Bei Landtagswahl dürfen bereits 16-Jährige wählen. So bereiten sich Realschüler aus Donaueschingen auf den Urnengang vor.
Für Lennox Metzger, Raphael Ludwig und Lea Fritz wird der 8. März ein besonderer Tag werden. Die drei Realschüler gehen bei den Landtagswahlen zum ersten Mal an die Urne. Von Politikverdrossenheit spürt man bei den 16-Jährigen nichts.
Sie wissen genau, was sie von den Politikern fordern und welche Themen junge Menschen wie sie beschäftigen. „Es gibt einem das Gefühl, dass man auch mitbestimmen kann“, sagt Lea Fritz über die Möglichkeit, wählen zu dürfen. Dass seit 2026 auch 16-Jährige stimmberechtigt sind, finden sie und ihre Mitschüler gut. Landtagswahlen beträfen sie unmittelbarer, weil das Land beispielsweise für Bildung zuständig sei.
Für die drei Realschüler aus Donaueschingen ist Wählen selbstverständlich. „Wenn man das Recht und die Möglichkeit hat, was ja in vielen Länder nicht der Fall ist, ist es einfach moralisch verpflichtend, wählen zu gehen“, sagt Raphael Ludwig. Aktuell sind sich die Zehntklässler noch unsicher, wen sie wählen werden. Sie informieren sich deshalb gründlich.
Programme der Parteien lesen
„Ich lese klassisch die Parteiprogramme“, sagt Ludwig. Aber auch soziale Medien wie Tiktok oder Youtube spielen eine große Rolle. „Auf Social Media kriege ich auf jeden Fall mit, wie sich die Parteien äußern. Ich würde das aber nicht als Einzelquelle nehmen“, sagt Lea Fritz. Allgemein fühlen sich die drei gut vorbereitet. Wie das Wahlsystem funktioniert, haben sie in der Schule gelernt.
Dennoch haben die Jugendlichen das Gefühl, dass Landespolitik sie oft gar nicht direkt anspricht. „Sich für Kinder einzusetzen, bringt halt nicht super viele Stimmen“, meint Raphael Ludwig. Themen wie Lehrermangel oder Wohnungsnot würden zu wenig adressiert werden, finden die Schüler. Ludwig und Fritz wünschen sich eine zukunftsfähige Politik. „Wir sind noch eine Weile hier auf der Erde. Rentenpaket, Schuldenbremse, Klimawandel: Das sind Themen, die uns deutlich stärker betreffen als die ältere Generation“, sagt Ludwig.
Den Jungen nehmen und den Älteren geben
Gerade die Rente beschäftigt ihn. Wenn er demnächst eine Ausbildung zum Mechatroniker mache, bezahle er zehn Prozent seines Gehalts in ein Rentensystem ein, von dem er später nichts habe. „Ich bin bereit, meinen Anteil zu leisten. Aber von den Jungen nehmen und den Älteren geben ist nicht wirtschaftlich, weil wir am Ende und in Zukunft die Wirtschaft am Laufen halten müssen.“ Lea Fritz stimmt ihm zu. „Ich finde es wichtig, langfristige Ziele zu erreichen. Und da stört mich der Faktor, dass viele Parteien nur darauf gucken, was jetzt im Moment die besten Wahlergebnisse bringt.“
Metzger dagegen spricht akutere Themen wie eine potenzielle Wehrpflicht an. Während die jungen Männer die Idee gut finden und sich sogar eine Pflicht vorstellen könnten, äußert Lea Fritz Bedenken, falls angesichts der angespannten Lage tatsächlich Freunde von ihr eingezogen werden müssten. Raphael Ludwig betont jedoch, dass Deutschland militärische Stärke brauche, um nicht zwischen den Großmächten zerrieben zu werden. Die Wehrdebatte zeige auch, welche Verantwortung darin liege, wählen zu gehen. „Die Leute, die jetzt 14, 15 Jahre alt sind, betrifft die Wehrpflicht genauso wie uns auch. Wir müssen am Ende auch für die Generationen unter uns wählen, die es jetzt noch nicht können.“
Klare Forderungen
An die Politiker haben die Schüler deshalb klare Forderungen. Fritz wünscht sich, dass mehr Klartext gesprochen wird. Ludwig dagegen fordert, eine Partei müsse den größten Mehrwert für die Gesellschaft anstreben, egal ob das Stimmen bringe. Lennox Metzger sagt: „Ich finde, die sollten sich nicht so abgrenzen. Man sollte mehr zuhören, die anderen aussprechen lassen, auch privat und wieder andere Meinungen zulassen.“
Die 16-Jährigen sind sich einig, dass ihre Stimme am 8.¦März einen Unterschied macht. Auch deshalb appellieren die Drei an junge Menschen, ebenfalls wählen zu gehen. „Es ist wichtig, sich für seine Zukunft einzusetzen, denn es macht für einen sonst niemand“, so Raphael Ludwig. Für alle drei ist klar: Wer nicht wählen geht, darf sich am Ende auch nicht beschweren.
Das neue Wahlrecht
Mit Beschluss
vom 4. April 2022 hat der Landtag eine Reform des Landtagswahlrechts mit zwei wesentlichen Änderungen beschlossen. Zum einen sinkt das Mindestalter des Wahlberechtigten von 18 auf 16 Jahre. Zum anderen haben Wähler zukünftig statt einer zwei Stimmen. Mit der Erststimme wird eine Person, mit der Zweitstimme eine Partei genauer gesagt deren Landesliste gewählt. Kritiker der Reform befürchten, dass der Landtag dadurch noch größer werden wird.