AfD-Wähler geben ihre Stimme verstärkt im Wahllokal ab; die CDU holt ihren Sieg in Albstadt durch die Briefwähler. Eine Analyse des Wahlergebnisses.
Die Landtagswahl 2026 in Albstadt ging reibungslos über die Bühne. In den Wahllokalen habe es keine nennenswerten Vorfälle gegeben, wie Stadtsprecherin Mona Lehmann am Montag auf Anfrage berichtet. Auch bei der Auszählung habe es trotz des neuen Wahlrechts keine Verzögerung gegeben. Das Zweistimmenwahlrecht sei insbesondere den erfahrenen Wahlhelfern von Bundestagswahlen bekannt gewesen.
Und so stand am Sonntagabend gegen 20.20 Uhr das vorläufige Endergebnis der Landtagswahl aus den 44 Albstädter Wahlbezirken fest; die Wahlbeteiligung lag bei 61,5 Prozent. Bei der Erststimme, mit welcher für den direkten Vertreter des Wahlkreises Balingen im künftigen Landesparlament gestimmt werden konnte, war es in Albstadt eine klare Sache. CDU-Kandidatin Nicole Hoffmeister-Kraut holte 40,1 Prozent der Stimmen; gefolgt von Hans-Peter Hörner (AfD) mit 28 Prozent, Maurice Rössler (Bündnis 90/Die Grünen) mit 14,4 Prozent und Katja Weiger-Schick (SPD) mit 7,5 Prozent.
Deutlich knapper war es bei den Zweitstimmen, mit denen die Landesliste einer Partei gewählt wird. Die CDU liegt in Albstadt auch in dieser Kategorie mit 31,6 Prozent vorn, dahinter lauert die AfD (27,8 Prozent), vor den Grünen (22,4 Prozent), der SPD (4,5 Prozent) und der FDP (4,3 Prozent).
Ein Blick in die Wahlstatistik zeigt, in welchen Stadtteilen die CDU und in welchen Stadtteilen die AfD dominiert. Ein Trend der Bundestagswahl aus dem Vorjahr bestätigt sich. Und zwar: AfD-Wähler geben ihre Stimme bevorzugt im Wahllokal ab, CDU-Wähler ziehen die Briefwahl vor. Ein Blick auf die Erststimme: 48,3 Prozent der Briefwähler haben ihr Kreuz bei Nicole Hoffmeister-Kraut gesetzt, nur 17,7 Prozent bei Hans-Peter Hörner.
Wesentlich knapper geht es mit Blick auf die Urnenwahl zu. In den Wahllokalen unterstützten 33 Prozent der Albstädter Hans-Peter Hörner und 36,2 Prozent Nicole Hoffmeister Kraut. Bei den Zweitstimmen liegt die AfD – betrachtet man die Urnenwahl isoliert – mit 32,8 Prozent sogar vorn; die CDU erreicht nur 28,4 Prozent. 38,1 Prozent der Briefwähler geben wiederum der CDU ihre Zweitstimme, nur 17,4 Prozent der AfD.
Unterschiede in Stadtteilen
Auch zwischen den einzelnen Stadtteilen gibt es große Unterschiede. In einem Großteil der Tailfinger Wahllokale hat die AfD Grund zum Jubeln. Im Bürgerbüro entfielen beispielsweise 41,4 Prozent der Erststimmen auf Hans-Peter Hörner; bei den Zweitstimmen erreichte die AfD dort gar 42,1 Prozent. Ähnlich dominant liest sich die Statistik im Wahllokal in der Lutherschule. Dort sind es 45,5 Prozent der Erststimmen und 43,1 Prozent der Zweitstimmen für die AfD. Zweite Kraft ist in der Lutherschule mit deutlichem Abstand die CDU mit 19,4 Prozent (Zweitstimmen). In dieser Reihe kann auch das Wahllokal im Musiksaal der Grundschule Langenwand genannt werden, wo Hörner 45,3 Prozent der Erststimmen und die AfD 44 Prozent an Zweitstimmen erlangt. In Tailfingen liegt die CDU nur bei den Erststimmen in der Technologiewerkstatt vorne, sonst dominiert die AfD.
