KI-Bilder der Wahlprogramme, von links nach rechts: Linke, CDU, AfD. Foto: IDemKI - Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz

KI-Forscher haben mithilfe von ChatGPT die Programme für die Landtagswahl visualisiert. Die Ergebnisse sind nun in der VHS Stuttgart zu sehen. Was ist aus ihnen zu lesen?

Bei der CDU schwirren Drohnen über der Stadt, bei der AfD raucht es im Hintergrund aus einem Kraftwerk, bei der Linken treffen sich die Menschen in Gemeinschaftsgärten. So würde es in Baden-Württemberg aussehen, sollten die Parteien ihre Vorstellungen nach der Landtagswahl konsequent umsetzen können. Zumindest, wenn es nach den KI-generierten Bildern des Instituts für Demokratie und Künstliche Intelligenz (IDemKI) geht.

 

Die Forschungsgruppe aus Tübingen hat mithilfe der Software ChatGPT die Wahlprogramme von Grünen, CDU, AfD, SPD, FDP und Linken visualisiert. Das Ergebnis: sechs Stadtbilder, die für ganz unterschiedliche politische Vorstellungen stehen. Zu sehen sind die Grafiken in der Galerie zu diesem Text, auf der Webseite des Projekts und ab Donnerstag, 5. Februar, auch in der Volkshochschule am Rotebühlplatz in Stuttgart.

KI-Bilder sollen keine Wahlempfehlung sein

„Wir wollen dadurch einen Impuls geben, sich näher mit den Programmen zu beschäftigen“, sagt Nico Erhardt vom IDemKI. Der 31-Jährige wirkt als Prompt-Ingenieur an dem Projekt mit. Etwas vereinfacht gesagt bedeutet das: Er ist dafür zuständig, der Künstlichen Intelligenz die richtigen Befehle zu geben. So ließen Erhardt und das Projektteam zunächst die Text-KI von ChatGPT die spezifischen Schwerpunkte der Programme herausarbeiten. Anschließend setzten sie das Resultat mit der Bild-KI des Chatbots grafisch um.

Einzelne Elemente stechen bei den Ergebnissen sofort ins Auge. So fällt im FDP-Bild eine blaue, holographisch anmutende Fläche auf einem Hausdach auf. Ein Symbol für ein Innovationszentrum? In der SPD-Grafik rauscht ein elektrifizierter Zug an einem Gesundheitskiosk vorbei. Bei der AfD und etwas abgeschwächter auch bei der CDU prägen Polizeipräsenz und Überwachungskameras das Stadtbild, bei den Grünen und Linken dagegen breite Fahrradwege beziehungsweise grüne Parkflächen.

Eine Anmerkung, die Erhardt dabei wichtig ist: „Wir sprechen mit den Bildern keine Wahlempfehlungen aus.“ Bei jeder Partei habe man denselben Prompt und stets das erste bildliche Ergebnis verwendet. Außerdem fügt Erhardt hinzu: „Aus einer wissenschaftlichen und politischen Sicht ist das keine Analyse, weil die KI kein echtes Verständnis für die Inhalte hat.“ Stattdessen handle es sich um eine Form der Interpretation, „die eine gewisse Subjektivität hat“.

Starke Unterschiede zwischen Bundestagswahl und Landtagswahl

Die ursprüngliche Idee hinter dem Projekt stammt von Max Mundhenke. Der Berliner KI-Berater hatte sich bereits vor der vergangenen Bundestagswahl und der Europawahl auf diese Weise mit den Forderungen der Parteien auseinandergesetzt. Für die Landtagswahl arbeitete er nun mit dem IDemKI zusammen. Im Vergleich zu den früheren Visualisierungen fällt auf, dass die Bilder diesmal weniger futuristisch wirken. Näher an dem, was wir als Realität kennen. So finden sich etwa bei den Grünen sanierte Altbauten mit Solarzellen, während bei dieser Partei vor der Bundestagswahl monumentale, von Pflanzen übersäte Glasbauten das Bild prägten.

Laut Nico Erhardt gibt es zwei Gründe für die Unterschiede. Der eine sei politischer Natur: die geringere Entscheidungsmacht auf Landesebene. Als zweite Ursache nennt er die veränderte Herangehensweise. Bei vorherigen Versionen sei die KI gefragt worden, wie die Zukunft bei einer hundertprozentigen Umsetzung der Wahlprogramme aussehen würde. Diesmal habe man sich dagegen auf besonders auffällige Punkte und ihre symbolische Darstellung im Stadtbild konzentriert. „Das macht den ganzen Prozess nachvollziehbarer“, sagt Erhard.

Bei KI-Visualisierungen: Keine Windräder bei den Grünen

Dennoch könne er nicht alles an den Ergebnissen erklären. Zum Beispiel, warum auf der Grafik zum Grünen-Programm keine Windräder zu sehen sind. „Was die Bild-KI genau macht, ist teilweise noch immer eine Black Box“, sagt Erhardt. Gerade solche Punkte wollen er und das IDemKI mit dem Projekt thematisieren. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein für die Möglichkeiten und Grenzen von Künstlicher Intelligenz innerhalb von Demokratien zu schärfen. Darum geht es auch bei der Eröffnung der Ausstellung in Stuttgart.

Details zu der Veranstaltung in Stuttgart:

  • Datum: Donnerstag, 5. Februar, 16 Uhr
  • Ort: Stadtbibliothek Stuttgart, Max-Bense-Forum
  • Thema: KI in der Demokratie – Einflüsse, Möglichkeiten, Grenzen
  • Mitwirkende: Jessica Heesen, Nico Ehrhardt und Max Mundhenke

Auf der einen Seite ermögliche es KI, sich auf leicht zugängliche Weise mit politischen Inhalten zu beschäftigen, sagt Erhardt. Um die Wahlprogramm-Bilder zu verstehen, seien nicht einmal deutsche Sprachkenntnisse notwendig. „Man könnte sagen, das ist eine Art Inklusionstechnologie.“ Auf der anderen Seite neige die KI hinter so genannten Sozialen Netzwerken wie X oder Instagram dazu, polarisierende Meinungen besonders stark auszuspielen, um die Nutzer auf dem Portal zu halten.

„Außerdem haben die KIs weiterhin eine Tendenz zur Verzerrung“, sagt Erhardt, „sie halluzinieren manchmal“. Das mache es riskant, sie in der öffentlichen Kommunikation etwa bei Behörden einzusetzen. Erhardts Fazit: „Die Technologie ist eine Chance für die Demokratie, aber um sie zu nutzen, muss man um sie herum den richtigen Rahmen aufbauen.“