Premiere für Jugendliche: Bei der Landtagswahl 2026 stimmen erstmals 16- und 17-Jährige ab. Die Schulen in Rottweil setzen dafür auf gezielte politische Bildung.
Zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März dürfen erstmals auch junge Bürger im Alter von 16 und 17 Jahren ihre Stimme abgeben.
Durch die bereits 2022 beschlossene Absenkung des Mindestalters auf 16 Jahre wird die Zahl der Erstwahlberechtigten nach Schätzung des Statistischen Landesamtes deutlich steigen: Rund 650 000 Menschen – etwa acht Prozent aller Wahlberechtigten – können 2026 erstmals abstimmen. Darunter befinden sich rund 180 000 Minderjährige, viele von ihnen noch Schüler. Doch werden diese auf die bevorstehende Wahl vorbereitet? Wir haben bei Schulen in Rottweil nachgefragt.
Am Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) werden die Jugendlichen laut Schulleiter Jochen Schwarz insbesondere im Gemeinschaftskundeunterricht auf Wahlen und politische Prozesse vorbereitet. Demokratiebildung, gesellschaftliche Teilhabe sowie das Verständnis politischer Abläufe auf nationaler und internationaler Ebene seien seit Langem fester Bestandteil des Unterrichts.
Ein zentrales Element sei zudem die Juniorwahl: „Alle Schülerinnen und Schüler von den Klassen 9 bis Kursstufe 2 nehmen daran teil. Diese Wahl läuft formal absolut identisch ab wie die eigentliche Landtagswahl“, so Schwarz.
Der Ernstfall wird geprobt
Auch am Droste-Hülshoff-Gymnasium (DHG) erfolgt die Vorbereitung überwiegend im Gemeinschaftskundeunterricht, erklärt Schulleiter Stefan Maier. Wie am AMG nehmen die Schüler in der Woche vor der Landtagswahl an der Juniorwahl teil und können während der Schulzeit in einem Wahllokal „richtig“ wählen sowie den „Ernstfall“ proben.
Zudem würden sie auf Angebote für Erstwähler wie das Jugendforum zur Landtagswahl hingewiesen. „So hoffen wir zum einen die Schülerinnen und Schüler so gut es geht über die Wahl zu informieren und aufzuklären und zum anderen natürlich auch möglichst viele Schülerinnen und Schüler zu motivieren, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen“, erklärt Schwarz.
Am Leibniz-Gymnasium (LG) werde das politische Interesse seit mehr als drei Jahren gezielt gefördert. Schulleiterin Silke Pach berichtet, dass in allen Klassen täglich die „Tagesschau in 100 Sekunden“ mit anschließender Fragerunde gezeigt werde. Man habe damit „unglaublich gute Erfahrungen gemacht und auch von Schüler- und Elternseite ein sehr positives Feedback erhalten, denn bereits nach kurzer Zeit können die Schülerinnen und Schüler dem täglichen politischen Geschäft folgen, mitdiskutieren und ihre Meinung bilden.“
Zur konkreten Wahlvorbereitung wird ab Klasse 10 mit Materialien der Landeszentrale für politische Bildung gearbeitet. Themen sind unter anderem der Vergleich von Wahlprogrammen, der Wahl-O-Mat, Erst- und Zweitstimme, der Aufbau des Wahlkreises sowie die Bedeutung der Stimmverteilung für die Zusammensetzung des Landtags. Ergänzend besuchen die Schüler Veranstaltungen wie das Jugendforum im Kapuziner, bei dem sie Fragen an Politiker stellen konnten.
Grundlegende demokratische Kompetenzen stärken
Nicht nur an den Gymnasien, sondern auch an beruflichen Schulen spielt die Wahlvorbereitung eine Rolle: An der Nell-Breuning-Schule (NBS) ist sie ebenfalls Teil des Unterrichts. Im Mittelpunkt steht laut Gemeinschaftskundelehrer Omid Moheb Ali „die Bedeutung demokratischer Wahlen für eine funktionierende Demokratie sowie die Rolle politischer Teilhabe. Ziel ist es, grundlegende demokratische Kompetenzen zu stärken, Informationen einordnen zu können, unterschiedliche Positionen sachlich zu vergleichen, Quellen kritisch zu prüfen und eine eigenständige, informierte Meinungsentscheidung zu treffen. Dabei achten wir ausdrücklich auf eine politisch und weltanschaulich neutrale Vermittlung im Sinne des Bildungsauftrags der Schule.“
An der Erich-Hauser-Gewerbeschule (EHG) wird bei den Themen und der Bedeutung der Landespolitik wird auch immer ein konkreter Bezug zum jeweiligen Berufsfeld geschaffen, erklärt Schulleiter Michael Schuler. Neben der Vorbereitung auf die Wahl im Unterricht werden den Schülern am EHG auch Veranstaltungen wie Besuche und Gespräche mit Politikern oder Medienbildung mit einem SWR-Reporter geboten.