Ausgeglichener geht es in den Ebinger Wahlstätten zu, wenn auch dort teils die AfD mit Abstand in Front liegt. Zum Beispiel in der Walther-Groz-Schule mit 39,1 Prozent der Erststimmen und 37,8 Prozent der Zweitstimmen sowie im Stadtteilzentrum Westside mit 46,7 Prozent an Erststimmen und 46,6 Prozent an Zweitstimmen. Deutlich umkämpfter geht es in der Turnhalle der Kirchgrabenschule zu. Dort entfallen auf Nicole Hoffmeister-Kraut 32,1 Prozent der Erststimmen, vor Hans-Peter Hörner (25,7 Prozent) und Maurice Rössler (19,3 Prozent).
Überraschend dort: Die Grünen holen die meisten Zweitstimmen (26,8 Prozent); CDU und AfD liegen gleichauf (25,2 Prozent). Mit dem Ebinger Gymnasium ist es das einzige Urnenwahllokal, in dem die Grünen bei der Zweitstimme in Albstadt gewonnen haben. Im Gymnasium wählten 28,7 Prozent die Grünen mit der Zweitstimme, bei der Erststimme dafür nur 17,6 Prozent. Stattdessen liegt Hoffmeister-Kraut mit 38,9 Prozent an der Spitze. Ein Indiz, dass die Erststimmenwahl eine Personenwahl war.
Christdemokratisches Gebiet ist hingegen das Obere Eyachtal mit Lautlingen, Margrethausen und Laufen. In Margrethausen (Erststimme: 44,3 Prozent CDU, Zweitstimme: 39,7 Prozent CDU), in Lautlingen (Erststimme: 48,3 Prozent CDU; Zweitstimme: 40,4 Prozent CDU) und in Laufen (Erststimme: 41,9 Prozent CDU, Zweitstimme: 33,2 Prozent CDU) ist die CDU dominant. Allein bei den Zweitstimmen in Laufen schafft es die AfD mit 29,4 Prozent auf Tuchfühlung. Ein weiteres Beispiel für das schlechte Abschneiden der SPD bei den Zweitstimmen liefert zudem Lautlingen. Dort halten es lediglich 3,3 Prozent der Wähler mit den Sozialdemokraten.
CDU-Land ist ebenfalls der kleinste Albstädter Stadtteil: Burgfelden. 46 Prozent der Erststimmen sind bei der aktuellen Landeswirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut, 33,9 Prozent der Zweitstimmen bei der CDU. Überraschend stark auch die Grünen: Sie sind zweite Kraft bei den Zweitstimmen in Burgfelden mit 29,1 Prozent. Ob das daran liegt, dass Spitzenkandidat Cem Özdemir im Januar auf Wahlkampftour ins Bürgerhaus kam, kann nur gemutmaßt werden.
In den beiden Pfeffinger Wahllokalen liegen CDU und AfD eng beieinander. Sowohl in der Turn- und Festhalle als auch im Gemeindehaus liegt die AfD bei den Zweitstimmen vorne, die CDU jedoch bei den Erststimmen. So verhält es sich auch in den beiden Wahlbezirken in der Onstmettinger Festhalle. Im Gegensatz zum Wahllokal im Onstmettinger Kindergarten. Dort fährt die CDU bei den Erststimmen einen Erdrutschsieg (46,9 Prozent) ein und liegt auch bei den Zweitstimmen vor der AfD (35,8 Prozent vs. 27,1 Prozent).
In Wahllokalen ist AfD stark
Bleibt noch der Stadtteil Truchtelfingen: Im Gemeindehaus holt Hoffmeister-Kraut die meisten Erststimmen (39 Prozent), in der Rossentalschule knapp Hans-Peter Hörner (34,2 Prozent). Bei den Zweitstimmen liegt jeweils die AfD mit über 30 Prozent vorn. Stark in Truchtelfingen auch die Grünen mit 20,3 Prozent an Zweitstimmen im Rossental und sogar 24,1 Prozent im Gemeindehaus.
Fazit: In Albstadt dominiert die CDU – mit Ausnahme in Tailfingen – die Erststimme. Bei der Zweitstimme ist es ein enges Rennen, gerade in den Wahllokalen mit Vorteilen für die AfD.