtag gemacht“, befindet Schweizer.

Hoffmann sorgt für nächste Schocks

Doch Hoffmann sorgte für Schock Nummer zwei und drei. Hoffmann gehört nicht mehr dem neuen Landtag an. Und noch bitterer war für Schweizer, dass zehn SPD-Genossen dem neuen Landtag angehören, aber Hoffmann als Nummer elf eben nicht. Das schlechte Wahlergebnis der SPD verhinderte dies.

Kampf zwischen Ministerpräsidenten-Parteien

Schweizer sieht die Ursache darin, dass mit Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) zwei Spitzenpolitiker und Parteien darum kämpften, wer den nächsten Ministerpräsidenten stellen darf.

„Ohne Wahlkampf – so ein Ergebnis“

„Der AfD-Spitzenkandidat und auch Koch haben dabei keine Rolle gespielt.“ Im Wahlkampf sei die AfD nicht in Erscheinung getreten. „Wie man keinen Wahlkampf machen kann und dann noch so ein Ergebnis einfährt, das setzt dem Ganzen noch die Krone auf“, sagte Schweizer. Die AfD werde gewählt, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen. „Die Enttäuschung ist groß, wir müssen sehen, wie es jetzt weiter geht“, sagte der SPD-Vorsitzende aus Efringen-Kirchen.

Rühl ärgert sich über verpasste Chance

„Das war sehr knapp“, sagte Karl Rühl. Der Vorsitzende der CDU in Efringen-Kirchen war enttäuscht, dass es die CDU im Land nicht geschafft hat, und Peter Schelshorn hat mit 106 Stimmen Differenz den Einzug in den Landtag verpasst. In Efringen-Kirchen hat Schelshorn 29,9 Prozent der Erststimmen, damit liegt er in der Reblandgemeinde sogar vor Hagmann mit 26,1 Prozent.

Rückenwind aus Berlin hat gefehlt

Mit Rückenwind von der CDU aus Berlin hätten es Hagel und Schelshorn geschafft, da ist sich Rühl sicher. In Efringen-Kirchen holte die CDU 29,6 Prozent der Zweitstimmen, 2021 waren es noch 21,2. Wie es die AfD auf rund 20 Prozent im Land schaffe, wundere ihn, denn diese Partei sei letztlich keine Alternative.

AfD mit Grünen in Kleinkems fast gleichauf

Das Ergebnis der AfD gerade in Efringen-Kirchen, schockiere sie, meinte Anja Schaffhauser (Grüne). „In Kleinkems liegen sie quasi mit uns gleichauf“, hält sie fest – 26,5 Grüne und 24,5 AfD in Kleinkems. Letztendlich überwiegt aber die Freude über das Ergebnis der Grünen: „Es ist super für uns , dass wir es wieder geschafft haben.

Bis zum Wahltag immer wieder zugelegt

Dass es Sarah Hagmann auch schafft, davon konnte keiner ausgehen.“ 26,1 Prozent bei den Erststimmen, 30,3 bei den Zweitstimmen – vor fünf Jahren waren es noch 35,9 Prozent. Schaffhauser lässt nicht gelten, dass man verloren habe. Vor Wochen sei die Partei bei 20 Prozent gesehen worden. Das noch so aufzuholen sei unglaublich. Cem Özdemir werde sicher programmatische Politik machen. Schaffhauser hofft, dass dies die AfD-Erfolge wieder schrumpfen lässt.