AfD: Durch Flüchtlingskrise zweistelliges Ergebnis. Partei müsse es "erst lernen", eine solche feste Größe im Landtag zu sein.

Stuttgart -Jörg Meuthen (Karlsruhe) sah das Werk zunächst schon als vollbracht an: "Die AfD ist spätestens mit dem heutigen Tag eine feste parlamentarische Größe in unserem Land", sagte der ­54-jährige Wirtschaftsprofessor und AfD-Spitzenkandidat am Beginn des Wahlabends bei der Wahlparty seiner Partei in Stuttgart. Stunden später räumte er Sonntagabend allerdings ein, dass die AfD es "erst lernen" müsse, eine solche feste Größe im Stuttgarter Landtag zu sein.

Meuthen beteuerte einmal mehr, dass seine Partei nicht fremdenfeindlich sei. So dumm seien die Bürger Baden-Württembergs nicht, dass sie so viele Stimmen einer rechtsextremen Partei gäben, meinte er.

Meuthen sprach von einem Wahlerfolg, den seine Partei "unter widrigsten Bedingungen" erzielt habe. Man sei heftig angefeindet und sehr unfair behandelt worden, klagte er. Ob sich das nun ändern wird?

Meuthen hatte im Vorfeld der Wahl die Hoffnung geäußert, dass die anderen Parteien im Landtag nach einer gewissen Eingewöhnungsphase konstruktiv mit der neuen AfD-Fraktion umgehen. Das dürfte wohl ein frommer Wunsch bleiben. CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf (Tuttlingen) wünschte sich am Wahlabend "eine ganz große Koalition gegen die AfD" im Landtag. Das sei aber nicht gegen die Wähler der AfD gerichtet, fügte er rasch hinzu. Die hätte die CDU schon gerne wieder zurück.

Die AfD darf darauf hoffen, ihren Wahlerfolg wenigstens einmal noch wiederholen zu können. Der Wahlerfolg von gestern spült der Partei jedenfalls Millionen in die Kasse, sodass sie sich professioneller wird aufstellen können. Zudem wird sich die Flüchtlingskrise nicht von heute auf morgen lösen lassen. Die Auswirkungen werden noch Jahre in Deutschland zu spüren sein. Gut möglich aber, dass der gemäßigte Meuthen nur ein kurzes Gastspiel als AfD-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag geben wird. Im Herbst 2017 ist Bundestagswahl. Meuthen, der gemeinsam mit der inzwischen ziemlich umstrittenen Frauke Petry die Bundespartei führt, wird parteiintern als möglicher Spitzenkandidat gehandelt, weil er ein gemäßigtes Aushängeschild wäre. Würde er dann in den Bundestag einziehen, müsste er sein Landtagsmandat niederlegen.

Auch ohne ein solches Szenario dürfte es schwer werden, die AfD-Fraktion als geschlossene Einheit zu führen. Die junge Partei ist noch immer "ein gäriger Haufen", wie dies Bundesvize Alexander Gauland kürzlich formulierte. Es gibt liberal-bürgerliche Kräfte, aber auch rechtsnational Gesinnte in der Partei.

Dies wird sich auch in der AfD-Fraktion im Landtag widerspiegeln. Meuthen wird zunächst alle Hände voll zu tun haben, für Frieden in der Fraktion zu sorgen. Aber wie immer zeigte er sich am Wahlabend diesbezüglich optimistisch: "Wir werden eine gute Gruppe haben", versprach er.

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