Die Plakat-Prognose in der Schadenweiler Straße hat das kreisweite Ergebnis korrekt vorhergesagt: Lede Abal übertrumpft Diana Arnold. In Rottenburg ist es anders herum. Foto: Carolin Albers

Wie im landesweiten Trend legt die CDU auch in Rottenburg zu. Aber am Ende bleiben die Grünen knapp auf dem ersten Platz. Die AfD fällt hinter ihr Bundestags-Ergebnis zurück.

Rottenburg hat eine Stimmenkönigin, und zwar eine doppelte. Diana Arnold hat schon bei der Gemeinderatswahl vor zwei Jahren ein sensationelles Ergebnis erzielt. Und nun hat die 43-jährige Christdemokratin die Stadt auch bei der Landtagswahl erobert. Mit rund 39 Prozent der Erststimmen deklassierte sie ihren grünen Konkurrenten Daniel Lede Abal, der nur auf 25 Prozent kam.

 

Nur in drei Wahlbezirken (alle in der Kernstadt) lag Lede Abal vorn, die anderen 27 Bezirke gingen an Arnold. Ein deutlicher persönlicher Vertrauensbeweis für die 43-jährige Polizistin, die in Rottenburg als CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat und als Oberndorfer Ortsvorsteherin bekannt ist. Allerdings erzielte sie ausgerechnet in ihrem Heimatdorf nur ein relativ schwaches Ergebnis. Auf Wahlkreis-Ebene konnte Arnold das grüne Übergewicht in der Stadt Tübingen aber nicht wettmachen.

Stadt-Land-Gefälle Arnolds persönliches Ergebnis ist damit in Rottenburg deutlich besser als das ihrer Partei. Denn in der traditionell „schwarzen“ Bischofsstadt landete die CDU erneut nur auf dem zweiten Platz. Bei der Landtagswahl 2021 hatten die Grünen in Rottenburg erstmals die Mehrheit gewonnen.

Bei der Kommunalwahl 2024 und bei der Bundestagswahl 2025 lag dann wieder die CDU deutlich vorn – und durfte auch für die diesjährige Landtagswahl hoffen, die Rottenburger Schmach von 2021 auszubügeln.

Führungsposition wechselt hin und her

Doch dazu ist es nicht gekommen. Während der Auszählung am Sonntagabend wechselte die Führungsposition bei den Zweitstimmen zwischen den beiden Parteien mehrfach hin und her – je nachdem, welche Bezirksergebnisse gerade im Rathaus eintrudelten.

Am Ende lagen die Grünen in Gesamt-Rottenburg hauchdünn vorn: ein Prozentpunkt mehr als die CDU. Das Stadt-Land-Gefälle ist geblieben: Die Grünen gewannen sämtliche Kernstadt-Bezirke. In den meisten Ortschaften lag die CDU vorn, nur Bieringen, Hailfingen, Oberndorf, Wendelsheim und Wurmlingen fielen an die Grünen – also auch in mehreren Ortschaften, auf deren Gemarkung Windkraftanlagen geplant sind

CDU siegt bei der Briefwahl Auffällig ist das Ergebnis der Briefwahl, die diesmal fast 40 Prozent der abgegebenen Stimmen ausmachte. Hier führt die CDU vor den Grünen. Die meisten Briefwahl-Stimmzettel dürften bereits vor einer Woche (oder sogar noch früher) eingetütet und abgeschickt worden sein. Zu diesem Zeitpunkt lag die CDU also offenbar noch vorn in der Wählergunst.

AfD schwächer als 2025 Mit klarem Abstand folgt die AfD auf dem dritten Platz. Im Vergleich zu 2021 kann die Partei ihr Ergebnis ungefähr verdoppeln, auf jetzt 18 Prozent. In vielen Ortschaften ist die AfD auf Augenhöhe mit CDU und Grünen, allerdings erreicht sie nirgends den ersten Platz. In der Kernstadt bleibt die AfD fast überall unter 20 Prozent. Im Kreuzerfeld (Bezirk Grundschule) allerdings erringt ihre Direktkandidatin Anna Schneider einen symbolischen Erststimmensieg: mit 129 Stimmen zu 127 Stimmen für Daniel Lede Abal.

SPD, FDP und Linke bleiben in Rottenburg einstellig. Verglichen mit 2021 sind die Zweitstimmen-Ergebnisse von SPD und FDP halbiert, ähnlich wie auf Landes-Ebene. Die SPD erzielt ihr bestes Ergebnis am Dätzweg: 7 Prozent. Dagegen legt die Linke auch in Rottenburg leicht zu – und übertrifft bei den Zweitstimmen sogar die SPD. Im Wahllokal Zehntscheuer kommt die Linke sogar auf 10,5 Prozent.