Am 8. März wird der Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Das beschäftigt die Vertreter der politischen Parteien auch in Weil am Rhein. Foto: dpa

Plakate kleben, Flyer verteilen, den eigenen Landtags-Kandidaten bei Veranstaltungen unterstützen: Für die Weiler Parteien gibt es viel zu tun im Landtagswahlkampf.

Mit zwei großen Auftaktveranstaltungen in Weil am Rhein beginnt am Sonntag der Landtagswahlkampf. Wie sich die Parteien darauf vorbereiten, haben wir deren örtliche Vertreter gefragt.

 

SPD:„Wir wollen unabhängig vom Wahlkampf für die Menschen erreichbar sein“, sagt deren Ortsvereinsvorsitzende Stefan Reinelt.

So war auch der SPD-Stand am vergangenen Samstag als „niederschwelliges Kontaktangebot“ gedacht.

Es gehe darum, Input zu sammeln unter dem Motto: „Wo hakt’s?“ Als wichtige Themen in Weil nennt er das Wohnen und die Kinderbetreuung. Beides stelle Familien vor große Schwierigkeiten.

Kostenlose Kitas und attraktiver Erzieherberuf

Die SPD setzt sich für kostenlose Kitas ein. Um Personal zu gewinnen, müsse der Erzieherberuf attraktiver werden, führt Reinelt aus. Dabei spiele die Wohnungsfrage eine wichtige Rolle. Seine Idee: den Erzieherinnen Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Wichtig sind der SPD auch der Bau von Bushaltestellen, die Begrünung sowie Sicherheit und Sauberkeit.

Für den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Stefan Reinelt spielt die Wohnungsfrage eine wichtige Rolle. Foto: Sonnenbild Weil am Rhein

Bei der Landtagswahl sehen sich die Weiler Genossen als Vermittler zwischen den Akteuren in der Stadt und dem SPD-Landtagskandidaten Jonas Hoffmann. Die Leute zusammenbringen, zuhören – dies haben die SPD-Mitglieder im Wahlkampf vor.

SPD unterstützt eigenen Spitzenkandidaten

Reinelts Favorit für den Posten des Ministerpräsidenten ist der Spitzenkandidat der SPD, Andreas Stoch.

AfD: Der AfD-Stadtverband Weil am Rhein ist am Sonntag, 25. Januar, ab 16 Uhr, in der Festhalle Haltingen, Gastgeberin für den kreisweiten Wahlkampfauftakt der Partei. Dort wird der Landtagskandidat Wolfgang Koch vorgestellt.

Verbesserungen für Familien

In Weil am Rhein setzt sich die AfD laut einem Schreiben der Stadtverbandsvorsitzenden Andrea Ufer für folgende Ziele ein: Ambulante Versorgung und Notfallversorgung, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Schaffen familienfreundlichen Wohnraums.

Bedingung für den Besuch der Grundschule sind Deutschkenntnisse, findet die Weiler Stadtverbandsvorsitzende der AfD, Andra Ufer. Foto: zVg/AfD

Auf die Grundschule soll besonderes Augenmerk gerichtet werden: „Voraussetzung für den Besuch der Grundschule sind Deutschkenntnisse, die zur Teilnahme am Unterricht befähigen“, so Ufer. Die AfD lehne Politik ab, die auf Klimaschutz abziele.

Klimaschutz-Politik wird abgelehnt

Der Schwerpunkt werde auf Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel gelegt. Wahlkampfstände seien samstags am Kaufring oder auf dem Europaplatz geplant. Dabei werde der Stadtverband von vielen Helfern unterstützt.

CDU: Vorrangiges Ziel der Weiler CDU sei, mit Manuel Hagel den nächsten Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg zu stellen, erklärt der Weiler CDU-Ortsverbandsvorsitzende Günter Dußmann. „Er ist jung, dynamisch und hat Biss“, unterstreicht er.

„Jung, dynamisch und mit Biss“

Auch die CDU veranstaltet ihren landkreisweiten Wahlkampfauftakt in Weil am Rhein: am Sonntag, 25. Januar, ab 14 Uhr, in der Mehrzweckhalle Ötlingen. Eingeladen hat sie dazu einen besonderen Gast: den Bundesminister für besondere Aufgaben und Kanzleramtschef Thorsten Frei.

Stärkung der Wirtschaft

Inhaltlich setzt sich die CDU für eine Stärkung der Wirtschaft als Grundlage für kommunales Handeln und für Sicherheit und Ordnung ein. Letzteres zeige sich bereits im Umgang mit illegaler Migration und mehr Polizeipräsenz, erläutert Dußmann. Als weiteres Thema nennt Dußmann Bildung und frühe Betreuung.

