Starke Zugewinne für die CDU, orkanartiger Aufwind für die AfD, herbe Verluste für Grüne und SPD und ein Debakel für die FDP – so hat St. Georgen gewählt.
Spannend wurde es am Sonntagabend, kurz nachdem die Wahllokale geschlossen hatten, in der Bergstadt: Um 18.29 Uhr trudelte die erste Meldung aus dem Landkreis Villingen-Schwenningen ein – und zwar aus dem Rathaus Oberkirnach. Damit begann vor allem für CDU, Grüne und AfD ein Kopf-an-Kopf-Rennen – weniger als fünf Prozentpunkte trennten die drei Parteien zeitweise bei der Erststimme, noch kleiner war der Abstand teils bei der Zweitstimme. Lange Zeit war nicht absehbar, wie deutlich sich Andreas Braun und die Christdemokraten letztlich durchsetzen würden.
Doch um 20.06 Uhr stand es dann fest: Wie im gesamten Wahlkreis entschied CDU-Kandidat Andreas Braun auch in der Bergstadt die Wahl für sich. Er erhielt 1905 Erststimmen, was 31,1 Prozent entspricht – und damit gleichzeitig dem klar höchsten Anteil aller Kandidaten. Auch bei der Zweitstimme hatten die Christdemokraten die Nase vorn – wenn auch nicht mit so großem Abstand wie bei der Erststimme: Mit 28,9 Prozent ließ die CDU die weiteren Parteien hinter sich.
Im Vergleich zur jüngsten Landtagswahl eine ganz klare Trendwende an der Spitze: 2021 hatte die seit 2016 amtierende Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun noch 37,2 Prozent der Stimmen – damals hatte es bei der Landtagswahl noch keine Erst- und Zweitstimme gegeben – auf sich vereint. Der damalige CDU-Kandidat Raphael Rabe war mit einem Stimmenanteil von 20,4 Prozent mit deutlichem Abstand auf Platz zwei gelandet.
Nunmehr gehörte Martina Braun in der Bergstadt nur der zweite Platz. Sie brachte es am Ende auf 1713 Erststimmen – und damit 27,9 Prozent. Damit landete sie zwar nur ein paar Prozentpunkte hinter Andreas Braun, schnitt aber weitaus schlechter ab als noch vor fünf Jahren. Und auch das Ergebnis der Zweitstimme ist für die Grünen kein Grund zur Freude: Mit 26,9 Prozent fiel es sogar noch etwas schlechter aus als Martina Brauns Erststimmen-Ergebnis.
Ergebnis der AfD schießt in die Höhe
Drittstärkste Kraft wurde bei der Wahl am Sonntag in St. Georgen die AfD. Kandidat Martin Rothweiler vereinte 22,4 Prozent der Erststimmen auf sich. Insgesamt 1374 Wähler stimmten für ihn. Im Jahr 2021 hatten Rothweiler und die AfD in St. Georgen noch gerade einmal 9,2 Prozent der Stimmen erhalten. Damit vervielfachte der AfD-Kandidat seine Stimmenzahl innerhalb von fünf Jahren. Und der Rechtsruck in der Bergstadt machte sich auch bei der Zweitstimme bemerkbar: Da kam die AfD auf 21,3 Prozent. Wobei der Vergleich zeigt: Durchschnittlich erhielt die AfD im Wahlkreis noch mehr Zuspruch.
Steil bergab ging es im Vergleich zur vorangegangenen Landtagswahl nicht nur für die Grünen. Auch FDP und SPD mussten Federn lassen. Bei den Sozialdemokraten hielten sich die Verluste noch im Rahmen. Auf SPD-Kandidat Nicola Schurr entfielen am Ende 9,4 Prozent der Erststimmen. Schlechter schnitt die Partei bei den Zweitstimmen ab: Nur 6,9 Prozent der Wähler setzten ihr Zweitstimmen-Kreuzchen bei den Sozialdemokraten. Vor fünf Jahren hatte die Partei noch 9,8 Prozent der Wählerstimmen erhalten.
Für die Liberalen geht es steil bergab
Herbe Verluste im Vergleich zur vorangegangenen Landtagswahl musste die FDP einstecken. Hatten die Liberalen sich 2021 in der Bergstadt noch 12,2 Prozent der Stimmen geholt, blieben sie nunmehr sowohl bei Erst- als auch bei Zweitstimme weit weg vom zweistelligen Bereich. Nur 5,3 Prozent der Erststimmen entfielen in der Bergstadt auf FDP-Kandidat Dirk Eisenbiegler. Bei der Zweitstimme sprachen sogar nur 4,0 Prozent der Wähler den Liberalen ihr Vertrauen aus.
Die Linke sicherte sich Kandidatin Karlikli Aynur 3,9 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen schaffte es die Linke in St. Georgen auf 3,5 Prozent. Die Freien Wähler erhielten 2,8 Prozent der Zweitstimmen, die Partei Volt 1,3 Prozent. Beide hatten keinen Kandidaten im Wahlkreis. Weitere Parteien erhielten maximal ein Prozent der Zweitstimmen.
Leichter Aufwärtstrend in Sachen Wahlbeteiligung
Insgesamt hatten am Sonntag – oder vorab per Briefwahl – 6216 St. Georgener ihre zwei Stimmen für die Landtagswahl abgegeben. Das entspricht bei 8932 Wahlberechtigten einer Wahlbeteiligung von 69,6 Prozent – eine Steigerung im Vergleich zur vorangegangenen Landtagswahl 2021. Damals hatte die Wahlbeteiligung bei 62,5 Prozent gelegen.