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Landtagswahl Corona zwingt Parteien im Kreis Freudenstadt zum Umdenken

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Am 14. März wird der neue Landtag gewählt. Der Wahlkampf ist bislang verhalten, vor allem wegen Corona. Foto: Westfotos – stock.adobe.com

Keine vollen Hallen mit verschwitzten Redner und Humtata-Musik, kein Klinkenputzen. Corona zwingt die Parteien vor Landtagswahl am 14. März zum Umdenken. Was planen sie? Lesen Sie dazu mehr in unserem (SB+)Artikel.

Kreis Freudenstadt - Noch hat der Wahlkampf nicht wirklich begonnen, doch eines steht bereits fest: Es wird anders. Statt Präsenz- ist Medienwahlkampf angesagt, statt Diskussionen von Angesicht zu Angesicht und flammenden Reden in stickigen Hallen gibt es mehr Kommunikation über soziale Medien wie "Facebook" und "Twitter" und virtuelle Konferenzen im Internet. In einem sind sich alle fünf Kandidaten der stärksten politischen Lager im Kreis einig: Schön ist das nicht, es geht viel verloren.

"Die Maßnahmen sind für die Menschen eine herbe Zumutung und natürlich auch für die Demokratie als Ganzes nicht leicht", meint etwa Timm Kern (FDP). Ganz ähnlich sehen es Kathrin Schindele (CDU) und Viviana Weschenmoser (SPD). Deutlich kritischer fällt das Urteil von Uwe Hellstern von der AfD aus: "Der Wahlkampf wird mühsamer und verliert durch fehlende Live-Diskussionen an Qualität. Der Lockdown schadet auf jeden Fall der Demokratie." Etwas gelassener beurteilt das wiederum Winfried Asprion von den Grünen. Zwar bedauert auch er den direkten Kontakt mit den Wählern. Sein Urteil fällt jedoch anders aus: "Nein, der Lockdown schadet der Demokratie überhaupt nicht, da alle die gleichen Voraussetzungen antreffen."

In einem Punkt herrscht hingegen weitgehende Einigkeit: Großveranstaltungen mit politischer Prominenz, zu denen Hunderte von Teilnehmern zusammenkommen, wird es diesmal nicht geben. Das wäre "ein falsches Zeichen an die Bürger", sagt Weschenmoser. Sie will sogar auf Besuche bei Bürgermeistern, Unternehmen und Organisationen verzichten. FDP-Mann Kern sieht immerhin so etwas wie einen Silberstreifen am Horizont: "Ich hoffe sehr, dass durch rasche Impfungen ab Februar Woche für Woche mehr Präsenz und damit auch Diskussionsveranstaltungen vor Ort unter guten Hygieneregeln möglich werden." Ab Februar? Angesichts des Impftempos dürfte das sehr optimistisch sein.

Stände wären möglich

Beim Thema Infostände dagegen scheiden sich die Geister. SPD-Frau Weschenmoser meint: "Juristisch sind Infostände und ähnliche Formate möglich. Der SPD-Kreisverband wird mit genauestem Blick auf das Infektionsgeschehen individuelle und kurzfristige Entscheidungen treffen, denn die Sicherheit der Bürger steht an erster Stelle." Auch bei der CDU stehen Infostände bereit. Man müsse aber abwarten, bis es "grünes Licht" gebe, heißt es. Der Grüne Asprion hielte Infostände zum derzeitigen Zeitpunkt für das "falsche Signal".

Dagegen sagt AfD-Kandidat Hellstern: "Info-Stände in der Fußgängerzone müssen möglich sein. Hier kann man mit Maske und Abstand die Regeln einhalten. In dem Moment wo Busse und Bahnen noch verkehren und Teile des Einzelhandels ohne große Kontrollen geöffnet sind, wäre es sehr willkürlich, in Info-Ständen ein nicht zu rechtfertigendes Risiko zu sehen." Eine Landtagswahl, in der die politische Richtung für vier Jahre festgelegt wird, sei es "wichtig genug, um ein geringes Restrisiko einzugehen". Jedes Risiko müsse im Hinblick auf seinen Zweck abgewogen werden. "Alles andere ist lebensfremd", findet Hellstern.

"Klinkenputzen" fällt weg

Auch das "Klinkenputzen", das heißt Hausbesuche von Kandidaten oder Wahlhelfern bei den Wählern, sehen die meisten Kandidaten eher skeptisch. Man komme den Menschen dabei womöglich ungefragt zu nahe – ein Eindruck, den man unbedingt vermeiden wolle. Stattdessen bieten alle Kandidaten reichlich Online-Auftritte an. Schindele: "Ich versuche, den Kontakt über die verschiedensten Kanäle anzubieten, etwa Facebook, Instagram, Whatsapp. Aber ich freue mich auch über ein Telefonat oder einen Brief."

E-Mails, soziale Medien, Videoplattformen und eigene Internetseiten – das Angebot zur Kontaktaufnahme an die Wähler ist durchaus vielfältig, betont Asprion von den Grünen. Er plane jede Woche fünf "aktive Termine mit Menschen". Dazu soll es mindestens fünf digitale Veranstaltungen geben. Es gibt Video-Konferenzen und gezielte Online-Auftritte, die etwa auch der FDP-Kandidat nutzt. Dennoch warnt er: "Es ist mein Anliegen, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Leider kommen dabei digitale Formate an ihre Grenzen, und nichts kann ein persönliches Gespräch in seiner Intensität mit Gestik, Mimik und Spontaneität ersetzen."

Und die älteren Wähler – wie kommen die mit dem digitalen Wahlkampf zurecht? Schindele von der CDU sieht das eher positiv: "Damit ich auch die älteren Bürger erreiche, habe ich schon vielen die Technik erklärt und mit ihnen ausprobiert. Das hat immer erstaunlich gut funktioniert. Ich war begeistert, wie sich manch über 80-Jährige dann einbringt." Sie meint, viele Ältere seien digital auf der Höhe der Zeit, weil sie auf diese Weise derzeit mit ihren Enkeln Kontakt halten.

Digital affine Senioren

Asprion schätzt die Lage ähnlich ein: "Ich denke, dass heutzutage nahezu alle Altersgruppen digital unterwegs sind." Das sieht Hellstern (AfD) anders: Ältere Wähler würden eher traditionelle Medien bevorzugen, "weshalb in diesen Zeiten den Tageszeitungen eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Demokratie zukommt".

Weitgehende Einigkeit herrscht wiederum darin, das dem klassischen Wahlplakaten und Broschüren weiterhin Bedeutung zukommt. Weschenmoser: "Als gute Ergänzung zu ausführlicheren Informationen, welche im Netz abrufbar sind, werden auch Flyer nach wie vor eine wichtige Rolle spielen."

Die klassische Broschüre

Gibt es denn noch Hoffnung, dass sich die Lage vor dem Urnengang am März noch ändert, dass echter "Präsenzwahlkampf" doch noch möglich wird? Bei den Kandidaten überwiegt die Skepsis. "Ich glaube nicht, dass das möglich ist", heißt es bei den Grünen. Allein schon, weil viele Bürger Hemmungen hätten, angesichts der Infektionsgefahr etwa Großveranstaltungen zu besuchen. Auch CDU-Kandidatin Schindele rechnet nicht mit durchgreifenden Verbesserungen. "Darauf würde ich nicht bauen. Sollte es anders kommen, freue ich mich jedoch darauf."

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