Von hinten links im Uhrzeigersinn: Walter Stocker, Uli Schneider, Silvia Alber und Armin Bauer übernahmen die Nachmittagsschicht im Wahllokal in Stetten. Foto: Thomas Kost

Haigerloch hat bei der Landtagswahl am Sonntag klar konservativ-rechts gewählt. Die CDU hat sich dabei in allen Stadtteilen auf Platz eins gesetzt.

Auch wenn es für die Christdemokraten auf Landesebene nicht dafür gereicht hat, die stärkste politische Kraft Baden-Württembergs zu werden, so kann CDU-Kandidatin Nicole Hoffmeister-Kraut mit ihrem am Sonntag in Haigerloch erzielten Ergebnis doch zufrieden sein.​

 

Viel Wahlkampf betrieben

​Mit 44,9 Prozent der Erststimmen lag sie in der Felsenstadt sogar leicht über ihrem Ergebnis im gesamten Wahlkreis 63 Balingen (195 Wahlbezirke), in dem 42,9 Prozent der gültigen Stimmen auf sie entfielen. Auch hinsichtlich der Zweitstimmen hat die CDU im Stadtgebiet besser abgeschnitten als im Wahlkreis. Sie holte in Haigerloch 34,9 Prozent und im Wahlkreis 33,6 Prozent. Und im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren hat die Partei ihr Ergebnis sogar um 0,8 Prozent gesteigert.​

Dass die CDU in keinem Wahlbezirk (auch in keinem der fünf Briefwahlbezirke) Platz eins an die AfD hat abtreten müssen, liegt möglicherweise auch an der starken Präsenz der Wirtschaftsministerin aus Balingen in Haigerloch vor der Wahl. Sie war beim Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbandes in Stetten präsent und hat zwei Wahlkampfveranstaltungen im Gasthaus „Krone“ angeboten.​

AfD verdoppelt Stimmenanteil

​Doch vermutlich darf sich die AfD mit Kandidat Hans-Peter Hörner sogar noch mehr als Sieger fühlen als CDU und Hoffmeister-Kraut. Hörner hat sein Haigerlocher Stimmenergebnis im Vergleich zu 2021 nämlich mehr als verdoppelt. Holten er und seine Partei damals 12,5 Prozent der Stimmen, so gewann der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtags-AfD und ehemalige Hechinger Berufsschullehrer diesmal 25,5 Prozent. ​

Sein bestes Erststimmen-Ergebnis schaffte Hörner in Bad Imnau mit 34,4 Prozent, wo er mit lediglich 0,9 Prozent Differenz der Ministerin ziemlich nahe auf die Pelle rückte. Auch in Gruol (32,7 Prozent) und in Trillfingen (31,8 Prozent) nahm Hörner die 30-Prozent-Hürde. Nahezu identisch (25,8 Prozent) mit Hörners Abschneiden war das Zweitstimmen-Ergebnis der AfD in Haigerloch, was ein Indiz dafür sein könnte, dass die Partei sehr stark über ihren Kandidaten identifiziert wurde.​

Grüne lassen Federn

​Ziemlich genau im Kreisdurchschnitt (14,7 Prozent Erst- ; 22,1 Prozent Zweitstimmen) aber deutlich schlechter als noch bei der Landtagswahl 2021 schnitten die Grünen und ihr Kandidat Maurice Rössler in der Felsenstadt ab. Rössler holte 14,9 Prozent der Erststimmen und die Grünen 21,5 Prozent der Zweitstimmen, was bedeutete, dass Partei und Kandidat in nahezu allen Wahlbezirken in der Wählergunst hinter CDU und AfD auf Platz drei landeten. Mit zwei Ausnahmen: Im Briefwahlbezirk 1 (Haigerloch) sowie im Urnenwahlbezirk Bittelbronn überflügelten die Grünen beim Zweitstimmenergebnis die AfD und schafften Platz zwei. ​

Und die anderen? Sehr überschaubar. Die traditionsreiche Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), ist von der ehemals zweiten politischen Kraft im Städtle zu einer Randerscheinung mutiert. Kandidatin Katja Weiger-Schick aus Nusplingen bekam lediglich 5,2 Prozent der Erststimmen, die Partei nur noch 3,8 Prozent der Zweitstimmen. An der Wahlurne in Bittelbronn fiel sie hinter Die Linke zurück und in Stetten drängte sie sogar das Bündnis Sahra Wagenknecht mit gerade mal 2,6 Prozent Zweitstimmen aus den „Top Sechs“.​

Aber auch die FDP, die mit Albrecht Raible als Kandidat angetreten war, musste Federn lassen. 2021 landete sie noch bei 8,7 Prozent der Stimmen, diesmal holte sie lediglich 4,7 Prozent Erst- und 4,8 Prozent Zweitstimmen. Die 19-jährige Schülerin Elena Krein (Kandidaten der Linken) schnappte sich 3,1 Prozent der Erststimmen und holte für ihr Partei 2,6 Prozent der Zweitstimmen.​

