Weil am Rhein hat gewählt. Wie in ganz Baden-Württemberg zeichnet sich eine klare Dreiteilung ab. Foto: Beatrice Ehrlich

Mit einem starken Zweitstimmenergebnis stimmen die Weiler für Cem Özdemir als Ministerpräsidenten. Die AfD liegt auf Platz Drei. SPD und FDP stecken Verluste ein.

Grün liegt auch bei dieser Landtagswahl in Weil am Rhein stabil vorn. Im Vergleich zum vergangenen Urnengang im Jahr 2021 haben die Grünen aber Stimmen eingebüßt. Damals hatten die Grünen in Weil am Rhein bärenstark abgeschnitten.

 

Einen Stimmenanteil von 36,4 Prozent hatten sie erreicht – auch ein persönlicher Sieg des Direktkandidaten Josha Frey. Satte 3942 Wählerstimmen aus der 3-Länder-Stadt konnte dieser 2021 für sich verbuchen.

Seine Nachfolgerin Sarah Hagmann kam am Sonntag auf einen kleineren Stimmenanteil, geht aber in Weil am Rhein dennoch mit knappem Vorsprung von rund vier Prozent der Erststimmen (28,5 Prozent) als Wahlsiegerin hervor.

Sarah Hagmann ist in Weil Siegerin

Damit heben sich die Weiler Wähler ab vom Ergebnis im Gesamtwahlkreis, wo sich Hagmann bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Schönauer Bürgermeister und CDU-Direktkandidaten Peter Schelshorn lieferte. Die Wahlbeteiligung liegt mit 58,9 Prozent etwas höher als bei der vergangenen Wahl.

Auch bei den Zweitstimmen – 32,1 Prozent – fahren die Grünen einen leichten Verlust ein – und stehen trotzdem beim Wahlergebnis an der Spitze.

„Starken Wahlkampf mit Neumitgliedern geführt“

Der Fraktionsvorsitzenden der Weiler Grünen im Gemeinderat, Thomas Bayer, führt dieses Ergebnis auf Nachfrage auch auf den starken Wahlkampf zurück, den die Grünen in Weil am Rhein mit vielen Neumitgliedern geführt haben. Mit Flyern und einem Haustürwahlkampf habe man viele Bürger ansprechen können, freut er sich. So wie es aussehe, könne man mit Cem Özdemir den nächsten Ministerpräsidenten stellen.

CDU mit klaren Zugewinnen

Die CDU kann klare Zugewinne für sich verbuchen. Diese reichen aber nicht dazu aus, sie in einen Wahlsieg umzumünzen: Mit 24,1 Prozent bei den Zweitstimmen (Erststimmen: 24,2 Prozent) liegt sie runde sechs Prozent über dem Ergebnis, dass vor fünf Jahren CDU-Direktkandidat Christof Nitz in der 3-Länder-Stadt erringen konnte (1953 Stimmen, 18 Prozent).

AfD mit starkem dritten Platz

Die AfD liegt mit 18,9 Prozent der Zweitstimmen im Bereich des Wahlkreisschnitt und belegt in Weil am Rhein, so wie auch landesweit, einen starken dritten Platz. Das starke Erststimmenergebnis von AfD-Direktkandidat Wolfgang Koch (19,4 Prozent) spiegelt sich in den Zweitstimmen, der Splitting-Anteil ist gering.

Bei der Landtagswahl im Weiler Teilort Haltingen Foto: Beatrice Ehrlich

Herbe Verluste müssen die SPD und die FDP in Weil am Rhein verbuchen. Bei der SPD weichen Erst- und Zweitstimmenanteil allerdings deutlich voneinander ab.

SPD blutet, Achtungserfolg für Jonas Hoffmann

Während Direktkandidat Jonas Hoffmann bei den Erststimmen knapp 13 Prozent auf sich verbuchen kann und damit fast gleichauf liegt mit den Stimmen, die er bei der vergangenen Landtagswahl für sich verbuchen konnte (1518 Stimmen, 14,0 Prozent), stehen bei den Zweitstimmen magere 7,9 Prozent zu Buche.

SPD-Stimmen gingen an die Grünen

Stefan Reinelt, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Weil am Rhein führt das auch auf die Polarisierung der Wahl zwischen Grün und Schwarz zurück. So habe er mit Wählern am Wahlstand gesprochen, die ihm gesagt hätten, sie würden normalerweise SPD, dieses Mal aber die Grünen wählen.

FDP geht auch in Weil am Rhein unter

Noch schlechter sieht es bei der FDP aus: Mit 3,5 Prozent der Zweitstimmen (Erststimmen 3,9 Prozent) liegt sie in Weil am Rhein noch unter dem miserablen Landes-Ergebnis, mit dem es Hochrechnungen zum Redaktionsschluss dieser Zeitung zufolge nicht für den Wiedereinzug in den Landtag reicht.

Stöcker setzt auf Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz

Weil am Rheins Oberbürgermeisterin Diana Stöcker nimmt auf Nachfrage Stellung zur Wahl: Sehr wahrscheinlich werde es wieder eine schwarz-grüne oder grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg geben.

Hohe Wahlbeteiligung wichtig für Demokratie

Angesichts der Kampagnen in der letzten Wahlkampfphase seien aber sicherlich Verletzungen da, die aufgearbeitet werden müssen, findet sie. Die hohe Wahlbeteiligung wertet sie als wichtig für die Demokratie, bisherige Nichtwähler seien in Weil am Rhein zur Wahl gegangen.