Unser Kollege Hardy Kromer analysiert das Abschneiden der Kandidaten im Wahlkreis Hechingen-Münsingen.
Trotz der unerwarteten CDU-Schlappe auf Landesebene: Ihr Wahlkreiskandidat Manuel Hailfinger hat allen Grund zur Genugtuung. Dem 43-jährigen Sonnenbühler ist es gelungen, eine historische Scharte auszuwetzen. Bei seiner Premiere auf dem Stimmzettel im „Bananenwahlkreis“ vor fünf Jahren war dem landespolitischen Neuling doch tatsächlich die Peinlichkeit widerfahren, eine jahrzehntelange Hochburg der Christdemokraten für die grüne Konkurrentin Cindy Holmberg räumen zu müssen. Im zweiten Anlauf ist es Hailfinger nun gelungen zu sein, in die Fußstapfen seiner Vorgänger Theo Götz, Paul-Stefan Mauz und Karl-Wilhelm Röhm zu treten und das Direktmandat für die CDU zurückzuholen. Und das mit einem fulminanten Ergebnis. Seine Kollegin aus der alten und neuen Regierungskoalition hat er deutlich distanziert. Insbesondere das starke Erststimmen-Resultat, das das CDU-Zweitstimmenergebnis klar in den Schatten stellt, unterstricht Hailfingers persönlichen Triumph.
Ein Zweitmandat wäre ihm diesmal verwehrt geblieben
Der Wahlkreissieg hat den Christdemokraten im Übrigen davor bewahrt, seinen Sitz im Landtag zu verlieren. Ein Zweitmandat wäre ihm diesmal verwehrt geblieben.
Mit einem solchen darf sich Cindy Holmberg trösten, die über die Landesliste der Grünen wieder in den Landtag einziehen wird. Die Metzingerin hatte am frühen Abend im Kreise ihrer Parteifreundinnen und -freunde noch herzhaft über den überraschenden Triumph ihrer Partei gejubelt. Persönlich vermochte sie die Erwartungen dagegen nicht ganz zu erfüllen. So deutlich hoffte sie von ihrem CDU-Kontrahenten nicht distanziert zu werden.
Für den Wahlkreis Hechingen-Münsingen bedeutet die Wiederwahl des schwarz-grünen Koalitionsduos Hailfinger/Holmberg – wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen – größtmögliche Kontinuität. Neu ist, dass die FDP im Wahlkreis, die regelmäßig durch Platzhirsche wie Horst Glück, Andreas Glück und Rudi Fischer im Stuttgart vertreten war, keine Rolle mehr spielt.
Und die AfD? Dass sie nach dem Rückzug des vergleichsweise gemäßigten Burladingers Joachim Steyer den Wahlkreis nicht mehr vertritt, wird zu verschmerzen sein. Auf einen Volksvertreter vom Format eines Alexander Gräff, der im richtigen Leben unsichtbar bleibt, dafür umso heftiger auf Social Media poltert, kann die Region getrost verzichten. Und dennoch: Dass die Rechtsaußen-Partei gerade im Hohenzollerischen überdurchschnittlich gut abgeschnitten hat, schockiert.