Der Großteil der Direktkandidaten war vor Ort. Foto: Eyckeler

Knapp 100 Schüler aus dem Zollernalbkreis haben die Gelegenheit bekommen, sich mit den Kandidaten aus zwei Wahlkreisen zu unterhalten. Das Angebot kam gut an.

Wo muss ich wählen? Was bedeuten Erst- und Zweitstimme? Was für Entscheidungen werden im Landtag überhaupt getroffen? Diese und viele weitere Fragen dürfte sich vor allem die Gruppe der 16- und 17-Jährigen im Südwesten kurz vor der Landtagswahl stellen. In Balingen hat das Kreisjugendreferat des Landratsamtes am Freitag die Dialogveranstaltung „Ansprechbar“ exakt für diese Gruppe organisiert, die am 8. März erstmals ihr Kreuzchen machen dürfen.​

 

Zum ersten Mal sind Personen ab 16 Jahren im Südwesten wahlberechtigt bei der Landtagswahl. Die Kreisverwaltung möchte genau diesen jungen Kreis abholen und informieren. Deswegen lud das Team des Kreisjugendreferats alle Direktkandidaten der Wahlkreise Balingen und Hechingen-Münsingen in die Stadthalle ein.

Fast alle Kandidaten folgten dieser Einladung und mussten oder durften sich den Fragen von rund 100 Schülern aus dem Zollernalbkreis stellen. Aus vier Schulen sind die jungen Erstwähler in die Stadthalle gekommen – manche mehr, andere weniger vorbereitet.

Austausch an den Stehtischen

Einen kurzen und informativen Crashkurs in Sachen Ablauf und Durchführung einer Landtagswahl gab den Schülern der ehemalige Kreiskämmerer und Kreiswahlleiter Heinz Pflumm. In rund 45 Minuten schnitt er alle wesentlichen Punkte an, die die Schüler wissen müssen, wobei auch der ein oder andere Erwachsene im Raum noch mal wichtige Fakten mitnahm. „Das Wichtigste, was Sie aber nun zu tun haben: Gehen Sie wählen!“, appellierte Pflumm an die Gruppe in der Stadthalle.

Den zweiten Appell richtete er an die Lehrer. Falls es nicht schon geschehen ist, forderte er, das Thema Wahl in den Lehrplan aufzunehmen. „Das gehört an jede Schule.“ Unterrichtsmaterial könne das Landratsamt anbieten, bei Bedarf.

Bevor die Schüler mit den Kandidaten in den direkten Austausch gehen durften, testete Pflumm das Wissen der Gruppe. Die konnten seine Fragen weitgehend vorbildlich beantworten. Oder hätten Sie gewusst, bei welchen Wahlen überall schon 16-Jährige Stimmrecht haben? Oder wie viele 16- und 17-Jährige im Südwesten nun wählen dürfen? Es sind 180.000.

Bestens gerüstet und mit dem Wissen ausgestattet, über welche Themen der Landtag in Stuttgart entscheidet, ging es für die jungen Neuwähler zu den vorbereiteten Stehtischen, an denen sie die Kandidaten der beiden Wahlkreise Hechingen-Münsingen und Balingen mit Fragen löcherten.

Nach anfänglicher Verunsicherung teilten sich die Schüler auf, und nach 15 Minuten waren die meisten bereits tief ins Gespräch mit den Politikern vertieft. „Vor allem die Themen Bildung und Wirtschaft sind mir wichtig“, erzählte einer der Schüler, ehe er zum nächsten Stehtisch weiterzog. Ein weiterer Schüler ging ohne große Themenschwerpunkte in den Dialog. „Ich finde es aber sehr gut, dass es diese Veranstaltung gibt und wir einbezogen werden.“

Kreisjugendreferat über Verlauf

Alle von unserer Redaktion befragten Schüler sind sich einig, dass sie auf jeden Fall den Gang zur Wahlurne antreten werden – bis auf eine Schülerin, die noch nicht alt genug ist, sich aber dennoch informieren wollte. Wo die jungen Wähler ihr Kreuz machen werden, darüber herrschte weitgehend noch Uneinigkeit. Möglicherweise halfen die Gespräche mit den Kandidaten bei der Findung der richtigen Partei.

Für den Leiter des Sozial- und Rechtsdezernats, Georg Link, ist die Absenkung des Wahlalters genau der richtige Weg. Mit den Worten: „Damit wird das klare Signal an Sie gesendet: Sie sind Teil der politischen Gemeinschaft. Ihre Stimme hat Gewicht“, wandte sich Link an die Schulgruppe. Auch vom Format der „Ansprechbar“ zeigte er sich begeistert: „Wir bieten ein niederschwelliges, überparteiliches Angebot, in dem Sie auch unbequeme Fragen an die Kandidaten stellen können.“

Das Team des Kreisjugendreferats um Dominik Speißer war ebenfalls zufrieden mit dem Verlauf. „Wir warten nun noch das Feedback der Teilnehmer ab, um entsprechende Anpassungen vorzunehmen“, sagte Speißer. Eine ähnliche Veranstaltung für Jungwähler vor der nächsten Wahl kann sich das Team sehr gut vorstellen.