Menschenleeres Oberdorf am Sonntagnachmittag, doch die Momentaufnahme täuscht: Viele Wahlberechtigte gaben dort in den beiden Wahllokalen im Musiksaal des Gymnasiums und im Rathaus ihre Stimmen ab. Foto: Dirk Haier

Katrin Schindeles Heimatgemeinde wählt mehrheitlich schwarz. Erst recht, wenn es um die Person geht: Die CDU-Landtagsabgeordnete holt in Baiersbronn 47,7 Prozent.

Spätestens seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr beginnen Wahlabende in Baiersbronn für politisch nicht zum rechten Rand neigende Beobachter mit einem Schreckmoment. Das Ergebnis aus Friedrichstal macht jeweils den Auftakt – und weist die AfD als Sieger aus.

 

So auch am Sonntag, bei Erst- und Zweitstimmen. Was schon bemerkenswert ist, weil Katrin Schindeles Wohnort direkt vor den Toren des südlichsten Ortsteils von Baiersbronn liegt.

Und: Dass das Land gerade dort seit Jahren – Stichwort Gartenschau – kräftig in die Infrastruktur mitinvestiert, trägt in Friedrichstal offenbar kaum zu mehr Zufriedenheit mit den Parteien in der Regierung bei.

AfD im unteren Murgtal stark Allerdings: Bei gerade einmal 251 Wahlberechtigten in Friedrichstal hält sich die Aussagekraft des Ergebnisses aus dem kleinen Ort in Grenzen. Zumal die AfD ja auch im unteren Murgtal kräftig punktet. In Röt holt die Rechtsaußen-Partei bei den Urnenwählern diesmal 33,7 Prozent der Zweitstimmen und damit fast so viele wie die CDU (35 Prozent), in Schönmünzach und der Schönmünz sind es 32,6 Prozent, in Schwarzenberg 31,1 Prozent, auch in Huzenbach und Klosterreichenbach liegt die AfD bei den Urnenwählern über dem Kreisergebnis von 25,2 Prozent.

Die Landes- und die Gemeindeflagge zwischen Rat- und Pfarrhaus zeigen es an: Auch Baiersbronn wählt den Landtag. Foto: Dirk Haier

Später am Abend – auch das war 2025 schon bei der Abstimmung zum Bundestag so – steht nach der Landtagswahl aber eine andere Erkenntnis: Die AfD holt mit 20,6 Prozent der Zweitstimmen in Gesamt-Baiersbronn das zweitniedrigste Ergebnis unter den Kreisgemeinden, auch wenn sie mit einem Plus von 12,2 Prozentpunkten ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt.

Schindele weit vor CDU Die CDU hingegen erreicht mit 37,2 Prozent und einem Zuwachs von einem Prozentpunkt gegenüber 2021 in Baiersbronn eines der besten Resultate im Kreis – unter den großen Gemeinden das beste.

Auffallend dabei: Katrin Schindele, die in den vergangenen fünf Jahren überall präsent war, wenn es etwas zu veranstalten galt, und die einem zuletzt auf Plakaten von gefühlt jedem Baum, jeder Straßenlaterne und sogar aus einem ehemaligen Schaufenster entgegenlächelte, fährt bei den Erststimmen in Baiersbronn mehr als zehn Prozent mehr ein als ihre Partei bei den Zweitstimmen. In ihrer Heimatgemeinde holt sie mit 47,7 Prozent ihr drittstärkstes Ergebnis im Kreis Freudenstadt nach Bad Rippoldsau-Schapbach (50,3) und Empfingen (48,6).

Schindele kommt etwa bei den Urnenwählern in Mitteltal und Obertal auf mehr als 50 Prozent, ebenso in drei der vier Briefwahlbezirke.

Grüne punkten bei Briefwahl Zum Koalitionspartner: Entgegen dem Kreistrend (minus 2,7 Prozent) legen die Grünen in Baiersbronn gegenüber der Wahl vor fünf Jahren minimal zu – um 0,2 Prozentpunkte auf jetzt 22,5 Prozent. Ihre stärksten Ergebnisse holt die Ökopartei bei den Urnenwählern im Mutterort (Oberdorf 1: 24,5 Prozent, Oberdorf 2: 24,6 Prozent, Unterdorf: 23,9 Prozent) und in drei der vier Briefwahlbezirke, mit zum Teil noch höheren Werten.

Beide bisherigen und wohl auch künftigen Regierungsparteien schaffen in Baiersbronn insgesamt bei den Briefwählern stärkere Ergebnisse als bei den Urnenwählern, dasselbe gilt für die kleinen Parteien SPD, FDP und Linke. Nur bei der AfD verhält es sich – deutlich – umgekehrt. Auch in Baiersbronn gilt also: AfD-Wähler gehen ins Wahllokal.

FDP und SPD schrumpfen Großer Verlierer in Baiersbronn ist die FDP. Sie büßt gegenüber 2021 9,3 Prozentpunkte ein und kommt noch auf 5,0 Prozent. Unterm Strich wenig besser ergeht es der SPD: Sie schrumpft nach Verlusten von 2,6 Prozentpunkten auf 5,5 Prozent. Beide liegen jedoch noch über dem Kreisergebnis (jeweils 4,4 Prozent). Die Linke legt in Baiersbronn leicht zu – um 0,9 auf 3,1 Prozent.

Die Wahlbeteiligung ist in der Murgtalgemeinde im Vergleich zur Landtagswahl 2021 kräftig gestiegen: von 62,1 auf nun 70,3 Prozent. Trotz aller Verschiebungen – insbesondere bei der AfD, die es bei den Erststimmen auf Platz zwei schafft, und der FDP – bleibt auch an diesem Tag die Faustregel: Je später der Wahlabend, desto stärker die CDU.