Freut sich über das Votum der Wähler: Sarah Hagmann wird den Wahlkreis Lörrach auch zukünftig im Landtag von Baden-Württemberg vertreten. Foto: Lena Lux Fotografie

Interview: Sarah Hagmann verteidigt ihr Landtagsmandat. Mit nach Stuttgart nimmt die Gewinnerin des spannenden Wahlabends zahlreiche Aufgaben.

Mit knappen 0,1 Prozentpunkten beziehungsweise 106 Stimmen Vorsprung hat die Grünen-Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann ihr Mandat im Wahlkreis Lörrach verteidigt. Es herrschte Spannung pur bei der Stimmenauszählung. Um Punkt 20 Uhr am Sonntagabend nahm Hagmann, die für Josha Frey Anfang 2024 in den Landtag nachgerückt war, nach einer spannenden Aufholjagd die Führungsposition ein. CDU-Mitbewerber Peter Schelshorn unterlag denkbar knapp.

 

Frau Hagmann, wie fühlen Sie sich nach diesem spannenden Wahlkrimi?

Ich fühle Freude, Dankbarkeit und Demut. Im Wahlkreis Lörrach hat sich gezeigt, wie sehr jede Stimme zählt und wie wichtig der Einsatz im Vorfeld ist. Gleichzeitig bedauere ich es, dass es für Jonas Hoffmann nicht gereicht hat.

Das Ergebnis ist äußerst knapp – ein Wermutstropfen?

Nein, die Freude ist wirklich groß. Man setzt sich ja für seine Partei und die politischen Ziele ein und arbeitet mit Herzblut auf das Ergebnis hin.

Wie haben Sie den Wahlkampfendspurt erlebt?

Es war ein Hoffen, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Bereits Ende Januar ging es für uns Grüne bergauf – mit dem Beginn der Kampagne war schon ein erster Trend zu erkennen, der sich im weiteren Verlauf immer deutlicher abgezeichnet hat. Deswegen war ich gerade in den letzten Tag sehr gespannt. Wir haben noch am Samstag Haustürwahlkampf gemacht.

Dennoch: Ihre Partei hat auf Landesebene Stimmen eingebüßt. Was hätten die Grünen besser machen können?

Mit Blick auf die Prozentzahl ist der Verlust nicht so extrem groß. Dass wir auf dem hohen Niveau bleiben konnten, freut uns riesig. Ende 2024 gab es noch einen Abstand zur CDU von teils 14 Prozentpunkten. Auf diese Aufholjagd sind wir wirklich stolz. Und: Erstmals kam das neue Wahlrecht zum Tragen. Vom Ergebnis her war das die richtige Kampagne.

Sie sitzen seit Anfang 2024 im Landtag, wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus? Ziele erreicht?

Es war richtig, dass wir bei der großen Bildungsreform den Schwerpunkt auf die frühkindliche Bildung und Sprachförderung gelegt haben. Wenn man das langfristig durchhält, ist das ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit im Land und eine Anerkennung der Tatsache, dass wir eine sehr heterogene Gesellschaft haben. Damit muss man aktiv umgehen. In die frühkindliche Spracherziehung zu investieren, ist richtig viel wert – für die Kinder im Land und für unserer Zukunft.

Ein weiterer Aspekt: Was wirklich gut war, ist die Politik des Gehörtwerdens, die unter Winfried Kretschmann eingeführt wurde. Das trägt zu einer höheren Akzeptanz politischer Entscheidungen bei. Daran müssen wir weiterarbeiten.

Stichwort weiterarbeiten: Welche Aufgaben nehmen Sie mit nach Stuttgart?

Ich nehme die Themen des Wahlkreises mit, der aufgrund seiner Grenzlage ein besonderer ist. In Stuttgart muss immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir in der Südwestecke besondere Voraussetzungen und Gegebenheiten haben. Das wird nicht immer von allen gesehen. Weiter nehme ich mit, dass ich für die Menschen im Wahlkreis eine Ansprechperson bin. Das halte ich eine ganz wichtige Aufgabe.

Gibt es konkrete Themen?

Ja, ich will ich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken. Das halte ich für ein zentrales Querschnittsthema. Wenn wir das gut hinbekommen, werden wir auch andere Aufgaben gut meistern können. Quartiersarbeit ist mir auch wichtig – das ist die Grundlage für eine solidarische und empathische Gesellschaft. Darüber hinaus muss die Wirtschaft mit guten Rahmenbedingungen gestärkt werden – dazu zählen Weiterbildung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bürokratieabbau sowie die Schaffung von Spielräumen für Betriebe und Unternehmen. Wir müssen uns als Gesellschaft und Wirtschaft breit und resilient aufstellen.