Niko Kulisch tritt für die Linke an. Foto: Kulisch

Die Chancen sind nicht groß, aber er ist von seiner Mission überzeugt: Niko Kulisch kandidiert bei der Landtagswahl für Die Linke. 

Kreis Freudenstadt - Niko Kulisch ist blutjung. "Ich werde bald 20", sagt er. Es kommt nicht eben häufig vor, dass ein so junger Mann den Sprung in den baden-württembergischen Landtag schaffen will. Bei den Wahlen am 14. März tritt Kulisch für Partei Die Linke an.

 

Zwar sind seine Chancen nicht sonderlich groß, das räumt er selbst freimütig ein. Doch von seiner Mission ist er dennoch überzeugt: "Das Land braucht eine linke Opposition." Ihm geht es dabei besonders um die Jugend, auf die richtet er seinen Wahlkampf aus. "Ich möchte den jungen Leuten das Angebot machen, sich mit Politik zu befassen."

Erste Station Würzburg

Er kenne die Probleme der jungen Leute. Im Landtag wolle er versuchen, dafür Lösungen zu finden. "Linke Politik ist für mich die einzige Politik, auf die ich mich verlassen kann", meint er. "Denn die linke Politik steht primär nicht für Konzerne und Banken, welche total an den Bürger und Bürgerinnen vorbeigeht, sondern für die Bevölkerung." Von den Grünen und der SPD hält er nicht eben viel, die würden die Bürger oftmals täuschen. Was er damit meint, will man wissen? Er drückt das so aus: "Die blinken links und fahren trotzdem geradeaus." Kulisch hat einen weiten Weg hinter sich. Geboren ist er in der Ukraine, dort habe er auch seine ersten Jahre verbracht, 2005 sei er mit seinen Eltern im Zuge des Spätaussiedler-Programms nach Deutschland gekommen. Erste Station war Würzburg. Nach dem Realschulabschluss folgte eine Ausbildung zum Verkäufer im Einzelhandel. 2020, als er 18 Jahre alt war, siedelte er um nach Sindelfingen, "der Liebe wegen", wie er sagt. Dort lebe er mit seinem Partner zusammen. Mit dem Bekenntnis, homosexuell zu sein, habe er "keine Probleme", fügt er hinzu.

Deutsch spricht Kulisch übrigens perfekt, außerdem Russisch und Ukrainisch. Noch hat er die deutsche und die ukrainische Staatsangehörigkeit.

2017 trat er der Linken bei, sein großes politisches Ziel lautet: "Ich möchte eine demokratisch sozialistische Gesellschaft." Allerdings, der junge Mann setzt sogleich hinzu: "Der Sozialismus hat in der Geschichte niemals funktioniert, weil er immer mit Gewalt durchgesetzt wurde." Das will Kulisch natürlich nicht, trotzdem weiß er sehr genau: "Wenn die Menschen im Land Sozialismus hören, kriegen sie Haarausfall."

Zuletzt an Fünf-Prozent-Hürde gescheitert

Im Landtag, falls er denn tatsächlich gewählt werden sollte, wolle er sich ganz konkret etwa für das Gesundheitswesen einsetzen. Er wolle verhindern, dass es weitere Privatisierungen gebe. Vor fünf Jahren noch war Die Linke an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert – und der blutjunge Kandidat Kulisch fürchtet, das könnte auch diesmal geschehen.

Niko Kulisch ist 19 Jahre alt, er wurde in Artemowsk (heute: Bachmut) in der Ukraine geboren. 2005 zog seine Familie im Zuge des Spätaussiedler-Programms nach Deutschland. In Würzburg absolvierte er die Realschule. Es folgte eine Ausbildung zum Verkäufer im Einzelhandel. Seit 2020 lebt Kulisch in Sindelfingen. 2017 trat er der Partei Die Linke bei, wo er als Jugendpolitischer Sprecher des Kreisverbands Böblingen agiert. Am 14. März tritt er als Kandidat der Linken im Wahlkreis Freudenstadt an. Kulisch ist Mitglied der Gewerkschaft Verdi.