Denkt weit in die Zukunft: Moritz Rothacher tritt für die Klimaliste BW an. Foto: Müller

Moritz Rothacher tritt für die neue Partei Klimaliste BW an. Konkrete Maßnahmen fordern.

Moritz Rothacher tritt für die Klimaliste bei der Landtagswahl am 14. März an. Was den 18-Jährigen motiviert, sich im Landtag für das Klimaziel einzusetzen?

Zollernalbkreis/Albstadt - Er ist das Nesthäkchen im Kreis der Bewerber bei der Landtagswahl am 14. März. Moritz Rothacher aus Albstadt ist 18 Jahre alt und tritt für die im September 2020 gegründete Klimaliste BW an. Hinter ihm steckt ein schlauer Kopf, der für das 1,5-Grad-Ziel kämpft.

Moritz Rothacher war 17 Jahre alt, als er Mitglied in der jungen Partei Klimaliste Baden-Württemberg wurde. Da er das erste Mitglied im Wahlkreis Balingen war, sei im Herbst 2020 natürlich auch im Raum gestanden, ob er sich eine Kandidatur bei der Landtagswahl vorstellen könne. Gesagt, getan: Moritz Rothacher wurde im Dezember 18 Jahre alt und steht am 14. März als Kandidat für die Klimaliste BW auf dem Wahlzettel im Wahlkreis Balingen.

Im Frühjahr 2020 hat Rothacher sein Abitur am Uhlandgymnasium in Tübingen gemacht. Das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist in der grünen Universitätsstadt bekanntlich in aller Munde. Seine Pläne, nach dem Abitur erst einmal Auslandserfahrung zu sammeln, fielen aus bekannten Gründen ins Wasser. "Ich wollte mich aber dennoch in die Gesellschaft einbringen", sagt Rothacher. Er befasste sich intensiv mit Politik und sympathisierte immer mehr mit dem Programm der Klimaliste.

"Klimaschutz ist ein Thema, das an Dringlichkeit kaum zu überbieten ist", findet der Lautlinger. "Je früher man handelt, desto besser sind die Chancen, das Ruder doch noch herumzureißen."

Aber warum nicht die Grünen, wo diese sich doch auch Umwelt- und Klimathemen auf die Fahnen geschrieben haben? "Die Grüne Landesregierung tut meiner Meinung nach zu wenig für das Klima und verfolgt vielmehr wirtschaftliche Interessen", so Rothacher. Natürlich sympathisiert die junge Partei mit den etablierten Grünen, doch in Sachen Klimaschutz habe die Landesregierung oft enttäuscht.

Allerdings habe man sich auch parteiintern Gedanken gemacht, ob die Klimaliste den Grünen nicht Stimmen wegnehme, die wichtig für den Wahlsieg sein könnten.

Das Ziel ist dasselbe - die Wege divergieren

Zwar setze man sich gemeinsam für das Ziel, die Erderwärmung bis 2035 auf 1,5 Grad zu reduzieren, doch in Rothachers Augen fehlen bei den Grünen die konkreten Maßnahmen, welche die Klimaliste aber servieren möchte. Die Klimaliste, die in Baden-Württemberg im September 2020 gegründet wurde, verfolge konkrete Ziele wie den Stopp der Neuzulassung von Verbrennungsmotoren, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und erneuerbarer Energien. Auch Klimagerechtigkeit sei ein Thema.

Rothacher ist klar, dass das Ziel, den Klimawandel auszubremsen, wirtschaftliche Entbehrung bedeutet. Wobei er da differenziert: Andere Wirtschaftszweige wie alternative Energien würden an Aufwind gewinnen, alteingesessene Firmen der Automobilbranche aber zum Umdenken gezwungen werden.

Investitionen in Klimaschutz tragen laut Rothacher irgendwann Früchte – nur oftmals zeitversetzt. Es müsse in die Zukunft investiert werden, um am Ende zu sparen. Denn die Auswirkungen und Folgekosten des Klimawandels müssten früher oder später teuer bezahlt werden.

"Wir müssen Klimaschutz zur Priorität machen und Kompromisse für die Wirtschaft finden", ergänzt Rothacher. Er fordert ein Umdenken in allen Lebensbereichen. "Das ist natürlich mit Aufwand verbunden, aber da muss man mutig vorangehen", erklärt der angehende Student. Den Vorteil in seinem recht jungen Alter sieht er darin, dass er die konservative Angst vor Wandel nicht in sich trägt: "Ich mache mir Gedanken, wie die Welt aussieht, wenn ich einmal alt bin", sagt der 18-Jährige. Aufgrund seines jungen Alters ist er gezwungen, weiter in die Zukunft zu blicken als ältere Wettstreiter. "Ich habe eine große Verantwortung für meine eigene Zukunft und die meiner Altersgenossen", betont der 18-Jährige.

Obwohl die Klimaliste BW eine Ein-Themen-Partei ist, könne sie auch in anderen Themenbereichen durchaus mitmischen. "Wir schauen, was im jeweiligen Bereich für das Klima getan werden kann", erklärt der Landtagskandidat. Rothacher ist Realist: Die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken, damit die Klimaliste in den Landtag einzieht, ist das Ziel. Im Landesgremium wolle man dann nicht gegen die Grünen arbeiten, wohl aber die wissenschaftlich basierte Stimme des Klimas sein und auf Handeln pochen.

"Nur mit der Wirtschaft funktioniert es"

Wer Rothacher nun vorwirft, die Wirtschaft ganz außer Acht zu lassen, irrt. Ab Herbst möchte der Abiturient studieren – am liebsten Wirtschaftspolitik. "Die Energiewende kann ohne Wirtschaft nicht funktionieren", erklärt er. Die Frage sei das Wie.

Bereits im zarten Alter von 13 Jahren war Rothacher mit Hilfe seiner Eltern unter die Unternehmer gegangen. Nebenher kümmert er sich um sein Startup, das sich um Rothachers Erfindung, das "Hefterheft" dreht. Damit hat er bereits Erfahrungen gesammelt, wie Wirtschaft und Nachhaltigkeit erfolgreich zusammenwirken können.

Vertreter von zwölf Parteien sowie ein Einzelkämpfer treten bei der Landtagswahl im Wahlkreis 63 Balingen an. Wir stellen die Bewerber in einer losen Reihe vor.

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