Die Gemeinde Bisingen verzeichnete bei der Landtagswahl am Sonntag eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent. Foto: Sabine Hegele

Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Gisela Birr nennt das Ergebnis ihrer Partei erschütternd. Die CDU-Ortsvereinsvorsitzende Anne Heller freut sich für Nicole Hoffmeister-Kraut.

„Niederschmetternd“! Mit diesem Wort beschreibt die Bisinger SPD-Ortsvereinsvorsitzende Gisela Birr am Tag nach der Landtagswahl das Abschneiden ihrer Partei – im Land gleichermaßen wie im Kirchspiel.

 

Ob es für sie denn gänzlich überraschend kam? Nein. Zu Beginn der vergangenen Woche habe sie, basierend auch auf den Wahlumfragen, noch auf ein Ergebnis irgendwo zwischen acht und zehn Prozent gehofft.

Aber: Viele potenzielle SPD-Wähler, mit denen sie vor wenigen Tagen noch im Gespräch war, hätten ihr signalisiert, die Grünen wählen zu wollen, um den CDU-Mann Manuel Hagel an der Spitze von Baden-Württemberg zu verhindern.

Eine Persönlichkeitswahl

Cem Özdemir statt Manuel Hagel – das sei in der Meinung vieler beherrschend gewesen. Heißt für Gisela Birr auch: „Am Ende war es eine eindeutige Persönlichkeitswahl.“

Zurück zu den Sozialdemokraten. Wie soll, wie muss die SPD mit ihrem „schockierenden“ Ergebnis umgehen? Was erwartet die Bisinger Ortsvereinsvorsitzende? „Es braucht einen personellen Neuanfang.“ Ohne Andreas Stoch. „Mit altem Personal“, sieht es die Gisela Birr realistisch, „sind wir nicht mehr glaubwürdig“.

„Was haben die denn in ihrem Programm?“

„Erschütternd“ bewertet die Sozialdemokratin auch das in Baden-Württemberg wie in Bisingen sehr starke Abschneiden der AfD. Gleichauf oder besser als die CDU hat die in Teilen der Kommune abgeschnitten. Kann sie sich das erklären? „Nein, das ist für mich ein Rätsel“, sagt sie – und setzt nach: „Was haben die denn in ihrem Programm? Die Zerstörung der EU. Das kann doch wirklich niemand wollen.“

Ein Letztes noch, darauf verweist eine enttäuschte Gisela Birr: „Man stelle sich vor: Wenn die SPD die Fünf-Prozent-Hürde nicht genommen hätte, wäre die AfD im neuen Landtag die einzige Oppositionspartei gewesen.“

Entscheidende 0,5 Prozent

Die CDU-Ortsverbandsvorsitzende Anne Heller sagt dazu: „Dass die SPD den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat, ist wichtig.“ Um die FDP tut es ihr ein bisschen leid, sie weiß aber: „Die Ampelarbeit hat den Liberalen nicht gutgetan.“

Mit großer Freude erfüllt sie als aktive Wahlkampfunterstützerin das sehr gute Ergebnis für ihre Spitzenkandidatin (und amtierende Wirtschaftsministerin) Nicole Hoffmeister-Kraut. Um im gleichen Atemzug zu bedauern, dass Manuel Hagel die entscheidenden 0,5 Prozent im Rennen ums Amt des Ministerpräsidenten gefehlt haben.

Wahlkampf gezielt gesteuert

Und Anne Heller schiebt nach: „Widerlich, so einen alten Sch… auszugraben und ihn so gesteuert im Wahlkampf einzusetzen.“ Ob den Christdemokraten das in den vergangenen Tagen medial viel beachtete, acht Jahre alte („Rehaugen“-) Video den Wahlsieg gekostet hat?

„Gut möglich“, sagt die Bisinger Ortsverbandsvorsitzende. Vor allem aber bedauert sie sehr, dass damit die „wirklich wichtigen Themen zuletzt so sehr in den Hintergrund geraten“ sind.

Ein Wort noch zum Wahlergebnis der AfD. Anne Heller spricht von einer „allgemeinen Entwicklung – leider“. Öfter habe sie jüngst gehört, dass viele Menschen der Meinung sind, man (die CDU) sollte auch mal mit anderen (AfD) koalieren. Da habe jeder Mensch seine ganz persönliche Wahrnehmung.

Wichtig ist ihr deshalb: „Wenn die CDU im Bund wieder ‚liefert‘, erhöht sie den Druck auf die anderen.“ Und: „Es muss erkennbar anders werden im Bund – und überhaupt.“