CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dörte Conradi und Grünen-Ortsvereinsvorsitzender Christian Burmeister-van Dülmen über das Abschneiden ihrer Direktkandidaten.
Burladingen galt Jahrzehnte als CDU-Hochburg und stellt auch heute noch den stärksten Stadtverband der Partei im Zollernalbkreis. Dem Ergebnis der Landtagswahl vom Sonntag zufolge bleibt die CDU mutmaßlich der (Junior-)Partner der Grünen im Parlament. Das Amt des Ministerpräsidenten dürfte Cem Özdemir bekleiden. Das sah noch vor wenigen Monaten ganz anders aus, die Christdemokraten schienen zur stärksten Kraft zu avancieren, die Grünen abzufallen.
Der Wählerwille hat es anders gewollt. Burladingens Stadtverbandsvorsitzende Dörte Conradi sieht es mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Natürlich bin ich nicht zufrieden und natürlich bedauere ich es, dass die CDU insgesamt nicht stärker abgeschnitten hat. Wir hätten uns für Baden-Württemberg eine CDU-geführte Landesregierung gewünscht.“
Andererseits habe ihre Partei mit landesweit knapp 6 Prozent der Wählerstimmen „deutlich“ zulegen können und liege mit einem Abstand von 0,5 Prozent nur „hauchdünn hinter den Grünen.“ (In der Stadt Burladingen verbesserte sich das Zweitstimmenergebnis von 25,4 Prozent im Jahr 2021 auf jetzt 32,7.)
Ein weiterer Trost – oder Anlass zur Zufriedenheit: CDU-Kandidat Manuel Hagel hat das Direktmandat im Wahlkreis Hechingen-Münsingen zurückerobert. „Gegenüber 2021 legte er im Wahlkreis knapp 14 Prozent der Erststimmen zu und liegt mit 38,5 Prozen rund 38,5 weit vor seiner Mitbewerberin und seinen Mitbewerbern ums Direktmandat. Dies ist eine klare Bestätigung seiner Arbeit und auch Lohn seiner hohen Präsenz im Wahlkreis“, so Conradi.
Das Ergebnis Hailfingers und die 56 CDU-Direktmandate der insgesamt 70 Direktmandate würden klar erkennen lassen, „dass die CDU vor Ort fest verankert ist und großes Vertrauen genießt. Damit haben wir klar an Stärke gewonnen, auch wenn es am Ende nicht ganz gereicht hat, den Ministerpräsidenten zu stellen.“
Spürbare Unzufriedenheit
Das überdurchschnittliche AfD-Ergebnis „in einzelnen Kommunen wie Burladingen“ zeige, „dass es auch bei uns ein spürbares Protest- und Unzufriedenheitspotenzial gibt. Das nehmen wir sehr ernst. Unser Anspruch bleibt, durch konkrete Politik Vertrauen zurückzugewinnen und Probleme pragmatisch zu lösen.“
Die genauere Analyse, so sehen es andere, dürfte die CDU, ebenso wie andere Parteien, noch beschäftigen, nachdem der AfD-Zuwachs mit aus ihrer Stamm-Wählerschaft hervorgegangen ist.
Die Frage, wie sich ein kommendes schwarz-grünes Ministerkabinett personell zusammensetzen könnte, vermochte Conradi nicht zu beantworten. „Das werden die Verhandlungen zeigen.“ Wie sie aber überzeugt ist, werden der CDU-Landesspitzenkandidat weiterhin eine tragende Rolle in der Partei spielen. „Er wird bleiben. Manuel Hagel ist die Zukunft der CDU.“
Herz hüpft im Leibe
Christian Burmeister-van Dülmen, Sprecher und Mit-Vorsitzender der Burladinger Ortsgruppe der Grünen freut sich über das „sensationelle“ Gesamtwahlergebnis. „Das hat mein Herz hüpfen lassen.“ Es war, analysiert er den Erfolg seiner Partei, „ein Personenwahlkampf. Und ich glaube, man hat Manuel Hagel nicht so viel zugetraut, wie Cem Özdemir, der Erfahrung besitzt und im Land bekannt ist.“ Bedauerlich sei der Verlust des Wahlkreis-Direktmandates von Cindy Holmberg, die jedoch über die Landesliste erneut im kommenden Parlament vertreten sein wird. „Darüber bin ich wirklich froh.“ Außerdem zeige das Zeitstimmenergebnis, abseits der Direktmandate, „dass die Politik der Grünen im Land anerkannt ist.“
Burmeister-van Dülmen glaubt das auch am Verhalten der Menschen im zurückliegenden Wahlkampf bemerkt zu haben. „Bei der Bundestagswahl waren die Leute, die zu unseren Infoständen kamen, oft feindlich eingestellt. Das war jetzt ganz anders.“