Junge Leute in Weil am Rhein dürfen bei der baden-württembergischen Landtagswahl ihre Stimme abgeben. Foto: Icsilviu/Pixabay

Ab 16 Jahren dürfen Jugendliche in Baden-Württemberg an der Landtagswahl teilnehmen. Wir haben nachgefragt: Was ist ihnen wichtig? Wo informieren sie sich?

Junge Wähler, zumindest jene, die bereit waren, sich unserer Zeitung gegenüber zu äußern, informieren sich gewissenhaft und machen sich ihre Entscheidung nicht leicht. Über Politik wird gesprochen, in der Schule, zu Hause und mit Freunden. So lauten die Statements junger Erstwähler aus Weil am Rhein und dem Rebland:

 

Marita,16, Huttingen: „Für mich als Erstwählerin spielen vor allem Themen wie Bildung, wirtschaftliche Stabilität, die Verbesserung der Infrastruktur, zum Beispiel sanierungsbedürftige Schulen, marode Schwimmbäder sowie der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes und allgemein gute Zukunftschancen eine große Rolle.

Ich denke, ein großes Problem ist, dass manche Menschen sich vor den Wahlen nicht genügend über die verschiedenen Parteien und deren Wahlprogramme informieren.

Momentan habe ich noch keine klare Präferenz für die Wahl. Mir ist jedoch bewusst geworden, dass ich keine extremen Parteien, weder links noch rechts, unterstützen möchte.“

„Meine Informationsquellen sind größtenteils Nachrichten und das Internet, jedoch auch Gespräche und Diskussionen mit Menschen aus meinem Umfeld.

Sofia, 16, Weil am Rhein: „Für mich ist es besonders wichtig, über die Parteien und deren Ziele genau informiert zu sein, durch Schule oder die Parteiprogramme. Wie man bei der Wahl vorgeht, weiß ich natürlich auch. Ich fand es sehr gut, in der neunten Klasse über das Wählen aufgeklärt worden zu sein.

Wie wählen geht, das wissen junge Leute aus der Schule

Meiner Meinung nach ist es aber kritisch zu sehen, dass viele junge Wähler*innen sich über die Parteien in den sozialen Medien informieren. Viele Parteien betonen in den sozialen Medien nur die, meistens für Jugendliche, verlockenden „Änderungen”, die vorgenommen werden sollten, um ihre Stimmen zu sichern. Doch ich finde es problematisch, wenn sich Erstwähler nur daran orientieren, da viele „Schattenseiten” in diesen Medien eben nicht ans Licht gebracht werden.

Der Landtag in Stuttgart (im Hintergrund). Wer dort Platz nimmt bestimmen bei der Wahl am Sonntag auch junge Leute ab 16 Jahren mit. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Ich persönlich halte die Bundeszentrale für politische Bildung für sehr geeignet, um über die Wahlen im Allgemeinen und über die Parteien etwas mehr zu erfahren. Dort sind die Informationen – im Gegensatz zu den sozialen Medien – neutraler.

Wichtig für die Erstwähler ist also, aufgeklärt zu sein. Jede Stimme zählt.

Besonders wichtig für mich ist noch, dass Wahlen geheim sind. Ich sage nur ungern meine Favoriten, da ich einfach finde, dass niemand, genau wie ich, von anderen beeinflusst werden sollte.“

Rawan Farkouh, 18, Weil am Rhein: Als Erstwählerin sind mir vor allem Bildung, Jugendbeteiligung und soziale Gerechtigkeit wichtig. Ich finde, junge Menschen sollten nicht nur gehört, sondern wirklich ernst genommen werden – besonders bei Entscheidungen, die unsere Zukunft betreffen. Außerdem beschäftigen mich Themen wie Chancengleichheit, Integration und bezahlbarer Wohnraum.

„Entscheidungen gehen oft an der Lebensrealität vorbei“

Ein Problem, das ich sehe, ist, dass politische Entscheidungen oft an der Lebensrealität von Jugendlichen vorbeigehen. Viele fühlen sich nicht ausreichend vertreten oder informiert. Gerade auf kommunaler Ebene merkt man, wie wichtig es ist, dass Politik nah an den Menschen ist und ihre Anliegen direkt aufgreift.

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg sind in diesem Jahr zum ersten Mal zwei Stimmen abzugeben. Foto: Marijan Murat/dpa

Konkrete Favoriten möchte ich öffentlich nicht nennen, aber mir ist wichtig, dass die Parteien und Kandidierenden authentisch sind, Verantwortung übernehmen und sich glaubwürdig für junge Menschen einsetzen – sowohl im Gemeinderat als auch auf Landesebene.

Ich informiere mich über Nachrichtenportale, Social Media, Diskussionen im persönlichen Umfeld und durch mein Engagement im Jugendparlament. Der direkte Austausch und das Mitgestalten sind für mich besonders wertvoll.“