Katrin Schindele hat gut lachen: Mit einem starken Ergebnis verteidigt sie ihr Direktmandat. Foto: Timo Beyer

Während sich ein Wahlsieg der Grünen andeutet, herrscht im Kreis Freudenstadt zügig Klarheit: CDU-Kandidatin Katrin Schindele verteidigt ihr Direktmandat mit einem starken Ergebnis.

Auf der Wahlparty der CDU in Freudenstadt ist kurz nach 18 Uhr das dominierende Gefühl Hoffnung. Denn zumindest im ZDF liegt da die CDU noch einen Prozentpunkt hinter den Grünen. „Ich glaube, es wird noch ein spannender Abend“, meint Katrin Schindele.

 

Für sie selbst bleibt der Abend aber nicht allzu lange spannend. Als die Ergebnisse aus den Gemeinden am Abend nach und nach eintrudeln, zeichnet sich schnell ab, dass Schindele der Sieg nicht zu nehmen sein wird. Nachdem 143 von 143 Wahlbezirken ausgezählt wurden, liegt Schindele bei 41,5 Prozent. „Ich bin mit dem Ergebnis aus dem Wahlkreis sehr zufrieden. Da freue ich mich natürlich“, sagt sie. 2021, als es nur eine Stimme gab, hatte sie mit 27,3 Prozent für die CDU das Direktmandat gewonnen.

Schnell ist auch klar, dass Andreas Grammel von der AfD der zweite Platz nicht mehr zu nehmen sein wird (25,2 Prozent). Er landet vor dem Grünen-Kandidat Daniel Belling (16,2 Prozent)– der aber schon früh am Abend ebenfalls Grund zum Feiern hatte.

Jubel auch bei den Grünen im Kreis

Bei der Grünen-Wahlparty im „Waldgericht“ in Dornstetten-Aach schauen die Gäste um 18 Uhr gebannt auf den Fernseh-Livestream – und glauben ihren Augen kaum, als sie das Ergebnis sehen. Die Grünen liegen mit 32 Prozent klar vor der CDU. Und die Grünen stehen von ihren Plätzen auf, jubeln, klatschen, was das Zeug hält.

Belling hält sich zum Zeitpunkt der ersten Wahl-Hochrechnung im Nebenraum auf. Um 18.06 Uhr betritt er dann den Party-Saal. Mit einem breiten Grinsen und glasigen Augen fragt er „War irgendwas?“ – er habe mit viel gerechnet, sagt er, „aber das Ergebnis ist unglaublich.“

Auch Grünen-Kandidat Daniel Belling hat Grund zur Freude. Foto: Louisa Speicher

Dass das Ergebnis der ersten Hochrechnung doch so eindeutig für die Grünen ausfalle, das habe er nicht erwartet. Sein erster Gedanke zur Hochrechnung: „Absolute Überraschung“, meint er. Und das Grinsen weicht nicht eine Sekunde sein Gesicht.

Um 20.07 Uhr berichtet Belling von gelöster Stimmung. „Ja, der Vorsprung schmilzt ein bisschen, aber wir bleiben optimistisch“, sagt er. Bemerkbar mache sich jedoch das Zwei-Stimmen-Wahlrecht. „Ich finde es erschreckend, dass Herr Grammel (AfD) so gut abschneidet“, betont er. Aber: Verloren sei noch nichts.

Auf seiner Agenda zum neuen Wochenstart stünde zunächst „Plakate abhängen“. Danach ginge es in einen kurzen Erholungsurlaub nach Frankreich, sagt er und lacht.

CDU auch bei Zweitstimmen vorn

Während die Grünen bei den Zweitstimmen landesweit vorne sind, ergibt sich im Wahlkreis Freudenstadt ein anderes Bild: Die CDU landet mit 34,1 Prozent auf Platz eins (2021: 27,3), gefolgt von der AfD mit 25,2 Prozent (2021: 13,2) und den Grünen mit 22 Prozent (2021: 24,7). Sowohl die FDP als auch die SPD verfehlen die 5-Prozent Marke und stehen bei 4,4 Prozent.

Entsprechend schlecht ist die Stimmung bei den Direktkandidaten. Veit Grünberg (FDP, 4,4 Prozent der Erststimmen) ist enttäuscht. Er sagt: „Wir haben keinen schlechten Wahlkampf gemacht. Man muss sich fragen: Was fruchtet noch beim Wähler? Social Media, Podien, andere Veranstaltungen – das scheint nicht mehr zu funktionieren.“ Er habe das Gefühl, dass die Leute erst kurz vor der Wahlurne entscheiden, was sie wählen.

Veit Grünberg verfolgt die Wahlberichterstattung. Foto: Jürgen Lück

Grünberg: „Die Strategiewähler wollen eigentlich, dass sich was ändert. Die sind diesmal zur CDU gegangen. Jetzt haben wir Grün-Schwarz oder Schwarz-Grün – es ändert sich nichts. Ich habe im Wahlkampf immer gesagt: Wählt Erststimme SPD, Zweistimme FDP – um über die Überhangmandate die Chance für eine Deutschlandkoalition (CDU, SPD, FDP) zu bekommen. Dann hätte sich was geändert.“

„Desaströses Ergebnis“

SPD-Direktkandidatin Bettina Ahrens-Diez, die immerhin 6,1 Prozent der Erststimmen erhalten hat, sagt: „Das ist ein desaströses Ergebnis für die SPD. Mein Team und ich haben im Wahlkampf vor Ort gemacht was wir können. Und wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Man kann sich vom Landestrend leider nicht unabhängig machen. Der Wahlkampf spitzte sich offenbar auf zwei Personen zu – wer Ministerpräsident wird. Wir sind mit Themen wie Wohnen, Bildung, sichere Arbeitsplätze nicht durchgedrungen. Insofern kann man von einer inhaltlichen Entkernung von Politik sprechen.“

AfD-Mann Andreas Grammel schafft es dagegen in den Landtag. Er steht auf Listenplatz 29 – und Stand 21.45 Uhr erhält seine Partei 34 Sitze im neuen Landtag. Davon geht nur einer an einen Wahlkreissieger.

Daniel Belling steht auf Listenplatz 46. Die Grünen erhalten nach aktuellem Stand 56 Sitze und haben 12 Wahlkreissieger – von denen einige weit oben auf der Liste stehen. Belling dürfte den Einzug in den Landtag also auch schaffen.

Die Wahlbeteiligung liegt im Kreis Freudenstadt bei 69,8 Prozent und damit höher als 2021, als 62,2 Prozent Wählen gingen.