Günter Dußmann von der CDU ist zuversichtlich, den nächsten Ministerpräsidenten zu stellen. Foto: Christina Schröder

Die CDU setze sich für ein verpflichtendes Kita-Jahr ein. Ziel sei, erst Deutsch zu lernen, um dann die erste Klasse besuchen zu können.

Für „schlankere Bürokratie“

Nicht zuletzt wolle die CDU bei Landespolizei, Justiz und Verwaltung für eine „schlankere“ Bürokratie sorgen. Mit Wahlkampfständen werde der CDU-Landtagskandidat Peter Schelshorn unterstützt, man biete ihm Begleitung an, wo er diese benötige. Ein Themenschwerpunkt soll auf dem Kreisklinikum liegen.

Bündnis90/Die Grünen: Ab dem 31. Januar werden die Weiler Grünen jeden Samstag bei Wahlständen am Kaufring, drei Mal auch am Berliner Platz anzutreffen sein, informiert Ulrike Fröhlich, die sich mit Martin Fischer den Vorsitz des Grünen-Ortsverbands teilt. Druckfrische Flyer und Türanhänger mit dem Spitzenkandidaten Cem Özdemir haben sie gerade zugesandt bekommen. Nun könne es losgehen, freuen sich die beiden.

Mit motivierten Neumitgliedern gestalten die Grünen den Wahlkampf, sagt Grünen-Vorsitzende Ulrike Fröhlich. Foto: Andreas Sütterlin

Die Grünen hatten 2025 einen starken Aufschwung bei der Mitgliederzahl erlebt. Alle Neumitglieder würden sich gern im Wahlkampf einbringen.

Klimaschutz und Radwege

Martin Fischer nennt als wichtigste Anliegen neben Klimaschutz und Klimaresilienz sowie dem Ausbau der Fahrradwege „Themen, welche die grüne Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann besetzt“: Schulen, Kindergärten, Wirtschaftsförderung und Verkehr.

„Jeder lebt in seiner Bubble“

Ein weiteres Ziel sei, das Bauen zu erleichtern. Sorgen macht den beiden Grünen-Vorsitzenden die Spaltung der Gesellschaft. „Jeder lebt in seiner Bubble“, hält Fröhlich kritisch fest.

„Das brennende Thema Klimaschutz geht komplett unter“, hadert der Weiler Grünen-Co-Vorsitzende Martin Fischer. Foto: Andreas Sütterlin

Enttäuscht sind sie vom Ausstieg der Stadt Weil am Rhein bei den Vorplanungen der Kandertal-S-Bahn: „Wir waren entsetzt, dass wir uns nicht an der Studie beteiligen, weil nicht genug Geld da ist. Die Studie hätte sein müssen“, sagt Fischer.

FDP: Mit Infoständen am Wochenmarkt, offenen Bürgerrunden mit Anwohnern und Unternehmern sowie gezielten Digitalkampagnen will die FDP Weil am Rhein mit den Bürgern in Kontakt treten.

Ressourcen für den Wahlkampf bündeln

„Neben unserem Spitzenkandidaten Hans-Ulrich Rülke unterstützen wir im Wahlkreis Lörrach unseren Direktkandidaten Felix Düster, der unsere Grenzregion aus eigener Erfahrung sehr gut kennt“, sagt der Ortsverbandsvorsitzende Taylan Kahraman.

Die FDP unterstützt ihren Direktkandidaten Felix Düster, sagt Ortsverbandsvorsitzender Taylan Kahraman. Foto: Foto Santos

Bei der Landtagswahl 2021 sei der Gastronom Düster besonders bei jungen Wählern beliebt gewesen. Organisatorisch habe die FDP das Wahlkampfteam beim Kreisverband Lörrach gebündelt, um Ressourcen effizient zu nutzen, erklärt Kahraman.

Cybersicherheit und Grenzkontrollen

Inhaltlich nennt Kahraman folgende Schwerpunktthemen der FDP: den Einsatz für einen Durchstich unter der Bahnlinie hindurch nach Friedlingen, Cybersicherheit, rechtssichere Grenzkontrollen, ohne Handel und Pendler unnötig zu behindern, den bedarfsgerechter Ausbau der Kitas, damit Familie und Beruf besser vereinbar sind, mehr Polizei und Sicherheit sowie ​ solide Finanzen.

Im Einzelnen bedeute dies die Priorisierung von Projekten nach Wichtigkeit und Bezahlbarkeit, keine Schulden für nachfolgende Generationen sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern auch durch Reduzierung der Bürokratie, führt Kahraman aus.