Statistiker mit im Boot

​Und was gibt es sonst noch zur Wahl zu sagen? Nun, dass kleine Wahlforschungsmannschaften von Infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von ARD und ZDF in den Wahllokalen in Stetten und Trillfingen präsent waren. Unmittelbar nach der Wahl konnten Wähler und Wählerinnen anonymisierte Fragebogen ausfüllen. Die Ergebnisse wurden im Laufe des Tages sieben Mal (ARD) beziehungsweise fünf Mal (ZDF) telefonisch oder per WhatsApp weitergemeldet, so dass sie in die Hochrechnungen und Prognosen zur Wahl einfließen konnten.​

Außerdem wohnten sie der Stimmenauszählungen in beiden Rathäusern bei und übermittelten sofort das vorläufige Endergebnis aus beiden Stimmbezirken. Das Ergebnis aus Trillfingen wurde zudem an das Statistische Landesamt weitergeleitet. Aufgrund etwas anderer Wahlzettel kann das Wahlverhalten geschlechter- und altersgruppenspezifisch ausgewertet werden. Anonym.​

Die Haigerlocher Zweitstimmenergebnisse in der Übersicht

Haigerloch (Kernstadt):
AfD 30,6 %; Grüne 26,5 %; CDU 21,5 %; FDP 5,7 %; SPD 5,1 %; Die Linke 3,0 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 33,7 %; Gültige Stimmen: 99,6 %​

Bad Imnau:
AfD 33,2 %; CDU 29,1 %; Grüne 19,1 %, FDP 5,5 %; SPD 3,2 %; Die Linke 3,2 %; Bündnis Sahra Wagenknecht 3,2 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 47,6 %; Gültige Stimmen: 98,2 %​

Bittelbronn:
CDU 31,1 %; Grüne 27,5 %; AfD 26,4 %; FDP 5,5 %; Die Linke 2,9 %; SPD 2,2 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 50,9 %; Gültige Stimmen: 99,3 %.

Gruol:
CDU 35,8 %; AfD 34,8 %; Grüne 13,9 %; FDP 4,7 %; SPD 3,4; BSW 2,4 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 42,7 %; Gültige Stimmen: 99,6 %.

Hart:
CDU 42 %; AfD 26,8 %; Grüne 16,1 %; SPD 4,5 %; FDP 4,5 %; Die Linke 1,8 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 55,9 %; Gültige Stimmen: 100 %.

Owingen:
CDU 36,4 %; AfD 25,3 %; Grüne 19 %; FDP 5 %; SPD 4,8 %; Die Linke 2,1 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 47,8 %; Gültige Stimmen: 99,2 %.

Stetten:
CDU 35,3 %; AfD 29,3 %; Grüne 16,5 %; FDP 5,3 %; Freie Wähler 3,0 %; BSW 2,6 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 43,9 %; Gültige Stimmen insgesamt: 97,8 %.

Trillfingen:
CDU 32,2 %; AfD 31,7 %; Grüne 18,3 %; FDP 4,8 %; SPD 3,7 %; Die Linke 3,5 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 50,1 %; Gültige Stimmen: 99,4 %.

Weildorf:
CDU 35 %; Grüne 24,3 %; AfD 22,9 %; SPD 3,9 %; FDP 3,6 %; BSW 3,2 %. Wahlbeteiligung (nur Urnenwahl): 49,3 %; Gültige Stimmen: 99,6 %.

Briefwahlbezirk 1 (Haigerloch):
CDU 36,1 %, Grüne 29,7 %; AfD 17,7 %; FDP 5,8 %; SPD 3,8 %; Die Linke 1,8 %. Wähler: 501; Gültige Stimmen: 99,4 %.

Briefwahlbezirk 2 (Gruol):
CDU 39,6 %; Grüne 22,4 %; AfD 20,2 %; FDP 4,8 %; SPD 4,2 %; Freie Wähler 2,1 %. Wähler: 332; Gültige Stimmen: 99,7 %.

Briefwahlbezirk 3 (Stetten, Hart):
CDU 39,9 %; AfD 22,9 %; Grüne 18,5 %; FDP 4,4 %; SPD 3,9 %; Freie Wähler 2,5 %. Wähler: 410; Gültige Stimmen: 99 %

Briefwahlbezirk 4 (Owingen, Bad Imnau):
CDU 41,9 %; Grüne 22,5 %; AfD 17,5 %; SPD 5,4 %; Die Linke 3,5 %; Tierschutzpartei 2,2 %. Wähler: 315; Gültige Stimmen: 100 %.

Briefwahlbezirk 5 (Bittelbronn, Trillfingen, Weildorf):
CDU: 37,3 % Grüne 26,2 %; AfD 19,6 %; FDP 4,5 %; Die Linke 3,7 %; SPD 3,5 %. Wähler: 515; Gültige Stimmen 100 %.