Die Landtagswahl am 8. März naht. Welche Lösung sehen die Kandidaten im Wahlkreis 53 Rottweil in Sachen Fachkräfte- und Ärztemangel? Hier die Antworten.
Fachkräftemangel, Ärztemangel - der ländlich geprägte Landkreis hat einen Standort-Nachteil. Wie kann das Problem konkret angepackt werden? Das sagen die Kandidaten dazu.
Artur Eichin (DIE GRÜNEN): Gegen Fach- und Ärztemangel helfen attraktive Rahmenbedingungen: bezahlbarer Wohnraum, gute Kinderbetreuung, schnelle Anerkennung ausländischer Abschlüsse und moderne Versorgungsmodelle wie Gemeinschaftspraxen oder Telemedizin. Weiterbildung im Betrieb und gezielte Nachwuchsförderung stärken die Region dauerhaft.
Stefan Teufel (CDU): Die wohnortnahe medizinische Versorgung bei uns bleibt Daueraufgabe. Landesweit eingeführt ist die Landarztquote. Wir bauen die Telemedizin aus, stärken unsere Kliniken und sorgen für eine bessere Verzahnung ambulanter und stationärer Angebote. Unsere Region hat Zukunft – mit der Wahlfreiheit der Betreuungsmöglichkeit für Familien, mehr Wohnraum durch Abbau von Regulierungen und finanziellen Unterstützungen und dem Ausbau der Mobilitäts- und Digitalinfrastruktur.
Ali Zarabi (SPD): Der Fachkräfte- und Ärztemangel im ländlichen Raum erfordert entschlossenes Handeln. Die Landesregierung muss Anerkennungs- und Genehmigungsverfahren für ausländische Fachkräfte deutlich beschleunigen, damit qualifizierte Menschen schneller bei uns arbeiten können. Zudem ist es wichtig, mehr Medizinstudienplätze bereitzustellen. Gleichzeitig muss die Kassenärztliche Vereinigung Kassensitze im ländlichen Raum zügig nachbesetzen und Anreize für Niederlassungen schaffen.
Daniel Karrais (FDP): Wir brauchen Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, nicht in die Sozialsysteme. Zu oft wird Arbeitsaufnahme behindert. Eine Landesagentur für Fachkräftezuwanderung kann konkret Kontakte in den Kreis vermitteln und komplizierte Einreiseformalitäten erledigen. Den Ärztemangel bekämpfen wir mit der Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums im Kreis, wofür ich mich erfolgreich eingesetzt habe. Mit mehr Studienplätzen und einem Landarztprogramm holen wir Ärzte zu uns.
Emil Sänze (AfD): Der Fachkräfte- und Ärztemangel im ländlichen Raum ist das Ergebnis jahrelanger Fehlsteuerung. Statt immer neuer Programme braucht es endlich eine Politik, die regionale Verantwortung stärkt und klare Prioritäten setzt. Entscheidend ist, junge Menschen vor Ort auszubilden und zu halten – durch mehr Ausbildungsplätze, verbindliche Landarztmodelle und eine Entlastung von Bürokratie, die viele Fachkräfte aus den Berufen drängt. Gleichzeitig müssen die Lebensbedingungen verbessert werden.
Daniel Hettich (Linke): Das betrifft nicht nur den Wahlkreis sondern das ganze Bundesland. Unternehmen müssen ausreichend ausbilden, und wenn nicht in eine Umlage einzahlen, die zur Ausbildung von Fachkräften genutzt wird. Bildungs- und Universitätswesen sind massiv unterfinanziert. Mehr Bildung und bessere Unis bedeutet mehr Fachkräfte und Ärzte. Mehr Hausärzte und Hausärztinnen durch Anreize und/oder mobile Gesundheitsstationen attraktiv machen. Langfristig eine Rückführung in staatliche Hand.
Marius Dettki (Volt): Durch eine erleichterte Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Stärkung der beruflichen Bildung durch überbetriebliche Ausbildung, modulare Weiterbildung, wollen wir dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Durch Digitalisierung und mehr Effizienz wollen wir Ärzte entlasten, um ihnen mehr Raum für ihre Kernaufgaben zu geben und ihre Rahmenbedingungen grundsätzlich zu verbessern.
Karl-Heinz Eith (BSW): Einen Standort-Nachteil sehe ich nicht Kreis-spezifisch. Was uns die nächsten Jahre eher treibt, sind die teuren fossilen Energien, die strategisch ungünstig eingekauft werden und unsere Wirtschaft stark belastet. Wenn die Wirtschaft gut läuft, werden wir unsere Fachkräfte selber ausbilden können. Damit erreichen wir einen hohen Qualifizierungsgrad, der sich am Bedarf orientiert. Bei dem Ärztemangel ist es ähnlich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden mehr Ärzte ausgebildet.
Matthias Schultz (WerteUnion): Arbeiten muss sich wieder lohnen. Wir müssen unseren Fachkräften Wertschätzung und Ertragschancen anstatt Einschränkungen und Bürokratie bieten. Anfängliche Steuererleichterungen und zinsgünstige Darlehen für den Einstieg wären eine zu prüfende Option.
Info
Für die Kandidaten galt die die Herausforderung, ihre Antworten innerhalb einer maximalen Längenvorgabe kurz und knackig auf den Punkt zu bringen. Längere Ausführungen darüber hinaus konnten nicht berücksichtigt werden. Es gibt elf zugelassene Kandidaten im Wahlkreis 53 Rottweil. ÖDP und Bündnis C haben innerhalb der Frist nicht geantwortet.