Ab diesem Jahr dürfen auch 16-Jährige bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ihre Stimme abgeben. Foto: Louisa Speicher

Erstmals dürfen 16-Jährige bei der Landtagswahl wählen. Die Verantwortung: groß. Doch was sagen die Betroffenen zu der Änderung? Von einer zehnten Klasse des OHG sind nicht alle dafür.

Es dauert nicht mehr lange, dann wird der neue Landtag Baden-Württembergs gewählt. Was in diesem Jahr besonders ist: Erstmals dürfen auch 16-Jährige ihre Stimme abgeben. Eine Gesetzesänderung, die für viel Kritik sorgte – etwa, ob man als Teenager überhaupt schon das Verständnis für Politik auf Landesebene habe.

 

Doch was sagen die Betroffenen selbst, für die es in rund drei Wochen zum ersten Mal in die Wahlkabine geht? Schüler der zehnten Klasse des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) in Nagold teilen unterschiedliche Meinungen – während sich manche auf das Kreuzchen setzen freuen, sehen andere dem Wahlrechtsalter skeptisch entgegen. Auch ihr Lehrer, Markus Martern, schätzt das neue Wahlrecht ab 16 Jahren ein.

Meinungen spalten sich

21 Parteien haben sich bei der Landtagswahl aufstellen lassen – 21 Wahlprogramme, was sie in Baden-Württemberg verändern wollen. Für den Wählernachwuchs ist diese Wahl eine ganz besondere: Sie dürfen zum ersten Mal Kreuzchen setzen. Und das Gefühl der Zehntklässler zeigt: Nervosität, aber Wille. Respekt, aber Bereitschaft. Sie freuen sich, auf das Mitbestimmungsrecht, ihre Stimme abzugeben und so hörbar zu machen. Die Interessen der verschiedenen Generationen innerhalb unserer Gesellschaft könnten so besser repräsentiert werden – nicht nur Themen und Entscheidungen für ältere Bürger könnten getroffen werden, sondern auch für sie selbst, sagt eine Schülerin. „So kann die Politik hier relevanter für uns werden“, fügt sie hinzu.

Gegenstimmen gab es jedoch auch: Mit 16 Jahren sei man teils noch sehr leicht beeinflussbar. Auch seien viele Programmpunkte nicht verständlich formuliert. Für Verwirrung sorgen etwa Wahlplakate. Als Beispiel nennt ein Mitschüler ein Plakat der AfD, auf dem lediglich der Slogan „Es sind zu viele“ stehe. Der Gemeinschaftskunde-Kurs ist sich einig: Sie können mit diesem Satz nichts anfangen. Auch andere Wahlplakate führten zu Irritationen – „die Methoden, die manche Parteien bei Jüngeren anwenden, um sie als Wähler zu gewinnen, sind da einfach oft nicht in Ordnung“, heißt es.

Lehrer befürwortet Wahl ab 16

Ein Schüler habe bereits das Gefühl, als junge Person auf Kommunalebene in Nagold gut repräsentiert zu werden – durch den Jugendgemeinderat. Dieser habe immer ein offenes Ohr für Anliegen, sagt er. So fühle er sich nie „ungehört“.

Die Schüler teilen also gemischte Gefühle zur Wahl. Wie sieht ihr Lehrer das, der sie unterrichtet? Markus Martern ist Team Pro beim Wahleintrittsalter ab 16 Jahren. Denn: Junge Menschen hätten so die Chance, sich früher zu integrieren. Zum Thema „Zum Wählen braucht man eine gewisse Reife“, sagt er, die würde übrigens auch vielen Erwachsenen fehlen. „Die Demokratie sollte es aushalten, wenn 16-Jährige, die sich vielleicht noch nicht vollständig in der Politik auskennen, ihre Stimme abgeben“, fügt er hinzu.

Unvorbereitet sind die Erstwähler am OHG schließlich auch nicht: Etwa war der Jugendgemeinderat zu Besuch, um über die Landtagswahl zu informieren, außerdem haben die Schüler bei einer Juniorwahl die Wahl-Prozesse trainiert, erklärt Martern. Darüber hinaus informieren sich viele über Nachrichten-Webseiten oder deren Instagram-Kanäle, wie die der Tagesschau oder von Zeitungen.

Schlussendlich gilt, egal in welchem Alter, nicht wahllos Kreuzchen zu setzen. Und an welche Partei die meisten Stimmen gehen, bleibt bis zum 8. März noch offen.